Kultur

Kantor von Mariae Geburt begeistert mit jeckem Orgelkonzert

Kantor Jens-Christian Vogel an seiner Orgel.

Kantor Jens-Christian Vogel an seiner Orgel.

Foto: Oliver Mueller

Mülheim.   Kantor Jens-Christian Vogel spielt Pop-Hymnen, Filmmusik und alte Klassiker auf der Orgel. Ein schräg-schöner Spontanchor lässt die Kirche beben.

Wer nichts wagt, der gewinnt kein Publikum. Jens-Christian Vogel hat Neues gewagt – die Menge in der Kirche zum Mitsingen animiert und begeistert. Der Kantor an St. Mariae Geburt hatte ein jeckes Orgelkonzert angekündigt. Dabei erlebten die Zuhörer, dass die Königin der Instrumente nicht nur zur Begleitung von Kirchenliedern sowie für das Spiel virtuoser Tasten- und Pedalkompositionen geschaffen ist. Abba, Udo Jürgens oder John Miles sind ebenfalls orgelfähig.

Einige Pop-Hymnen des schwedischen Quartetts führte Vogel gleich zu Beginn des närrischen Nachmittags in einem Medley zusammen. „S.O.S.“, „Money Money“, The Winner takes it all“ oder „Thank you for the Music“ mündeten keineswegs in einem „Waterloo“, sondern in spontanem Beifall. Die Orgel kann auch Walzer und Tango. Vogel intonierte dazu Stücke von Dmitri Schostakowitsch und Carlos Gardel. Dabei tanzten seine Hände und Füße beinahe über Tasten und Pedale.

Filmmusik von Pippi Langstrumpf und Miss Marple

Die Filmmusiken von Pippi Langstrumpf und Miss Marple waren ebenfalls auf der Kirchenorgel zu hören. Der schwedische Jazzmusiker Jan Johansson und Konrad Elfers (deutsche Bearbeitung) liehen sich dafür Notenpassagen aus einem Barock-Konzert der Händelschen Zeit. Gleiches tat Ron Goodwin für die Filmmusik der englischen Krimis.

Danach erschien Drafi Deutschers Liedtext „Marmor Stein und Eisen bricht“ auf der Leinwand: „Singen Sie bitte mit, es wird klappen“, forderte der Organist die Besucher auf. Schon nach Sekunden war der Bann gebrochen. Mit Orgelbegleitung war das 1. Mülheimer Rudelsingen in einer Kirche perfekt. Es folgten Udo Jürgens‘ „Mit 66 Jahren“ und „Ich war noch niemals in New York“ oder Roco Granatas „Marina, Marina“. Selbst Helene Fischer machte den Spontan-Chor nicht „Atemlos“ vor der Nacht. Alles klang schön schräg. „Sie machen das prima“, hatte der Kantor seine Freude. „Pomp and Circumstance“ war danach eine leichte Übung für die Mitsingenden.

Am Ende waren alle hin und jeck

Als Zugabe entlockte Vogel den Pfeifen des Orgelprospektes „Music was my first love“. Der Klassiker von John Miles aus dem Jahr 1976 erreicht fast sechs Minuten. Stehender Applaus des vollen Hauses war der Lohn für ein gelungenes Konzert, bei dem alle hin und jeck waren.

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