Aktionstag

Kita-Kinder wollen vor dem Mülheimer Rathaus demonstrieren

Das Kinderparlament der katholischen Kita St. Barbara ist mit Plakaten und Flüstertüte gut gerüstet. Die Gruppe will heute bei der Kundgebung vor dem Mülheimer Rathaus antreten: (v.li.): Nelly, Kaan, Jana, Maximilian, Fabio, Sofie und Lea.

Das Kinderparlament der katholischen Kita St. Barbara ist mit Plakaten und Flüstertüte gut gerüstet. Die Gruppe will heute bei der Kundgebung vor dem Mülheimer Rathaus antreten: (v.li.): Nelly, Kaan, Jana, Maximilian, Fabio, Sofie und Lea.

Foto: Jörg Schimmel

Mülheim.   Müll auf Spielplätzen, rücksichtslose Autofahrer, Eltern mit Handy am Ohr: Katholische Kitas organisieren Kundgebung am heutigen Weltkindertag.

„Wir haben was zu sagen“ - unter diesem Motto steht der diesjährige Weltkindertag, der offiziell am heutigen Mittwoch begangen wird. Den Leitsatz haben Erwachsene ausgewählt, Unicef und Deutsches Kinderhilfswerk. Der Nachwuchs soll ihn mit Inhalt füllen; man möchte „Kindern eine Stimme geben“, die zwar plappern und kreischen können, aber an Wahlen noch nicht teilnehmen dürfen.

Mit kleinen Ausnahmen: In der katholischen Kita St. Barbara in Dümpten gibt es ein Kinderparlament, in dem jeweils zwei Sprecher aus jeder der vier Gruppen vertreten sind. Zur Zeit gehören gleich viele Mädchen wie Jungen dazu, überwiegend Fünfjährige, und sie wurden, wie Kita-Leiterin Angelika Kramer erklärt, geheim gewählt.

Aktion zum Weltkindertag

Das Trüppchen beteiligt sich an einer Aktion zum Weltkindertag, die der katholische Kita-Zweckverband initiiert hat. Sprechblasen am Stiel wurden verteilt, die die Kleinen kreativ gestalten konnten: Wünsche, Sehnsüchte, Kritik. Auch Megaphone wurden ausgegeben, damit es bei der zentralen Kundgebung schön laut wird: Eine Art Demo findet heute um 11 Uhr vor dem Mülheimer Rathaus statt. Erwartet werden rund 120 Kinder aus den Pfarreien St. Barbara, St. Mariae Geburt und St. Mariae Rosenkranz. Bürgermeisterin Ursula Schröder will den Nachwuchs zum Gespräch empfangen.

Die Kinder von St. Barbara können vier unterschiedliche Themen beisteuern, die sie gemeinsam mit ihren Erzieherinnen formuliert haben. Was sie ärgert: Menschen jeden Alters, die andere schlagen. Autofahrer, die nicht anhalten, wenn Kinder am Straßenrand stehen, sondern Gas geben: Gestern auf dem Weg zur Bücherei hätten sie genau das noch erlebt.

„Zigarettenkippen, Kackehaufen, kaputte Flaschen“

Auf eine dritte Sprechblase haben sie eine Spielplatzszene gemalt, samt unschöner Dinge, die dort nicht hingehören. Nelly und Kaan zählen auf: „Zigarettenkippen, Kackehaufen, kaputte Flaschen.“ Jeden Morgen unternehmen die Dümptener Kita-Kinder einen Rundgang um das Außengelände, sprechen also aus Erfahrung. Ein weiteres Plakat appelliert an die Erwachsenen: „Hör mir bitte zu!“ Das selbst gemalte Bild zeigt einen kleinen Menschen mit weit ausgebreiteten Armen und einen großen Menschen, der sich abwendet, das Smartphone eng ans Ohr gepresst. Auch das können Kinder und Erzieherinnen in ihrem Alltag beobachten, wenn auch in Einzelfällen: „Einige Eltern gehen mit Handy rein und wieder raus“, berichtet die Kita-Leiterin.

An vielen Schulen gelten bekanntlich Handyverbote für die Kinder und Jugendlichen, in der Kita käme einem eher ein Handyverbot für Erwachsene in den Sinn. „Noch“, sagt Angelika Kramer, „haben wir so etwas nicht.“

Kinderparlament vertritt 95 Zwei- bis Sechsjährige

Aber sie haben ihr Kinderparlament, das insgesamt 95 Zwei- bis Sechsjährige vertritt und nicht nur am 20. September zu Wort kommen soll, sondern das ganze Jahr über Anliegen äußern kann.

Zuletzt, so Angelika Kramer, sei es etwa um die Anschaffung von neuem Sandspielzeug gegangen, um die Essensplanung für die Karnevalsfeier oder darum, dass der Spieltornister kaputt sei und ersetzt werden muss. Kleinigkeiten vielleicht, aber nicht für Kinder.

>>> WELTKINDERTAG SCHON VORGEFEIERT

Der Weltkindertag wurde in Mülheim schon am vergangenen Sonntag vorgefeiert. Wie immer, mit einem großen Spielfest im Müga-Park, bei dem mehr als als 50 Verbände und Institutionen mitgewirkt haben. Eigentlich gilt aber der 20. September als offizieller Weltkindertag – zumindest in Deutschland.

In 145 Staaten weltweit gibt es einen bestimmten Tag, an dem auf Kinderrechte aufmerksam gemacht wird, jedoch nicht an einem einheitlichen Datum.

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