Konzertkritik

Großer Jazz auf kleiner Bühne in der Kulturbar in Mülheim

Weltklasse-Jazz in der Sol-Kulturbar mit Ulf Wakenius, Wolfgang Haffner (beide Bild) und Simon Oslender

Weltklasse-Jazz in der Sol-Kulturbar mit Ulf Wakenius, Wolfgang Haffner (beide Bild) und Simon Oslender

Foto: Michael Dahlke

Mülheim.   Super-Trio in Mülheim: Keyboarder Simon Oslender traf in der Sol-Kulturbar auf den Schlagzeuger Wolfgang Haffner und den Gitarristen Ulf Wakenius.

„Weltklasse“ hatte Sol-Konzert-Manager Martin Dickhoff versprochen und damit Recht behalten. So war es dem rührigen Konzert-Planer gelungen, drei Hochkaräter der internationalen Jazz-Szene in die Konzert-Kneipe neben dem Theater an der Ruhr zu locken.

In der Reihe „Crazy Groove Nights # 13“ waren vor selbstverständlich vollem Haus Wolfgang Haffner, Deutschlands vielleicht allerbester Schlagzeuger, der aus Schweden stammende Gitarren-Superstar Ulf Wakenius und der erst 20-jährige Keyboarder Simon Oslender mit einem ganz großen Auftritt auf der kleinen Sol-Bühne zu erleben.

Imponierende Virtuosität

Die auf dem deutschen Nobel-Label Act beheimateten Musiker präsentierten sich mit imponierender Virtuosität in der Tradition der alten Hammond-Orgel-Trios von Jimmy Smith oder Joey di Francesco und spielten sich zwischen Jazz und Blues mit gewaltigen Grooves und spieltechnischen Höchstleistungen mit leichter Hand die Bälle zu.

Der inzwischen 60-jährige Ulf Wakenius, jahrelanger Mitstreiter von solchen Größen wie Oscar Peterson oder Nils Henning Orsted-Pedersen, durfte sich dann wie erwartet über ein perfektes Rhythmus-Duo freuen, das aber sehr kreativ auch eigene solistische Akzente setzte. Eröffnet wurde das Konzert mit dem Wes-Montgomery-Klassiker „Four on Six“, eine Hommage an eine Legende, der das Spiel von Ulf Wakenius auch gefallen hätte.

Brillanter Hammond-Orgel-Musiker

Lange hat man einen solch brillanten Hammond-Orgel-Musiker nicht mehr erlebt wie Simon Oslender, dem der Blues offenbar in die Wiege gelegt wurde. Sein sich im Sol drängendes Publikum zeigte sich von seinen mitreißenden und dampfenden Grooves auf Anhieb begeistert. Ein riesiges Talent, dem die Zukunft gehört. Es folgten Standards von den Crusaders und von Thelonious Monk, die für die altersmäßige Zwei-Generationen-Band, die bereits Fans auf mehreren Kontinenten hat, zu einer Fundgrube für ihren unglaublich erdigen und schwarzen Blues-Sound wurde, den man in dieser Intensität und Spielfreude nur sehr selten hört.

Knackige Eigen-Kompositionen und Balladen

Aber es gab auch knackige Eigen-Kompositionen und Balladen zu hören. Und alleine für die Soli von Wakenius und Haffner hätte sich das Eintrittsgeld gelohnt.

Das gut gelaunte Trio zeigte sich mit weiteren Arrangements alter Soul- und Funk-Songs weiterhin in Bestform, ließ ihre Zuhörer mit Stevie Wonders „Isn’t it lovely“ einige Tanzschritte wagen und verabschiedete sich mit einer zarten und beinahe schwebenden Zugabe des Klassikers „Body and Soul“. Viel Beifall für ein Konzert, über das man noch lange sprechen wird.

>>> AUSGEZEICHNETER SCHLAGZEUGER

Der mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Schlagzeuger Wolfgang Haffner gehört weltweit zu den profiliertesten Musikern der internationalen Funk- und Jazz-Szene.

Der 53-Jährige war unter anderem Mitglied der Band von P eter Herbolzheimer, von Chaka Khan und von Doldingers Passport. In den letzten Jahren arbeitete er auch mit dem Posaunisten Nils Landgren zusammen und spielte mit dem Bassisten Lars Danielsson.


Seine letzte CD „Kind of Spain“ erschien 2017, nachdem Haffner seinen Wohnsitz auf Ibiza verlassen hatte und sich wieder in Deutschland niederließ.

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