Stadtentwicklung

Kaufhof-Abriss auf der Zielgeraden

Der Abriss des Kaufhofs geht unaufhaltsam weiter.  Jetzt fällt die Fassade an der Friedrich-Ebert-Straße.

Der Abriss des Kaufhofs geht unaufhaltsam weiter. Jetzt fällt die Fassade an der Friedrich-Ebert-Straße.

Foto: Alexandra Roth

mülheim.   Jetzt steht nur noch die Fassade an der Friedrich-Ebert-Straße. Sie soll noch in dieser Woche fallen. Sicherheit steht dabei an erster Stelle.

Nach drei Monaten harter Arbeit ist vom ehemaligen Kaufhof nur noch die schönste Seite übrig: Die alte Muschelkalkfassade an der Friedrich-Ebert-Straße, die Liebhaber gerne für die Nachwelt erhalten hätten. Aber das wäre für die Investoren nicht wirtschaftlich gewesen. Polier Thomas Liemann, der den Abriss für die Arbeitsgemeinschaft Herrmann und Lukassen leitet, ist zuversichtlich, dass die Fassade bis Ende der Woche gefallen ist.

Mit acht Baggern geht das 15 Mitarbeiter zählende Team derzeit vor und arbeitet sich vom Riekenhaus bis zum Rathaus sukzessive vor. Dann muss noch der Bauschutt abtransportiert werden. „Damit haben wir am Donnerstag begonnen“, erzählt Liemann. Man hört es, denn gerade noch hat ein Bagger seine prall gefüllte Schaufel über einem Laster entleert, was für einen ordentlichen Rums sorgt und den Lkw tüchtig von einer zur anderen Seite schüttelt.

Schutt wird in Duisburg aufbereitet

Mit dem größten Teil des Abbruchmaterials verfüllten die Arbeiter das Untergeschoss des ehemaligen Kaufhofs, weil der Boden des Erdgeschosses einen der schweren Bagger mit den knapp 30 Meter langen Auslegern nicht tragen könnte. Wie lange der Abtransport dauert, kann Liemann, der seit sechs Jahren für das Abbruchunternehmen Herrmann aus dem Münsterland arbeitet, noch nicht abschätzen.

Der Schutt wird bei einem Duisburger Entsorgungsunternehmen aufbereitet, so dass er beim Straßenbau eingesetzt werden könne, erklärt er. Damit der Dreck, den die Laster von der Baustelle auf die Straße bringen, zumindest reduziert wird, fährt ein Mitarbeiter in einem kleinen Radlader in der Eingangszone auf und ab. Statt einer stählernen Pranke ist seine Fahrzeugfront mit einer Bürstenwalze und einem Wassertank ausgestattet, womit der Boden geschrubbt wird.

Alles lief bislang rund

Probleme gab es seit Anfang Oktober auf der Baustelle keine. Alles lief bislang rund, bestätigt der 38-Jährige, der aber so wirkt, als könne ihn nur schwer etwas aus der Ruhe bringen. Auch das Wetter habe, abgesehen von ein bisschen Frost, mitgespielt. „Aber der Mittelteil hatte es schon in sich“, sagt der Mann, der über zehn Jahre Berufserfahrung auf Abbruchbaustellen verfügt. Der Beton enthielt mehr Stahl als erwartet. Sicherheit ist aber wichtig.

Angesprochen auf seine größte berufliche Herausforderung, hatte Liemann zum Start des Abrisses auf diese Fassade verwiesen. Schon im Oktober wurde an der Zentralen Haltestelle ein nach vorne offener, 90 Meter langer Holztunnel gebaut. Ein mehrere Meter hohes Netz schützt die Fahrgäste außerdem vor Teilen, die beim Abbruch eventuell unkontrolliert wegplatzen könnten.

Häuser an der Schloßstraße sind gut zu erkennen

Und schließlich wird ein Kran noch schwere Gummi-Matten im jeweiligen Bauabschnitt vor das Gebäude halten. Außerdem werden Mitarbeiter die Wartenden ansprechen, sich nicht im unmittelbaren Gefahrenbereich aufzuhalten. Tatsächlich gefährlich ist es zwar nicht, aber man weiß ja nie, was passieren könnte. Auch die Verkehrsbetriebe, so Liemann, haben ihre Servicekräfte verstärkt, um ihre Fahrgäste über Vorsichtsmaßnahmen zu informieren.

Die Fassade ist inzwischen auf ein Minimum geschrumpft. Durch die Fenster kann man vom Platz am Hafenbecken schon seit Tagen deutlich die Häuser an der Schloßstraße erkennen. An der rechten Gebäudekante schaut man wie bei einem Längsschnitt in ein offenes Treppenhaus. In der ganzen Breite ist das Gebäude zur letzten Pfeilerreihe abgetragen. Davor erstreckt sich eine große Freifläche, die neue Perspektiven zwischen Hafenbecken und Berliner Platz eröffnet.

Das Stadtquartier ist auf dem Bauzaun zu sehen

Darstellungen des künftigen Stadtquartiers Schloßstraße, kurz SQS, wie AIP und MWB den aus zwei Gebäuden bestehenden Neubau nennen, ist auf dem Bauzaun neben Impressionen aus dem Kaufhof zu erkennen. Zahlreiche Interessierte säumen den Zaun und beobachten jede Veränderung an der Baustelle.

Wenn der letzte Fassadenteil gefallen ist, eröffnet sich erstmals ein Blick von der unteren Schloßstraße in Richtung Ruhr – wovon schon Ruhrbania-Planer Matthias Pfeifer schwärmte.

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