Bürgerbarometer

Kennen Sie das Mülheimer Stadtoberhaupt?

53 Prozent aller Befragten sagten, dass sie den Namen des Stadtoberhauptes kennen. Einige nannten dann allerdings Amtsvorgängerin Dagmar Mühlenfeld oder auch komplett falsche Namen.

Foto: Helge Hoffmann

53 Prozent aller Befragten sagten, dass sie den Namen des Stadtoberhauptes kennen. Einige nannten dann allerdings Amtsvorgängerin Dagmar Mühlenfeld oder auch komplett falsche Namen. Foto: Helge Hoffmann

mülheim.   Luft nach oben: Rund die Hälfte der Befragten des NRZ-Bürgerbarometers kennen OB Ulrich Scholten. 24 Prozent sind mit seiner Arbeit zufrieden.

Seit etwas mehr als zwei Jahren ist Ulrich Scholten mittlerweile im Amt. Und sein Bekanntheitsgrad als Oberbürgermeister ist ausbaufähig, könnte man sagen. Insgesamt 53 Prozent der befragten Mülheimer gaben bei unserem Bürgerbarometer an, den Namen des Stadtoberhauptes zu kennen. Knapp 50 Prozent kennen ihn tatsächlich und nannten auch seinen Namen. Der Rest der Befragten nannte Scholtens Amtsvorgängerin Dagmar Mühlenfeld oder auch komplett falsche Namen.

Insgesamt 46 Prozent der Befragten fiel der Name des Stadtoberhauptes dagegen überhaupt nicht ein. Woran liegt das? Ist es die Folge einer desinformierten Öffentlichkeit oder eines passiven Oberbürgermeisters?

Der OB findet den Wert nicht schlecht

Ehrungen, Eröffnungen, Empfänge, Aufsichtsräte, politische Gremien, Verwaltungsarbeit und Gespräche, Gespräche, Gespräche - „Ich wüsste nicht, was ich momentan noch tun könnte, um bekannter zu werden“, sagt Ulrich Scholten zu den Ergebnissen, die ihn selbst aber auch nicht sonderlich überraschen. Er habe zwar vorher schon 16 Jahre im Rat gesessen, „aber das bedeutet ja nichts“. Zumindest nichts für den Bekanntheitsgrad Insofern könne man das Ergebnis nach zwei Jahren im Amt auch optimistischer betrachten: „Immerhin habe ich schon einen Bekanntheitsgrad - von Null auf 50 Prozent“, sagt der OB. Der Wert sei nach zwei Jahren nicht schlecht, findet Scholten, darauf ausruhen möchte er sich gleichwohl nicht.

Unter anderem möchte er die Schülergespräche weiterführen und ausbauen, die Dagmar Mühlenfeld eingeführt hatte. Weiterhin stark präsent wolle er sein und „die Nase an den Themen haben“. Die in vielerlei Hinsicht schon auf dem Weg waren, als Ulrich Scholten sein Amt antrat.

„Das Drängendste sind die Freiräume in den Finanzen“

Das Lindgens-Gelände, der Flughafen, die Ruhrbania-Baufelder III und IV, der ÖPNV - alles Themen, die schon vor seiner Zeit schwelten, aber nun endgültig auf Umsetzung drängen. Ein ureigenstes Leuchtturm-Projekt, der signifikante Fußabdruck in Form eines Großprojektes, den Oberbürgermeister häufig hinterlassen wollen, findet sich bislang nicht in Scholtens Agenda. Was vor allem an der prekären Finanzlage der Stadt liegt. Kein Geld lässt eben auch keinerlei Sprünge zu.

Umso mehr möchte sich Scholten auf die bestehenden Problemlagen konzentrieren. „Das Drängendste sind die Freiräume in den Finanzen“, sagt der OB, der einer der Sprecher des Aktionsbündnisses „Für die Würde unserer Städte“ ist. Darüber hinaus nennt er die Entwicklung des Lindgens-Geländes, das er als Motor für die weitere Entwicklung des Ibing-Areals und des Steinbruchs Rauen ansieht, dazu die Innenstadtentwicklung und das Flughafengelände.

Der Schwebezustand drückt auf die Zufriedenheit

In der Innenstadt wächst derzeit das Stadtquartier Schloßstraße und ins Lindgens-Projekt ist nach den atmosphärischen Störungen im Sommer mittlerweile Ruhe eingekehrt, umgesetzt ist allerdings noch nichts. Das könnte auch der Grund sein, warum es einem Großteil der befragten Mülheimer noch schwerfällt, die Arbeit des Oberbürgermeisters zu beurteilen: 47 Prozent sind hin- und hergerissen. 24 Prozent sind dagegen mit Ulrich Scholtens Arbeit zufrieden.

Den Schwebezustand der vielen Projekte und den noch nicht sichtbaren Erfolg sieht auch der OB als Grund für das indifferente Ergebnis. Aber: Mit jedem Erfolg würden auch die Zufriedenheitswerte steigen, ist sich der Oberbürgermeister sicher. Muss nur noch der Erfolg eintreten.

Politiker sind überrascht

Die Politik ist in der Beurteilung des Oberbürgermeisters überraschend zurückhaltend. Auch wenn sich die meisten darin einig sind, dass der Bekanntheitsgrad selbst innerhalb von zwei Jahren steigerungsfähig ist. Selbst nach dieser vergleichsweise kurzen Zeit sei das Ergebnis „zu wenig“, sagt etwa Grünenfraktionssprecher Tim Giesbert. Einzig die frisch gekürte Vorsitzende der CDU-Fraktion, Christina Kaldenhoff, schiebt die Tatsache, dass Scholten bei 46 Prozent unbekannt ist, der Kürze seiner Amtszeit zu.

BAMH-Fraktionschef Jochen Hartmann und FDP-Amtskollege Peter Beitz wundern sich unterdessen, dass Scholten gemessen an der Zahl seiner Auftritte und der medialen Präsenz sowie der Dominanz der SPD in der Vergangenheit nicht bekannter in der Stadt ist. Für SPD-Fraktionschef Dieter Spliethoff hängt das allerdings auch mit dem Desinteresse vieler Bürger an Kommunalpolitik und an der Arbeit der Verwaltung zusammen.

Großes Lob für Scholtens Moderationsfähigkeiten

In seiner Arbeit loben alle Scholtens Umgang, seine Konzilianz und Moderationsfähigkeiten. Auch sei er „kein OB, der untätig ist“, sagt Tim Giesbert. Dazu findet Peter Beitz, dass Ulrich Scholten „schon versucht, nie den Gesprächsfaden abreißen zu lassen“. Allerdings findet Jochen Hartmann, dass der OB die Ratssitzungen mit größerer Stringenz führen und sich inhaltlich teilweise früher in Themen einbringen müsse. Als Beispiel nennt er Lindgens. Noch habe der OB außerdem keine Duftmarke gesetzt. Das falle in einer überschuldeten Stadt auch schwer, sagt Peter Beitz. Schließlich sei Ulrich Scholten „der erste Oberbürgermeister, der überhaupt kein Geld mehr zur Verfügung hat“.

>>> Ulrich Scholten und Dagmar Mühlenfeld im Vergleich
Mit einer Durchschnittsnote von 2,8 liegt Ulrich Scholten in der Zufriedenheit vor Amtsvorgängerin Dagmar Mühlenfeld, die beim Bürgerbarometer 2014 mit einer 3,0 benotet wurde.

Allerdings war sie zu dem Zeitpunkt elf Jahre im Amt und polarisierte mehr. Damals waren mit ihrer Arbeit 27 Prozent zufrieden, 34 Prozent indifferent und 24 Prozent nicht zufrieden.

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