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Grundschüler aus Mülheim-Styrum besuchen betagten Heimwerker

Der gelernte Feinmechaniker Fritz Heckmann (95 Jahre) zeigt im Rahmen der Aktion "Bambule" den beiden Schülern Marvel und Luis (re, beide 9 Jahre) ein selbst gebautes Vogelhäuschen.

Der gelernte Feinmechaniker Fritz Heckmann (95 Jahre) zeigt im Rahmen der Aktion "Bambule" den beiden Schülern Marvel und Luis (re, beide 9 Jahre) ein selbst gebautes Vogelhäuschen.

Foto: Martin Möller

Mülheim.   Grundschüler aus dem Styrum besuchen während der kulturellen Aktionswoche „Echt Styrum – eine Woche Bambule“ die Werkstatt von Fritz Heckmann.

Spätestens als er die Kreissäge anschmeißt und es im Kellerraum mächtig dröhnt, sind sie restlos baff, die Grundschulkinder aus Styrum, die an diesem Nachmittag zu Besuch sind in der urigen Werkstatt von Fritz Heckmann. Der Styrumer, stolze 95 Jahre alt, ist ein wahrer Heimwerker. Und was er da unten in seiner hauseigenen Werkstatt so alles bastelt, das zeigt er Mani, Luis, Asma, Marvel, Palvine und den anderen Kindern.

„Als ich 1936, -37 zur Schule gegangen bin“, leitet der Senior eine seiner Anekdoten ein – und die Acht- bis Elfjährigen machen große Augen. Ganz schön lange her . . . Bei ihnen steht heute jedenfalls kein Modellbau-Unterricht mehr auf dem Stundenplan wie einst vor über 80 Jahren bei Fritz Heckmann. Der hat damals sein Talent fürs filigrane Handwerken zum Beruf gemacht, ist als junger Mann Feinmechaniker geworden, arbeitete bei einer Firma im Apparatebau, die unter anderem Labors ausrüstete. Durch den Aufbau der Anlagen ist er weit herumgekommen, erzählt der betagte Styrumer: „Portugal, Norwegen, Rumänien und China. „Soweit?“, entfährt es einem Mädchen. Heckmann lächelt, tritt an die nächste Gerätschaft und fragt: „Wisst ihr denn, was schweißen ist?“ Mani, zehn Jahre alt, reckt den Finger in die Luft und erklärt, dass das was mit einem Bunsenbrenner zu tun habe.

Kinder tauchen ab in die Keller-Werkstatt

In seiner bis unter die Decke mit Werkzeug, Schrauben und Material bestückten Keller-Werkstatt bastelt Heckmann heute etwa Gießkannen aus dem Rohr eines alten Durchlauferhitzers oder Vogelhäuschen aus Holz sowie bewegliche Kerzenständer, die durch Gewichte steuern, welche Kerze oben und welche unten ist. Schon sein Großvater war Schreinermeister, erzählt Heckmann, da habe er als kleiner Junge schon mal mit anpacken müssen. Nicht immer habe er dazu Lust gehabt, gibt er vor den Grundschulkindern zu, aber: „Man stiehlt ja mit den Augen.“ Dass er damals genau hingeschaut und sich manches abgeguckt hat, das kam Heckmann später immer wieder zugute. Und so ist auch bei den Grundschulkinder, die zum Bambule-Besuch gekommen sind, der hölzerne Kran der absolute Renner. Den hat Heckmann schon vor Jahrzehnten für seine Kinder gebaut. „Damit haben auch schon meine Enkel gespielt“, erzählt der 95-Jährige und erklärt, warum der Kran – reparaturbedürftig – nun in der Werkstatt wartet: „Kürzlich waren meine Urenkel zu Besuch, da ist etwas kaputt gegangen.“

Spaß am Tüfteln wachgekitzelt

Es ist Tag zwei der kulturellen Woche „Echt Styrum – Eine Woche Bambule“, in der der Stadtteil durch ein vielfältiges Programm erfahrbar wird. Und Judith Brinkmann vom Bildungsnetzwerk Styrum sagt zufrieden: „Die Angebote werden gut angenommen.“

Ob sich die Grundschüler bei dem handwerklich begabten Senior Inspirationen für ihren eigenen Berufsweg geholt haben, bleibt offen. Asma in jedem Fall möchte Ärztin werden, ein Junge sieht sich später als Elektroniker. Gewiss aber hat der Besuch im urigen Keller des Ur-Styrumers Heckmann ihre Neugier geweckt fürs handwerkliche Tüfteln fern ab von Tablet oder Smartphone.

So geht es weiter bei „Eine Woche Bambule“

Am heutigen Donnerstag, 14. März, zu einer Kultur-Rundreise durch Styrum ein. Startpunkt ist um 11.15 (Bus ab 11.41 Uhr) das Altenpflegeheim „Haus Gloria“, Schwerinstraße 16, ab 11.30 Uhr (Bus ab 12 Uhr) die St. Mariae Rosenkranz-Kirche, Marienplatz 1. Der Bus verkehrt auf seiner Route bis 17 Uhr. Das Angebot ist gedacht für Erwachsene und Senioren, die Teilnahme kostet 4 Euro. Infos: 40 22 57 oder 40 80 23.

Liebesmärchen stehen am Freitag, 15. März, auf dem Programm im Aquarius Wassermuseum, Burgstraße 70. Von 16.30 bis 17.30 Uhr liest die junge Styrumer Autorin Cassia Cole ganz oben im Wasserturm aus ihren Jugend-Fantasie-Büchern. Eintritt zur Lesung ist frei, nur Museumseintritt wird fällig.

Viel los ist am Samstag: T able Top spielen in der Feldmann-Stiftung, 9-17 Uhr, Augustastraße 108, Anmeldung 40 80 23. Hip-Hop-Workshop für Sechs- bis 16-Jährige im Jugendzentrum Café 4 you, 14-15 Uhr, Marktplatz 1. Anmeldung: freizeit.muelheim-ruhr.de. Second-Hand-Markt mit Modenschau, 14.30-17.30 Uhr Lukasgemeinde, Albertstraße 86. Tanz im Schloß, 15-17 Uhr, Moritzstraße. Am Sonntag, 17. März, endet Bambule mit dem Kindertheater „Antonia und Wiwaldi in den Jahreszeiten“, 11 Uhr, Feldmann-Stiftung, Augustastraße 108-114. Eintritt 3 Euro, Kartenreservierung: 40 80 23.

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