Leineweberstraße

Geplante Baumfällungen bringen Bürger auf die Palme

Erst Ende der 70er Jahre wurde die Leineweberstraße zu einer Allee und damit zum Teil der Fußgängerzone in der Innenstadt.

Erst Ende der 70er Jahre wurde die Leineweberstraße zu einer Allee und damit zum Teil der Fußgängerzone in der Innenstadt.

Foto: Sammlung Scholl

Mülheim.   Bei einer Bürgerversammlung in der Dezentrale ließen 100 Mülheimer keinen Zweifel daran, dass sie die Platanen-Allee erhalten wollen.

Dass 20 Platanen an der Leineweberstraße im Rahmen ihrer geplanten Umgestaltung fallen sollen, bringt viele Bürger auf die Palme. Bei einer Bürgerversammlung hatten Jürgen Liebich und Felix Blasch vom Stadtplanungsamt bei der Präsentation der Pläne einen schweren Stand.

Auch ihr Hinweis, dass sich einige Anwohner über die Verschattung und eine mangelhafte Durchlüftung ihrer Straße beschwert hätten und dass allein an der Leineweberstraße 17 neue Platanen gepflanzt werden sollen, konnte die erregten Gemüter nicht beruhigen.

Bürger reagieren wütend

Als Hubert Niehoff von den Grünen versuchte, die Pläne der Stadt zu verteidigen, bekam er die Wut einiger Bürger zu spüren: „Du solltest dich schämen, als Grüner“, hielt ihm ein Mann entgegen. „Wir haben lieber einen Baum als irgend etwas anderes vor unserer Tür stehen“, betonte Birgit Rettinghaus von dem an der Leineweberstraße ansässigen Augenoptiker Brillen Kriewitz. „Ich freue mich immer, wenn ich mit dem Fahrrad über den Radweg an der Leineweberstraße unter dem grünen Dach der Baumkronen durch die Stadt fahren kann. Wir sollten dieses ökologische Kleinod für die Innenstadt erhalten und ehren“, sagte die Landschaftswächterin Karin Piek unter dem Applaus der gut 100 anwesenden Bürger.

Immer wieder wurde von den Kritikern der geplanten Baumfällungen darauf hingewiesen, dass der Wegfall der über 40 Jahre gewachsenen Bäume das Klima in der Innenstadt nachhaltig beeinträchtigen würde, da die Platanen die Schadstoffe der dort fahrenden Autos in Sauerstoff umwandeln und darüber hinaus auch Feinstaub binden würden.

Beschneidung der Platanen blieb aus

Viele Bürger hielten den Stadtplanern entgegen, die Bäume an der Leineweberstraße müssten nicht gefällt, sondern nur beschnitten werden. „Ich habe schon vor 20 Jahren für eine Beschneidung der Platanen gekämpft, aber die Politik hat dies nie als Priorität gesehen“, erinnerte sich der ehemalige Leiter des Grünflächenamtes, Erich Lehmkühler.

Als Jürgen Liebich gegen Ende der zweistündigen Versammlung feststellte: „Ich halte fest, dass Sie fast alle Bäume an der Leineweber Straße erhalten wollten“, schallte ihm aus dem Publikum ein lautes: „Nicht fast alle, sondern alle!“ entgegen.

Bisher bereits 1219 Unterschriften

Melanie Wolters überreichte Liebich 1050 Unterschriften gegen die geplanten Baumfällungen und kritische Bürgerkommentare, die innerhalb von vier Tagen mit einer Online-Petition gesammelt worden waren. Auch der am 3. Mai tagende Naturschutzbeirat hat sich gegen die Baumfällungen an der Leineweberstraße ausgesprochen. Zum politischen Schwur im Rat der Stadt kommt es aber erst, wenn der Planungsausschuss am 30. Mai über die Neugestaltung der Leineweberstraße entscheidet. „Bei dieser Entscheidung ist der Zug noch nicht abgefahren“, machte MBI-Ratsmitglied Lothar Reinhard den Baumschützern Mut, die weiterhin im Internet und auch auf Papier Unterschriften gegen die Baumfällungen sammeln. Unterschriftenlisten liegen unter anderem bei Brillen Kriewitz an der Leineweberstraße 33 aus. Die Oline-Petition (bis gestern 1219 Unterschriften) wird unter: www.openpeptition.de (aktuelle Petitionen) fortgesetzt.

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