Solidaritätspreis

Gelebte Inklusion bei St. Mariä Himmelfahrt

Mit etwa 70 Teilnehmern fand im vergangenen Jahr über Pfingsten die Messdienerfahrt nach Ameland statt.

Mit etwa 70 Teilnehmern fand im vergangenen Jahr über Pfingsten die Messdienerfahrt nach Ameland statt.

Foto: Mirco Roßkothen

Mülheim.   Rund 100 Messdiener sind in den Kirchen St. Mariä Himmelfahrt und St. Elisabeth aktiv. Inklusion findet hier ganz selbstverständlich statt.

Über 100 aktive Messdiener zwischen zehn und 25 Jahren betreuen Mirco Roskothen, Anna Boncelet, Pedro Vossius und 20 andere Leiter in Saarn. Eine große Gruppe, die nicht nur gemeinsam ehrenamtlich in der Kirche engagiert ist, sondern auch zahlreiche Freizeitaktivitäten zusammen plant. Seit rund drei Jahren haben die Saarner Messdiener eine Kooperation zwischen der Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt und der Filialkirche St. Elisabeth. Die Kirchen sind zwar räumlich nicht weit entfernt, waren jedoch bezüglich der Jugendarbeit ziemlich unterschiedlich aufgestellt. „Mittlerweile“, so erklärt Mirco Roßkothen, „führen wir alle Aktionen gemeinsam durch, haben unsere Leitungsgruppen vereint und seit diesem Jahr haben wir auch einen gemeinsamen Messdienerplan.“

Das sei schon etwas Besonderes, vor allem, wenn man erlebe, wie heterogen die Gruppe sei. „Die unterschiedlichen Altersgruppen harmonieren sehr gut, sozialer Status spielt bei uns keine Rolle und besonders stolz sind wir darauf, dass Inklusion bei uns ohne viel Aufhebens klappt“, erzählt Roßkothen. Seit ein paar Jahren kommen einige Kinder mit körperlichen oder geistigen Behinderungen zu den Messdienern. „Sie haben problemlos ihren Platz in der Gruppe gefunden“, erzählt Roßkothen, der Grundschullehramt studiert. Ganz selbstverständlich nehmen sie den Dienst am Altar wahr und sind bei den Fahrten mit dabei. „Ein Junge kommt jedes Wochenende zur Kirche, das Messedienen macht ihm einfach so viel Spaß“, sagt der 25-Jährige. Und Anna Boncelet, die seit 2010 Messdienerin ist, sagt: „Er trägt jeden Tag unser Gruppen-Shirt und er kann sich die Abläufe so viel besser als manche anderen Kinder merken, dass er es ihnen jetzt beibringt.“

Die Eltern der Kinder mit Behinderung haben großes Vertrauen in das Leiterteam. „Sie stehen da total hinter und geben uns Tipps, was wir möglicherweise beachten müssen, wenn wir sie über einen längeren Zeitraum betreuen“, sagt Pedro Vossius. Beim Bistum Essen, so erzählt der 21-Jährige, gebe es mittlerweile Schulungen, um Leiter von Messdienergruppen und andere ehrenamtlich Engagierte für den Umgang mit behinderten Kindern zu sensibilisieren. „Wir lernen extrem viel voneinander“, so Vossius, der als Flugbegleiter arbeitet. Und der Spaß stehe einfach im Vordergrund.

Viele gemeinsame Ausflüge

Sehr beliebt bei den Saarner Messdienern sind die jährlichen Fahrten, im vergangenen Jahr ging es zum Beispiel über Pfingsten eine Woche nach Ameland. In diesem Jahr geht es in eine Wuppertaler Jugendherberge. Dorthin können übrigens auch Jugendliche, die nicht katholisch sind, mitfahren. „Kinder anderen Glaubens sind bei uns selbstverständlich immer willkommen und fahren auch häufig mit. Das freut uns sehr“, sagt Vossius.

An jedem letzten Freitag im Monat gibt es zudem ein Messdienertreffen, bevor eine Familienmesse mit allen Freunden, Verwandten, aber auch interessierten Gemeindemitgliedern gefeiert wird. Darüber hinaus gibt es rund um das große Jugendheim an der Landsberger Straße, das nur wenige Meter von der Kirche St. Mariä Himmelfahrt entfernt ist, viele weitere Angebote. Von hier aus geht es auch zu Radtouren, ins Schwimmbad oder zum Minigolfen.

Damit all das finanziert werden kann und die Ausflüge auch für sozial schwache Kinder möglich sind, hat schon die Vorgängergeneration die Aktion „Rent-a-Messdiener“ ins Leben gerufen. Hierbei kann man die Jugendlichen und jungen Erwachsenen im wahrsten Sinne des Wortes für die Gartenarbeit, das Kellnern auf der Geburtstagsfeier, den Sektausschank bei der Hochzeit, oder die Aufsicht der Kinder „mieten“. Das verdiente Geld fließt in die Messdienerkasse. „So müssen wir nicht jedes Anliegen über die Gemeinde laufen lassen“, erzählen die drei Leiter. Sie sind stolz, dass in Saarn so viele unterschiedliche Menschen zusammenkommen. „Gleichzeitig geht es uns aber auch darum, zu zeigen, dass Kirche Spaß macht und dass sie eine Zukunft hat. Nicht jeder bleibt ein Leben lang dabei. Aber ohne unsere Arbeit wäre die Kirche sicher ein gutes Stück ärmer.“

>>>>>> Bewerbungen noch bis Montag, 15. April, möglich <<<<<
Unter dem Motto „Jung.Engagiert.Hilfreich“ steht in diesem Jahr der Solidaritätspreis von NRZ und Freddy-Fischer-Stiftung, der mit 7000 Euro dotiert ist. Ehrenamtlich engagierte Jugendliche stehen im Vordergrund.

Noch bis heute können Vorschläge eingereicht werden: Per Mail an: seitedrei@nrz.de, Betreff: Solidaritätspreis, oder an: Freddy-Fischer-Stiftung, Severinstraße 20, 45127 Essen.

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