Ausstellung

Junge Kunst belebt leerstehendes Ladenlokal in Mülheim

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Wo einst Blumen standen, präsentieren sie heute ihre Kunst: André (v.l.) und Natalie Kajzer, Marvin Hoffmann, Anita Fussik und Marcel Gibowski bilden die erste Gruppe, die derzeit ihre Arbeiten im „Zwischenraum“ ausstellt.

Wo einst Blumen standen, präsentieren sie heute ihre Kunst: André (v.l.) und Natalie Kajzer, Marvin Hoffmann, Anita Fussik und Marcel Gibowski bilden die erste Gruppe, die derzeit ihre Arbeiten im „Zwischenraum“ ausstellt.

Foto: Michael Dahlke

Mülheim.   Unter dem Titel „Zwischenraum“ bespielen junge Künstler ein verwaistes Lokal an der Zeppelinstraße. Die Gruppe sucht weitere Orte in Mülheim.

Seit einiger Zeit schon duftet es an der Zeppelinstraße 116 nicht mehr nach frischen Sträußen. Seit der Blumenladen Buhle diesen Standort aufgab, sind die großen Räume verwaist. Zehn junge Künstler der Universität Duisburg-Essen aber haben die Türen des leerstehenden Lokals wieder geöffnet und bringen frischen Wind mit – direkt aus dem Kunststudium. „Zwischenraum“, so nennen sie ihr Ausstellungsprojekt, das dem Laden über einige Wochen lang wieder Leben einhauchen soll.

Über einen Mülheimer Galeristen bekam die Gruppe den Kontakt vermittelt. Für die jungen Künstler ist es eine Bleibe auf Zeit. Im Herbst, sagt André Kajzer (30) werde bereits der Nachmieter, ein Bestatter, einziehen. Bis dahin sei die ungewöhnliche Galerie eine gute Chance für die zum Teil ganz frischgebackenen Absolventen. „Der Titel Zwischenraum passt nicht nur zu dem Laden, sondern auch zu uns sehr gut: Wir sind alle vor kurzem erst mit dem Studium fertig geworden und auch noch ein bisschen ,dazwischen’.“

Der 26-jährige Marvin Hoffmann beispielsweise hat erst in der vergangenen Woche seine Masterprüfung abgelegt. Im „Zwischenraum“ präsentiert er seine „ungegenständlichen Arbeiten“, wie er findet: Mit einem Malmesser hat er schwarze Acrylfarbe auf ganz glattem Karton aufgetragen und beobachtet, wie sich die Farbe verteilt, überlagert, und teils zufällige Muster entstehen.

Marcel Gibowski (25) zeigt erstmals seine Bachelor-Abschlussarbeit namens „Spurensuche“. Die Zinkplatten, die er für seine Radierungen verwendet hat, beträufelte er mit Wasser, ließ sie von Vögeln bepicken oder auf einer befahrenen Straße von Autoreifen überrollen. Für eine zweite Wand hat er Bleistift- und Graphit-Zeichnungen mitgebracht, die seine Vorliebe für Grafik und Architektur kombinieren. Eine Skizze der Essener Uni-Bauten hat er abstrakt verfremdet.

In einem kleinen, dunkleren Seitenraum zeigen Natalie Kajzer und Anita Fussik über einen Beamer ihre Videoarbeiten. In zwei Schwarz-Weiß-Stummfilmen versucht die 25-jährige Anita Musik ganz ohne Ton darzustellen. „Ein Gebärdendolmetscher zum Beispiel trägt einen Songtext der Band Rammstein vor“, erzählt sie.

Mülheim bietet mehr kreativen Freiraum

Natalie, deren Eltern aus Polen stammen, hat sich dafür intensiv mit ihrer Familiengeschichte beschäftigt. „Ich bin quasi im Zwischenraum schon groß geworden – zwischen Polen und Deutschland“, sagt die 24-Jährige, die heute in Essen lebt. Mülheim, meint sie, könnte für die ganze Gruppe ein guter Start ins Arbeitsleben sein. Während die Ausstellungsmöglichkeiten in Essen von den vielen Absolventen der dortigen Kunsthochschulen deutlich stärker umkämpft sind, „bietet Mülheim uns in der letzten Zeit viel kreativen Freiraum“. Die hiesige Kunstszene will von den frischen Strömungen profitieren, die aus der Nachbarstadt herüberschwappen: „Viele Ateliers werben damit, dass sie jungen Künstlern die Möglichkeit geben wollen, ihre Werke auszustellen“, sagt Natalie Kajzer.

Direkt im Foyer des ehemaligen Blumenladens stellt ihr Mann André seine Bilder aus. Fast fotorealistische, aber sehr düstere Motive hat er auf die Leinwände gebracht. Doch die Oberflächen bearbeitete er mit Lösungsmittel: ausgewaschen, vergänglich wirken seine Werke, darunter auch einige Porträts bekannter Persönlichkeiten.

„Wir freuen uns über jeden weiteren Leerstand, den wir bespielen könnten“, sagt der 30-Jährige. Saskia Arndt, die in zwei Wochen ihre Arbeiten zeigt, fügt hinzu: „In einer Galerie ist es zwar vielleicht elitärer. Aber hier haben wir alle Freiheiten. Hier dürfen wir selbst Kurator sein.“

>> Info: Der Eintritt ist frei

Die Ausstellung der ersten Gruppe ist bis zum 6. August zu sehen. Am Freitag, 11. August, beginnt um 18 Uhr die Vernissage der zweiten Künstlergruppe.

Die Schauen können kostenlos besichtigt werden. Immer samstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr sind die jungen Künstler vor Ort und freuen sich über Besucher.

Mehr Infos zur Aktion und Kontaktdaten gibt es auf Facebook unter „Zwischenraum Mülheim“.

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