Energiewende

In Mülheim-Dümpten startet Pilotprojekt für Energieeffizienz

Freuen sich auf den Start am Bottenbruch, v.l.: Stefan Eitzenhöfer (Viessmann), Prof. Dr. Ing. Viktor Grinewitschus (HRW), Medl-Vertriebsleiter Jan Hofmann, Marc Peters (MWB) und Volker Weißhuhn (medl).

Freuen sich auf den Start am Bottenbruch, v.l.: Stefan Eitzenhöfer (Viessmann), Prof. Dr. Ing. Viktor Grinewitschus (HRW), Medl-Vertriebsleiter Jan Hofmann, Marc Peters (MWB) und Volker Weißhuhn (medl).

Foto: Martin Möller

Mülheim.   Am Bottenbruch erforschen Medl, MWB und Hochschule, wie sich erneuerbare Strom- und Wärmeerzeugung optimal an Mieter-Bedürfnisse anpassen lassen.

Noch vor zehn Jahren hätte man am Dümptener Bottenbruch 42 vielleicht das Mantra der Energieeffizienz heruntergebetet: dämmen, dämmen, dämmen. Doch im Zeitalter drohender CO2-Steuer und erneuerbarer Energien wachsen offenbar die Alternativen. Der Mülheimer Wohnungsbau – Inhaber der Mehrfamilienhäuser – und Energiedienstleister Medl starten ein Pilotprojekt, das auf dezentral erzeugte erneuerbare Energien und auf den Nutzen der bei der Stromerzeugung anfallenden Wärme anstelle von Dämmen setzt.

Es ist nicht das erste seiner Art – Medl hat etwa in Heißen, Saarn und Broich ähnliche Konzepte umgesetzt. Doch konkret: Die gut 48 Wohnungen am Bottenbruch erhalten Strom aus einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach. Nicht sofort verbrauchte Energie wird in Batterien gespeichert. Steht keine Sonne zur Verfügung, liefert den Strom eine Kraft-Wärme-Kopplungsanlage. Dabei fällt als Nebenprodukt auch Wärme ab, die für die Heizungsanlage in den Wohnungen genutzt wird.

Physik macht keine Geschenke

Die Einsparungsmöglichkeiten von Strom und Wärme sind bei Blockkraftheizwerken noch nicht ausreichend erforscht. Medl lässt dieses Projekt deshalb wissenschaftlich von der Hochschule Ruhr West begleiten. Gefördert wird das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, denn es soll später ein Modell für den Bund werden. Eine Messstation neben dem Heizkraftwerk erfasst die erzeugte Energie auf dem Dach, aber wichtiger noch den Strom- und Wärmebedarf in den Wohnungen.

„Physik macht keine Geschenke“, meint Viktor Grinewitschus, Professor für Technische Gebäudeausrüstung an der HRW, der das Projekt begleitet. Will sagen: Optimal wäre es, wenn die Energie dann genutzt wird, wenn sie da ist. Das gilt erst recht für Sonnenenergie. Lacht die Sonne, kann man die Wasch- und Spülmaschine anwerfen, Staubsaugen und das E-Bike auftanken. An das Kraftwerk angeschlossen sind Ladestationen für Elektrofahrräder und -Autos. Ist’s trüb, wartet man ab oder nimmt den Strom aus dem Speicher.

Projekt bis Ende 2020 geplant

Möglichst einfach soll die Anpassung von Verhalten und Energieerzeugung gehen: Die Mieter können per Tablet ablesen, wieviel Solarstrom gerade produziert wird, sie können ihre Heizung nach ihren Bedürfnissen programmieren. In der Rechenzentrale des Heizkraftwerks gehen diese Daten anonym zusammen und berechnen, ob und wann das Kraftwerk in die Vollen gehen muss, weil der Saft nicht reicht. Ob die Rechnung aufgeht, inwieweit sich die Mieter an die Gegebenheiten anpassen wollen und können – das soll das Projekt bis Ende 2020 herausfinden.

Volker Weißhuhn, Leiter der Wärmeversorgung bei der Medl, und Stefan Eitzenhöfer vom Projektpartner Viessmann sehen in dezentralen Blockkraftheizwerken die Zukunft gerade im Mietwohnbereich: Hauseigentümer könnten selbst bestimmen, ob sie eine Solarthermie- oder Photovoltaik-Anlage bauen. „Wenn die Energiewende aber beim Mieter ankommen soll, dann über solche Anlagen vor Ort“, glaubt Eitzenhöfer. Grinewitschus sieht einen zweiten Vorteil dieser Energiegewinnung gegenüber Dämmung, Stichwort zweite Miete: Sie kann nicht auf die Nebenkosten umgelegt werden.

Projektkosten von einer Million Euro

Im von Ministerium geförderten Projekt „GreenEnergyFirst“ arbeiten Medl, MWB, die Firma Viessmann und Phoenix Contact gemeinsam mit der EBZ Business School und Uni Duisburg Essen zusammen.

Das Projekt startete im Juli 2017 und soll bis Ende 2020 laufen. Die Kosten: rund eine Millionen Euro. Das Bundesministerium fördert mit 700.000 Euro.

Die Projektgebäude sind aus dem Jahr 1966. Die Wohnungen wurden nachträglich mit einer Smart-Home-Technik ausgestattet, um Verbrauch messen und steuern zu können.

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