NRZ-Bürgerbarometer

In Mülheim-Saarn gibt es noch Einkaufsvielfalt

Es ist geschäftig auf der Düsseldorfer Straße. Eng wird es vor allem im Vormittagsbereich, wenn Lieferwagen vorfahren

Es ist geschäftig auf der Düsseldorfer Straße. Eng wird es vor allem im Vormittagsbereich, wenn Lieferwagen vorfahren

Foto: Oliver Müller

mülheim.   Beim NRZ-Bürgerbarometer geben die Mülheimer ihrer Stadt als Einkaufsstandort keine gute Note. In Saarn gibt es jedoch einen guten Branchenmix.

Frische Brötchen fürs Frühstück, eine Armbanduhr als Weihnachtsgeschenk oder eine Tee-Spezialität für kalte Tage: Viele Einkaufswünsche lassen sich an der Düsseldorfer Straße in Saarn auf einen Schlag erfüllen. Dass die Mülheimer sich beim NRZ-Bürgerbarometer nicht zufrieden mit den Einkaufsmöglichkeiten vor Ort zeigen (wir berichteten), ist hier, im Süden der Stadt, schwer zu glauben. Ein Besuch.

Supermarkt oder lieber Bio-Laden?

An der Haltestelle „Alte Straße“, an der Kreuzung Düsseldorfer Straße und Straßburger Allee gelegen, beginnt der Streifzug über die Einkaufsstraße. Nach nur wenigen Metern gibt es den ersten Halt. Bei Tengelmann lässt sich die Einkaufsliste abarbeiten, um Kühlschrank und Vorratskammer wieder aufzufüllen. Noch firmiert das Geschäft unter altem Namen, in die Regale haben aber längst schon Produkte aus dem Edeka-Sortiment Einzug gehalten.

Auf dem Weg die Düsseldorfer Straße entlang wartet kurz darauf bei Hausnummer 111 der nächste Zwischenstopp. Die preisgekrönte Buchhandlung (unter anderem Buchhandlungspreis 2015) Hilberath & Lange lädt zum Stöbern und Schmökern ein.

An der Kreuzung zur Lehnerstraße geht es links auf die kleine Nebenstraße, dort findet sich mit dem Geschäft von Frank Terjung („Biologisch“) eine Bio-Alternative zum großen Supermarkt – der Platz in der Einkaufstasche wird knapper.

Zurück auf der Düsseldorfer Straße ist es bei einer Filiale der Bäckerei Hemmerle Zeit für eine Verschnaufpause. Freie Sitzplätze sind rar, alteingesessene Saarner tauschen sich beim zweiten Frühstück über Gott und die Welt aus. „Das Wetter ist doch auch wieder Mist“, sagt ein älterer Herr und erntet dafür Zustimmung.

Steffi’s Kinderwelt muss schließen

Weiter geht’s mit einem Kaffee als Stärkung. Zieht sich die Sparkasse andernorts zurück, gab es in Saarn die umgekehrte Entwicklung: Aus einer kleineren Filiale zog das Finanzinstitut an einen größeren Standort um, der dennoch zentral gelegen ist (Hausnummer 75). „Die haben dort richtig viel zu tun“, führt Margit Schettler an, die als Geschäftsführerin der örtlichen Werbegemeinschaft Saarn voran bringen möchte..„Schön ist, dass das Team dort aktiv ist“, lobt sie die Bankangestellten.

Nicht mehr weiter geht es für „Steffi’s Kinderwelt“. In den Schaufenstern am Pastor-Luhr-Platz hängen Plakate, die einen Räumungsverkauf ankündigen. Das Geschäft, in dem Kinderaugen über 34 Jahre lang größer wurden, wird noch vor Weihnachten seine Türen schließen. „Die Konkurrenz durch die Online-Shops ist einfach zu groß geworden. Es wurde für uns immer schwerer, dagegen anzugehen“, sagt Daniela Rietz. Vor 30 Jahren hat sie ihre Ausbildung zur Verkäuferin in dem Spielwarengeschäft gemacht. Nun ist sie dabei, wenn die Geschichte des Geschäftes endet.

„Es hat sich schon einiges verändert in Saarn“, befindet Rietz. Zwischendurch beantwortet sie gefasst die Nachfragen der Kunden, wie es nun weitergeht. „Auch wenn es hin und wieder mal Leerstände gibt, ist das eigentlich kein großes Problem.“ Mit dem Branchenmix im Stadtteil ist sie zufrieden. „Ich kaufe alles, was ich brauche, hier in Saarn ein“, sagt Rietz.

Bald soll es einen Feierabendmarkt in Saarn geben

Optiker, Juweliere, ein Drogerie-Markt, ein Metzger sowie ein Teehaus – vieles ist an der Düsseldorfer Straße vorhanden. Einige Discounter haben sich unweit des Zentrums angesiedelt. Die Mängel im Angebot müssen gesucht werden. Doch sie sind da. Männer halten etwa vergebens nach einem Modegeschäft Ausschau. „Das stimmt, da gibt es eine Lücke“, räumt Schettler ein. Es gebe aber Gespräche mit Händlern.

Was macht die Düsseldorfer Straße als Einzelhandelsstandort aus? „Das Engagement der Geschäftsleute ist das Besondere“, meint Schettler. Die Händler würden sich an Aktionen beteiligen und nicht nur ihr eigenes Süppchen kochen. Zudem werde die Kundenbetreuung groß geschrieben. „So kann man bestehen.“ Auch neue Ideen halten in Saarn Einzug. Im nächsten Jahr soll es einen monatlich stattfindenden Feierabendmarkt geben. „Das wäre eine tolle Sache.“

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