Parteipolitik

Grüne Jugend dominiert nach Kampfabstimmung den Vorstand

Bei der Mitgliederversammlung konkurrierten jeweils zwei Kandidaten um das Sprecheramt: Fabian Jaskolla und Peter Loef sowie Kathrin Rose und Sabine von Winterfeld

Bei der Mitgliederversammlung konkurrierten jeweils zwei Kandidaten um das Sprecheramt: Fabian Jaskolla und Peter Loef sowie Kathrin Rose und Sabine von Winterfeld

Foto: Herbert Höltgen

MülhEIM.   Der 20-jährige Student Fabian Jaskolla setzt sich in einer Kampfabstimmung deutlich gegen Amtsinhaber Peter Loef durch.

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Die größte Überraschung der Mitgliederversammlung ist wohl, dass gleich drei junge Grüne in den Vorstand ihrer Mutterpartei gewählt wurden und damit für eine extreme Verjüngung sorgen. Schon im Vorfeld hatte sich angekündigt, dass für beide Vorsitzendenposten, die bei den basisorientierten Grünen Sprecher genannt werden, jeweils zwei Kandidaten antreten würden. Im einen Fall schien das unproblematisch, da Heidemarie Sinn-Leyendecker nicht mehr antreten wollte. Peter Loef, der die Partei sechs Jahre lang geführt hat, war sich seiner Sache aber offenbar schon sicher.

Den zuvor kühl gestellten Sekt, packte er, nachdem sich Fabian Jaskolla bei der Wahl dann deutlich mit sieben Stimmen Vorsprung behauptet hatte, dann wieder in seine Fahrradtasche und erklärte „das Ende meiner aktiven Zeit bei den Grünen“. Er gratulierte auch nicht seinem siegreichen Kontrahenten und sagte anderen, die ihn für eine weitere Mitarbeit gewinnen wollten: „Unter ihm kann ich nicht arbeiten.“ Dabei schien der 61-Jährige der Förderer des 20-Jährigen Studenten zu sein, der diesem zwei Mal beim Neujahrsempfang die große Bühne überlassen hat. „Wir brauchen beide“, hatte etwa Ingrid Tews geworben.

Mit einer herzlichen Umarmung

Das grüne Führungstandem der Fraktion, Tim Giesbert und Franziska Krumwiede-Steiner, gratulierte dem neuen Vorsitzenden dagegen mit einer herzlichen Umarmung. Der Kontakt zur Ratsfraktion scheint demnach gut.

Zwei Vorstandsmitglieder, die Loef offenbar stark verbunden sind, waren dann aber überraschend nicht mehr dazu bereit, für den Vorstand zu kandidieren: Schatzmeister Jörg Lohr („Da stimmt die Chemie nicht“) und Beisitzerin Sabine von Winterfeld, die zuvor mit ihrer Kandidatur als Sprecherin gescheitert war. Als neuer Schatzmeister kandidierte nach einer Sitzungspause Timo Spors, der auch die Sitzung leitete. Der 19-Jährige studiert Mathematik, führt bereits bei der Grünen Jugend die Kasse und wird von Krumwiede-Steiner als großes politisches Talent eingeschätzt, den sie in der Zukunft auch stärker in die Ratsarbeit einbinden möchte.

Neue Formate der Bürgerbeteiligung

Als Beisitzer gewählt wurden die 26-jährige Ann-Kathrin Allekotte, die nach ihrem Auslandsjahr in den USA politisch wieder aktiv werden will, sowie Moritz Darge. Für zwei weitere Posten gingen den Grünen am Wahlabend aber die weiblichen Kandidaten aus, die bei den Beisitzern mindestens gleich stark vertreten sein müssen. Sie müssen noch nachbesetzt werden. Als Schriftführerin wiedergewählt wurde Beate Uhr (60), auf deren integrative Kraft Jaskolla nun setzt. Er will im Gespräch Sabine von Winterfeld zu einer Kandidatur als Beisitzerin bewegen.

Jaskollas Ziel ist es, künftig neue Formate der Bürgerbeteiligung zu entwickeln, stärker aus dem grünen Milieu heraus zu gehen, sich dorthin zu wenden, wo es unbequem ist. „Wir sind keine Sozialagentur, wir sind eine Partei und wollen Prozente“, konterte dagegen Loef.

Gutes Bindeglied zwischen den Ebenen

Als Co-Sprecherin wurde mit 14 Stimmen Vorsprung Kathrin Rose (38) gewählt, die seit mehreren Jahren für die grüne Landtagsfraktion arbeitet und damit auch ein gutes Bindeglied zwischen den Ebenen ist. Als Styrumerin, die mit einem Italiener verheiratet ist, aber das Wort Migrationshintergrund ganz furchtbar findet, zeigte sie sich schockiert, dass die Grünen dort bei den Wahlen nur drei Prozent erzielt haben, die AfD aber 15 Prozent holte. Fehlentwicklungen in ihrem Stadtteil sieht auch sie und spricht diese an. „Ich kann auch auf den Tisch hauen, wenn mir was nicht passt“, gibt sie sich selbstbewusst.

>>>>>>> Ein Sohn polnischer Einwanderer

Fabian Jaskolla wurde als Kind polnischer Eltern, die Ende der 80er Jahre nach Deutschland kamen, in Mülheim geboren, machte sein Abitur am Gymnasium Broich und studiert auf Lehramt Sozialwissenschaften und katholische Theologie.

Über die katholische Jugendarbeit und sein Engagement im Jugendstadtrat ist Jaskolla auch gut vernetzt zu anderen Nachwuchspolitikern und hat auch gute Kontakte zur Jungen Union.

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