Gleichstellung

Geflüchtete Frauen brauchen ganz spezielle Hilfen

Mira Ragunathan in ihrem Büro im Technischen Rathaus in Mülheim. Sie bearbeitet das „Frauen und Flucht“ und hat gerade die Broschüre „Frauen im Islam“ neu aufgelegt.

Mira Ragunathan in ihrem Büro im Technischen Rathaus in Mülheim. Sie bearbeitet das „Frauen und Flucht“ und hat gerade die Broschüre „Frauen im Islam“ neu aufgelegt.

Foto: Jörg Schimmel

Mülheim.   Die Landeskoordinatorin für das Projekt „Frauen und Flucht“ sitzt in Mülheim: Mira Ragunathan entwickelt gerade Materialien für Integrationskurse.

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Geflüchtete Frauen brauchen zum Teil ganz andere Hilfen als männliche Flüchtlinge. Das fängt bei der frauengerechten Unterbringung in den Unterkünften an, geht weiter mit dem Deutschkurs mit Kinderbetreuung und endet beim Schutz vor Diskriminierung und Gewalt.

„Diese Frauen haben eine besondere Schutzbedürftigkeit, und wir hatten und haben zum Teil noch nicht die notwendige Infrastruktur für eine angemessene Betreuung“, sagt Antje Buck, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt. „Außerdem wissen wir im Grunde noch zu wenig über die Frauen, die gekommen sind und kommen.“

Buch über Islam neu aufgelegt

Die Landesarbeitsgemeinschaft der kommunalen Gleichstellungsstellen habe darauf bereits Anfang 2015/2016 hingewiesen. Man habe sich um ein entsprechendes Projekt bemüht und bekam es vom Land für zwei Jahre bewilligt: Seit Anfang 2017 gibt es die Landeskoordinierungsstelle „Frauen und Flucht“. Sie ist in Mülheim angedockt, weil Antje Buck auch Landesprecherin der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten in NRW ist.

Für Mira Ragunathan, die seit fünf Wochen als Koordinatorin im Einsatz ist, ist es eine Rückkehr in ihre alte Heimat, denn sie wuchs in Mülheim auf, ist hier zur Schule gegangen. Die Soziologin, die sich in ihrem Studium in Bielefeld viel mit Gender- und Migrationsthemen beschäftigte, danach auch Lehrbeauftragte für Gender Studies war und später in Köln in einem Antidiskriminierungsbüro arbeitete, führte zunächst ein Projekt ihrer Vorgängerin Dr. Jessica Schrinner fort. Die Islamwissenschaftlerin hatte in den ersten Projektmonaten ein Nachschlagewerk mit dem Titel „Frauen im Islam“ verfasst.

Erste Auflage schnell vergriffen

Es ist eine länderübergreifende Einführung, soll als Arbeitshilfe vermitteln, „wie die gesellschaftspolitische Stellung von Frauen in den Herkunftsstaaten ist“. „Sie zeigt auf, welche rechtlichen Möglichkeiten und Beschränkungen die Frauen in diesen Ländern haben, welche Gestaltungsmöglichkeiten ihnen theoretisch offen stehen“, sagt Mira Ragunathan. Es gehe dagegen nicht darum, darzustellen, wie (unterschiedlich) die Frauen mit diesen Bedingungen praktisch im Alltag leben. Ein Kapitel im Buch sei sogar dem Feminismus in islamisch geprägten Ländern gewidmet.

Die erste Auflage von 500 Exemplaren war schnell vergriffen, über den Kreis der Gleichstellungsbeauftragten hinaus gibt es viele Interessenten, etwa Akteure in der Flüchtlingsarbeit, Mitarbeiter von Behörden oder auch Privatleute. Deshalb hat Ragunathan das Werk jetzt neu auflegen lassen. Außerdem soll sie in Sachen „Frauen und Flucht“ Netzwerke knüpfen, Modellprojekte anstoßen, Statistiken auswerten, vor Fachgremien referieren und vieles mehr.

Modellprojekte anstoßen

Die Landeskoordinatorin sitzt mittlerweile auch an einer weiteren interessanten und wichtigen Aufgabe: Sie entwickelt eine Unterrichtseinheit für die sogenannten Orientierungskurse, die ein Bestandteil der Integrationskurse sind und Geflüchteten die deutsche Werteordnung vermitteln wollen. „In diesen Kursen sollte auch die Gleichstellung behandelt werden“, findet sie.

Ihre Materialien sollen das Lehrwerk ergänzen, das im Kurs benutzt wird. Mira Ragunathan steht in Kontakt mit verschiedenen Kursleiterinnen, die das Material derzeit im Unterricht erproben. „Wir wollen nicht nur über Gleichstellung informieren, sondern die geflüchteten Frauen darüber hinaus ermutigen, sich auch selbst auf kommunaler Ebene einzubringen in unserer Gesellschaft“, sagt sie.

>> Nachschlagewerk „Frauen im Islam“ neu aufgelegt

Die Broschüre „Frauen im Islam“ umfasst rund 200 Seiten. Sie klärt über den Islam und die Gesetze in Ländern wie etwa Syrien, Irak, Iran, Afghanistan auf und erläutert die verschiedensten damit zusammenhängenden Begriffe.

Im Fokus steht dabei das Thema „Frauen im Islam“. Das Nachschlagewerk kann bei der Landeskoordinierungsstelle gegen Versandkosten bestellt werden. Informationen dazu gibt es unter www.frauenundflucht-nrw.de.

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