Jubiläumsfest

Heißener Freundinnen blicken auf ihre Jugend zurück

Beim Kaffeekränzchen:  Christa Greiß (geb Oberscheven), Gisela Fondermann (Hartwich), Ursel Pfister (Dörr), Dagmar Otto (Dallen), Gisela Barnowski (Bremer). Die alten Freundinnen treffen sich seit 80 Jahren.

Foto: Oliver Müller

Beim Kaffeekränzchen: Christa Greiß (geb Oberscheven), Gisela Fondermann (Hartwich), Ursel Pfister (Dörr), Dagmar Otto (Dallen), Gisela Barnowski (Bremer). Die alten Freundinnen treffen sich seit 80 Jahren. Foto: Oliver Müller

Mülheim.   Fünf Freundinnen aus Mülheim-Heißen kennen sich seit rund 80 Jahren, sie haben schon gemeinsam im Sandkasten gespielt.

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„Wir sind echte Heißener Mädels, das können Sie ruhig schreiben!“, lacht Christa Greiss. Lustig geht’s nämlich in ihrer Stube zu: Der Tisch hat Buttercremebomben und fruchtig duftende Erdbeerträume geladen, das gute Besteck ist aufgelegt, besser kann der Nachmittag für die fünf Freundinnen nicht bereitet sein, um tief in Erinnerungen zu schwelgen. Sektchen? Aber sicher.

Gut 80 Jahre lang sind die „Mädels“ schon eine richtige Clique, also Christa Greiss (geb. Oberschefen), Gisela Fondermann (geb. Hartwich), Dagmar Otto (Ballin), Ursula Pfister (Dörr), Gisela Barnowski (Bremer). „Jetzt mussten wir endlich mal wieder zusammenkommen, so lange wir uns noch haben“, meint die 81-jährige Gastgeberin.

Als Kinder haben sie Freud und Leid geteilt

„Im Sandkasten haben wir uns kennengelernt“, zwinkert Dagmar Otto (83) aus fröhlich-wachen Augen. Damals an der Gracht. Zwischendurch auch mal etwas aus den Augen verloren, weil ja jede ihre Familie und ihren Beruf hatte. Zudem lebt Greiss nun fast in der Dümptener Diaspora, „Altstadt II“ korrigiert die „Abtrünnige“– ganz so weit ist man also nicht auseinander.

Doch als Kinder haben sie ganz intensiv Freud und Leid geteilt: im Sandkasten, in der Natur, im Bunker. Der Krieg lässt die gestandenen Frauen bis heute nicht los, als sie sehen mussten, wie auf dem jüdischen Friedhof in Heißen Gräber aufgebrochen wurden, als am 23. Juni 1943 der „große Bombenangriff“ die Ruhrstadt in Asche legte. „Wir waren froh, dass wir uns danach alle wiedergesehen haben“, sagt Christa Greiss.

Eine Menge Lustiges passierte den fünf Freundinnen natürlich auch in den eigenen Gärten zwischen Johannisbeersträuchern und Kaninchenställen. Stichlinge aus dem Rumbach haben sie gesammelt, gemeinsam „Flöckchen“ (Limonade) getrunken, Kaugummis von den Amerikanern geteilt, Kartoffeln auf dem Feld mitgehen lassen – „nach der Ernte hat der Bauer das erlaubt. Wenn wir die nach Hause gebracht haben, war das für unsere Familie wie ein Fest“, sagt Gisela Fondermann. Manchmal ließen die jungen Damen auch Mispelfrüchte mitgehen - „wenn Bauer Kämpchen mit der Mistgabel nicht schnell hinter uns her war“, so Fondermann.

Kartoffeln vom Feld mitgehen lassen

Der lange Weg zur „Sonntagsschule“, dem Gottesdienst, ist Gisela Barnowski noch gut in Erinnerung, „mit allen Kindern zur alten Kapelle im Rumbachtal und zu Pastor Held. Der war wie ein Vater zu uns, eine Respektsperson“, schwärmen die Madels fast so als wären sie noch Teenager. „Bis heute kenne ich noch alle Chor-Lieder“, stimmt Christa gleich ein Lied an.

80 Jahre sind eine lange Zeit: „Als ich 80 wurde, war das schon komisch“, überlegt Christa Greiss, anders als 70 – „das machte mir nichts aus“. Eine Ur-Oma ist unter den Freundinnen nicht dabei. „Das ist heute anders“, meint Greiss, die Eltern werden immer älter. Und Platz zum Spielen wird für Kinder immer weniger. Warum die Freundschaft so lang gehalten hat? „Weil wir eine schöne Gemeinschaft sind“, glaubt Ursula Pfister.

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