Floating Homes

In Mülheim wird am "Wohnen auf dem Wasser" geplant

Das Planungsteam Ponton: Christof Laue, Hanns Schuster, Gunvar Blanck und Detlef Riek. Sie zeigen die Standorte, für die sie Planungen entwickeln.

Foto: Foto: Zoltan Leskovar

Das Planungsteam Ponton: Christof Laue, Hanns Schuster, Gunvar Blanck und Detlef Riek. Sie zeigen die Standorte, für die sie Planungen entwickeln. Foto: Foto: Zoltan Leskovar

Die Planungsgruppe Ponton entwickelt an sieben Punkten Konzepte für 21 schwimmende Häuser vom großen Bürokomplex bis zur romantischen Wohnung

Für Wohnen auf dem Wasser scheint der Zeitpunkt ideal. Bei der Internationalen Gartenbauausstellung IGA 2027 sind diese innovativen Wohnformen ein Kernprojekt. „Alle warten auf die Mittelfreigabe für die IGA durch die Landesregierung“, sagt der Architekt Gunvar Blanck, dann werde der Regionalverband Ruhr eine Reihe notwendiger Gutachten in Auftrag geben.

Da der Fluss mitten durch Mülheim fließt, ist keine Stadt im Ruhrgebiet für solche Wohnformen so prädestiniert wie diese. Blanck ist einer von drei Architekten, die an dem Thema seit über einem Jahr arbeiten und sich zu der Planungsgruppe Ponton zusammengeschlossen haben. Hanns Schuster vom Vermessungsbüro Geo-Haus ist neben Detlef Riek und Christof Laue der vierte im Boot. An sieben Standorten prüfen sie zwischen dem Raffelbergwehr und Mintard die Realisierbarkeit von 21 Gebäuden auf dem Wasser.

Unterschiedliche Größen und Nutzungen sind geplant

Um die Dimensionen klar zu machen, spricht Blanck von 300 Metern, würde man alle Floating Homes, wie man diese Wohnform nennt, wie an einer Perlenkette aufreihen. Das entspräche der Länge der aktuellen Ruhrpromenade. Mit anderen Worten, bei 12,5 Kilometern Flusslänge haben die Planungsvorhaben die Dimension einer Erbse, sie seien absolut verträglich und sollen das Leben am Fluss aufwerten. Weiteres Potenzial sehen die Planer dann nicht mehr.

Bei den geplanten Bauten geht es um eine Palette unterschiedlicher Nutzungen und Größen mit einer bunt gemischten Typologievielfalt, die vom schwimmenden Büro über ein idyllisch gelegenes Hotel für Radfahrer bis zur kleinen Siedlung reicht und somit einen städtebaulichen Charakter erlangen soll.

Auch Nachhaltigkeit spielt eine Rolle

„Es wäre schön, wenn Mülheim bei dieser Wohnform mal Vorreiter wäre und nicht wieder hinterher eiert“, meint Blanck, der mit seinen Partnern in diesen Tagen die Politik über das Vorhaben informiert. Nachdem vor einem Monat die Idee bei einem Treffen mit Oberbürgermeister Ulrich Scholten in groben Zügen publik geworden ist, vergeht kaum ein Tag, an dem sich nicht ein Interessent bei der Stadt, bei einem der drei beteiligten Architekten oder im Geo-Haus meldet. Es ist eine Idee, die elektrisiert. Aber den Architekten geht es wie auch sonst bei jedem Bauprojekt um Qualität, wobei Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle spielt. „Das muss man uns nicht erklären“, betont der Architekt und sieht keinen Grund, warum die ersten beiden Projekte nicht in den nächsten zwei Jahren realisiert sein könnten.

Die Qualität spiegelt sich in Größe und Preis wider. Die Quadratmeterpreise seien mit denen von Einfamilienhäusern vergleichbar, Riek nennt 1500 bis 2000 Euro als Orientierungsgröße. Wohnungsgrößen von 140 Quadratmetern auf mehreren Stockwerken befinden sich auch im Planungspaket. Ziel ist die Formulierung von Anforderungen, die nicht die Kreativität einengen und Details festlegen, sondern kreative Spielräume und Phantasie erst eröffnen sollen, was dann ein Gremium wie der Gestaltungsbeirat absegnen müsste. Dem engen Korsett der Landesbauordnung möchte man sich aber entziehen, denn Floating Homes sind weder Immobilien noch Schiffe.

„Etwas aussteigen“

Zielgruppe sind Leute, die „etwas aussteigen“ wollen, wie es Blank, nennt, die die Beschaulichkeit und Ruhe des Flusses suchen, aber gleichzeitig auch die Nähe zur Stadt und ihren Möglichkeiten schätzen. Druck von Investoren gebe es aber nicht, so Blank. Und auch für Bauträger, die einen Bautyp an einem Standort dutzendfach realisieren, ist das nichts. Es geht um individuelle Lösungen. Blank sieht es als ideelles Projekt, spricht von einem „Bierdeckelprojekt“. Bei einer Zigarettenpause auf einer Party habe man sich entschlossen, eine Idee, die schon seit Jahren in der Luft gelegen habe, anzugehen, um etwas Bleibendes umzusetzen, was auch auf die Region ausstrahle. Die für Floating Homes geeignete Wasserflächen werden sich landesweit in den nächsten Jahren durch aufgegebene Kiesgruben und den Braunkohletageabbau vergrößern. Allessamt Standorte, die durch die wirtschaftliche Nutzung schon ideal erschlossen sind. Das könnte auch für lokale Unternehmen interessant werden, die schon jetzt technische Lösungen beherrschen, die beim Bau dieser Wohnformen erforderlich sind.

Die Standorte sind weit verteilt

Standorte, an denen Ponton arbeitet, sind vor allem dort vorgesehen, wo in der Ruhr ohnehin Buchten vorhanden sind, so dass Eingriffe in die Natur minimiert werden. Ein Standort ist an der nördlichen Ruhrpromenade kurz vor der Adenauer-Brücke geplant. Die unattraktive Spundwand soll hier ohnehin verschwinden. Da hier eines der zentralen Stromkabel in der Stadt verläuft wird das ein größerer Eingriff, so dass gleich Platz für einen Steg geschaffen werden könnte, der dann zu zwei schwimmenden Häusern führt. Ein Fuß- und Radweg der hinter der Friedrich-Wilhelms-Hütte nach Styrum führt, war schon 2003 eines der ersten Ruhrbania-Projekte.
Inzwischen wird darüber wieder intensiver verhandelt. Er wäre der Erschließungsweg zu einer kleinen Siedlung aus acht Einheiten.

Schwimmender Bürokomplex in Styrum?

Im Bereich des ehemaligen Schwimmbades der Hütte könnte eine Marina entstehen. Sechs Apartments könnte ein Radfahrerhotel umfassen, das an der Kreuzung von RS 1 und Ruhrtalradweg entstehen könnte. Gunvar Blanck ist zuversichtlich, dass sich leicht ein Betreiber finde ließe.

In Styrum ist ein schwimmender Bürokomplex für RWW denkbar, einen Anleger gibt es dort schon. Der Vorteil: Wenn Büros nicht mehr gebraucht werden, sind sie mobil. Am Kassenberg, in Mintard sowie an der Raffelberg-Schleuse sieht Ponton weitere Standorte. Mit dem als restriktiv bekannten Bundesschifffahrtsamt steht die Planungsgruppe im Gespräch. Dort habe ein Umdenken eingesetzt und Pragmatismus Einzug gehalten, so Blanck.

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