Hochschule

Hochschule im Baukastenformat

Die neue Bibliothek hat über 700 Quadratmeter.

Die neue Bibliothek hat über 700 Quadratmeter.

Foto: WAZ FotoPool

Mülheim.  Am 19. März ziehen 650 Studenten an die Dümptener Straße. Dass es sich um Container handelt, bemerkt man kaum

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Es dauert keine zwei Wochen mehr, bis 650 Studenten das Containerdorf in Styrum beleben. Dort wurden seit Dezember in drei Gebäuderiegeln 400 Container auf drei Etagen getürmt. „Wir sind auf den Punkt im Zeitplan“, sagt Marc Meyer, der bei der Hochschule für das Gebäudemanagement zuständig ist. Im Schatten der Mannesmannhalle werden auf dem Parkplatz an der Dümptener Straße gerade die Markierungen für 350 Parkplätze gezogen.

Am vordersten der drei Gebäuderiegel ist schon von weitem das blaue Logo der Fachhochschule zu erkennen. Mensa und Bibliothek steht darunter. Davor wird auf dem welligen Boden gerade Rollrasen verlegt. „Die Studenten sollen ja bei Sonnenschein auch draußen auf der Terrasse essen können“, sagt Meyer. Und auf einem Erdwall zur Dümptener Straße werden auch Pflanzensamen ausgesät.

Zusammengesetzt wie im Modellbaukasten

Im Mensabereich wurden zwei Container gestapelt und die Zwischendecken entfernt. Querstreben sorgen hier allerdings noch für die nötige Stabilität. An der Decke sieht man große Metallrohre, die die verbrauchte Luft nach draußen befördern sollen. Frischluft strömt durch die feinen Öffnungen eines feinen Textilschlauchs. Am Kopf des Raums hängen die Maschinen, die Luft ansaugen. „Aber man hört absolut nichts“, freut sich Meyer.

Dass die Be- und Entlüftung völlig geräuschlos funktioniert, ist ja vor allem für die Hörsäle wichtig. Auch hier wurden zwei Container miteinander verbunden, so dass eine Deckenhöhe von fast fünf Meter erzielt wurde – und das ganz ohne Querstreben. Im Gegensatz zu den anderen Containern wurden die Hörsäle aus den einzelnen Komponenten von der Lieferfirma Fagsi vor Ort montiert. Der Rest wurde wie im Modellbaukasten zusammengesetzt, wobei die offenen Seiten der Container mit Folie geschlossen waren.

Lichtet schaltet sich über Bewegungsmelder an

Die Hörsäle, in denen die Stuhlreihen ebenerdig angeordnet sein werden, sollen 100 Studenten fassen. Der Raum ist wie die meisten noch nackt. Der Textilschlauch für die Belüftung hängt hier noch schlaff in der Führung und von der Decke baumeln die Kabel für die beiden Beamer, die hier das Wissen an die Wand projizieren werden. Nach Container sieht das hier gar nicht aus, genau so wenig wie das Treppenhaus, wo neben der Steintreppe auch ein Fahrstuhl nach oben führt. „Klar, wir sind ein öffentliches Gebäude und deshalb auch barrierefrei“, erklärt der Architekt. Das Licht schaltet sich überall über Bewegungsmelder an.

Der imposanteste Raum im Obergeschoss ist die Bibliothek, die sich ohne Zwischenwand über die gesamte Länge des Gebäudes erstreckt: 51 Meter. Die Bibliothek hat eine Grundfläche von 700 Quadratmetern, eine so große offene Fläche habe der Hersteller bislang noch nicht realisiert. Und außerdem muss der Container einer besondere Traglast standhalten, schließlich sollen hier eine Vielzahl von Regalen, die jeweils auf die Containerkanten gesetzt werden, für insgesamt 15 000 Medien beim Vollausbau Platz finden. Noch verfügt die Hochschule etwa über die Hälfte. Normale Container können bis zu 350 Kilo pro Quadratmeter aushalten. In der Bücherei sind es stattliche 600 Kilo.

Studentenwerk Duisburg/Essen betreibt die Mensa

Die Regale fehlen noch, aber Tische und Stühle, extra mit Stoffpolster, damit die Studenten lange über den Büchern ausharren, säumen schon die Fenster. „Die Möbel sollen weiter genutzt werden, wenn wir im Herbst 2014 an die Duisburger Straße umziehen“, kündigt Meyer an. Dieser Umzug werde dann ein paar Nummern größer ausfallen als der der Verwaltung ins Rathaus. Bis dahin wird das Containerdorf noch in den beiden kommenden Jahren um über 400 Container wachsen.

In der Mensa wird gerade die Großküche eingerichtet. Die Geräte, Dampfkessel und Gasherde sind bereits installiert, gerade wird der Dunstabzug eingebaut. Im Nachbarraum seht schon die Spülmaschine, durch die das Geschirr auf einem Band geführt wird. Betrieben wird die Mensa vom Studentenwerk Duisburg/Essen. Gekocht wird aber erst ab Mitte April-- und das alles frisch.

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