Kulturgut-Reihe

Kabarett mit Jürgen Becker: Gedanken zu Liebe, Sex, Politik

Einer der bekanntesten deutschen Kabarettisten - Jürgen Becker - kommt in die Mülheimer Stadthalle.

Einer der bekanntesten deutschen Kabarettisten - Jürgen Becker - kommt in die Mülheimer Stadthalle.

Foto: Simin Kianmehr

Mülheim.  Der Kabarettist Jürgen Becker gastiert in der Mülheimer Stadthalle. Er skizziert die „Kulturgeschichte der Fortpflanzung“. Es gibt noch Karten.

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Er ist einer der bekanntesten deutschen Kabarettisten: Jürgen Becker, der Gastgeber bei den „Mitternachtsspitzen“. Am Freitag, 22. November, um 20 Uhr gastiert er mit seinem aktuellen Programm „Volksbegehren“ in der Stadthalle.

In „Volksbegehren“ laden Sie zum Blick durchs Schlüsselloch ein. Was kriegen wir zu sehen?

Becker: Wie das Erstarken der Rechtspopulisten den Macho an die Haupthebel der Macht spült. Aber auch das Entgleiten der Autorität an sich selbst, wie zuletzt im Fall Heinz Christian Strache . Da sitzt der Vizekanzler in einer Ferienvilla auf Ibiza mit der attraktiven Nichte eines angeblichen russischen Oligarchen und der Macho beginnt sogleich alkoholisiert mit der Balz. Sie solle die Kronen-Zeitung kaufen und ihn hoch schreiben, er besorge ihr dafür Milliarden-Geschäfte mit Österreich. So etwas würde einer Frau nicht passieren.

Es geht im Programm um die Kulturgeschichte der Fortpflanzung. Funktionierte die nicht immer gleich?

Keineswegs, Millionen Jahre funktionierte die Fortpflanzung ohne Sex, einfach durch Zellteilung. Tiere wie die Blattlaus können das heute noch. Doch irgendwann setzte sich allmählich die geschlechtliche Fortpflanzung durch. Denn dadurch entsteht mehr Mischung, was gesünder ist. Würden wir uns wie die Blattlaus einfach immer nur kopieren, ginge das in Ordnung, solange wir gesund, munter und stark sind. Aber nehmen wir an, wir sind krank, anfällig, oder ein Trottel, dann kopieren wir uns eben auch 3000 mal krank, anfällig oder als Depp. Und 3000 Deppen, das will die Natur nicht, wie das aussieht, kennen wir von Pegida!


Sex und Liebe - das Thema spricht alle an, oder? Können auch alle darüber lachen?

Ja, denn die Wörter „Lust“ und „lustig“ haben ja den selben Stamm. Humor lebt von der Fallhöhe, und die ist bei diesem Thema besonders hoch, weil es hier sehr hohe Erwartungen und Ansprüche gibt.


Sex sei aufwändig, sagen Sie - zumindest für den Menschen…

Ja, schon allein, weil man sich einen Partner dafür suchen muss. Man kann das in der Natur genau beobachten: Das Weibchen muss das Männchen anlocken. Dann muss das Männchen balzen, hinter dem Weibchen herlaufen und Dinge tun, die das Weibchen gut findet. Ich sehe jeden Abend die Qual der Männer im Saal. Die sind ja nur da, weil die Frau die Karten besorgt hat.


Zu Ihrem Programm gibt es eine Besprechung - „Von Bienen, Blumen und Bischöfen“. Hört sich böse an...

Ist es auch. Die krude katholische Sexualmoral erfüllt ja nicht mal das eigene Personal. Da sagt die Katholikin zum Priester: Küssen Sie mich, Herr Pfarrer!“„Das darf ich nicht, gnädige Frau - streng genommen dürfte ich hier gar nicht nackt neben ihnen liegen.“

Sie touren schon seit einiger Zeit mit „Volksbegehren“. Wie motivieren Sie sich immer aufs Neue für den Auftritt?

Dafür muss ich mich nicht motivieren. Es gibt nichts Schöneres, als ein Programm, das man perfektioniert

hat, zu spielen und dabei das kraftvolle Gelächter der Zuschauer zu genießen. Applaudieren kann man auch aus Höflichkeit. Das Lachen aber ist immer echt!


Ein neues Programm ist für 2020 in Planung. Worum geht es dabei?

Es heißt: „Die Ursache liegt in der Zukunft“, und genau darum geht es. Wir leben immer für die Zukunft: Ewiges Stimmen, und nie beginnt das Konzert. Aber dieses Programm macht Lust auf Zukunft.


Liveauftritte, Fernsehen, Radio - was machen Sie eigentlich am liebsten?

Live ist live, das ist durch nichts zu ersetzen. Ich freue mich auf Mülheim.

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