Bergbau-Geschichte

Gedenkstein für Zeche Rosenblumendelle ist zurück

Am Standort der ehemaligen Zeche Rosenblumendelle wurde jetzt der lang verschollene Gedenkstein enthüllt. Foto: Fabian Strauch

Foto: WAZ FotoPool

Am Standort der ehemaligen Zeche Rosenblumendelle wurde jetzt der lang verschollene Gedenkstein enthüllt. Foto: Fabian Strauch Foto: WAZ FotoPool

Mülheim.   Am 29. Juli 1966 schloss das letzte Mülheimer Bergwerk, die Zeche Rosenblumendelle/Wiesche in Heißen. Fast genau 75 Jahre später weihte der Mülheimer Initiativkreis Bergbau- und Kokereiwesen im früheren Zechenhof einen Gedenkstein für den Pütt ein.

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Am 29. Juli 1966, exakt zwei Tage vor dem legendären Finale England-Deutschland bei der Fußball-WM in London, schloss das letzte Mülheimer Bergwerk, die Zeche Rosenblumendelle/Wiesche in Heißen, für immer seine Pforten.

Fast genau 75 Jahre später weihte der Mülheimer Initiativkreis Bergbau- und Kokereiwesen (IKB) am Wochenende im früheren Zechenhof einen Gedenkstein für den Pütt nahe der Stadtgrenze zu Essen ein. Das Besondere: Der rund zwei Tonnen schwere Sandsteinbrocken war jahrzehntelang verschollen . . .

Das Bergwerk, eines von zehn in der Mülheimer Bergbaugeschichte, wurde 1841 mit der Konsolidation der Zechen Vorwärts, Morgenröthe, Rosendelle, Blumendelle, Kämpgeswerk, Tutenbank und Zufall gegründet. 1912 wurde der Gedenkstein, ursprünglich Bestandteil der Mauern einer Maschinenhalle neben dem Malakowturm der Zeche, im Innenhof gelegt und feierlich eingeweiht, unmittelbar vor der Waschkaue, gegenüber der Markenausgabe für die Bergleute. Nach der Schließung der Zeche 1966 und dem Abriss zahlreicher ihrer Gebäude 1967/68 verschwand auch der Gedenkstein, allerdings spurlos.

Findling ist Gedenkstein

43 Jahre später, 2009 im Rumbachtal: Der Mülheimer Ulrich Turck besucht wie so oft seine Nachbarin, setzt sich im Garten auf einen flachen, rechteckigen, rund 1,5 Quadratmeter großen dunklen Stein, der halb im Erdreich versunken ist. Turck fällt eine eingravierte Jahreszahl auf und untersucht das rätselhafte steinerne Objekt, das ihn an eine Abbildung im Jahrbuch eines Mülheimer Heimatvereins erinnert. Als der Stein gesäubert wird, stellt sich heraus, dass Turck die richtige Assoziation hatte: Der Findling entpuppt sich als der lange verschollene Gedenkstein.

Jetzt schaltet Turck, der ehrliche Finder, den vor sechs Jahren gegründeten Initiativkreis ein, dem viele ehemalige Bergleute und an Bergbau Interessierte angehören. Der Bergbauverein hat natürlich gleich großes Interesse, denn es gibt nicht mehr so viele Zeugnisse aus der Bergbauzeit Mülheims. Gemeinsam beschließt man, den Stein gründlich zu säubern, zu sanieren und wieder an seinem ursprünglichen Standplatz aufzustellen.

Das Centrum für bürgerschaftliches Engagement vermittelt die notwendigen Kontakte: Das Technische Hilfswerk hilft und hebt den schweren Brocken mit seinem Kran. Dann lassen die Geschichtsforscher den Gedenkstein zur Werkstatt von Steinmetzmeister Peter Klingberg bringen. Der Handwerker bringt den steinernen Klotz auf Vordermann und ergänzt auch die fehlenden Inschriften. Die Gravuren im Stein erinnern an das Abteufen der drei Förderschächte Schacht 1856, Schacht 2 1897 und Schacht 3 1901. Schließlich wird das Monument im ehemaligen Innenhof der Zeche Rosenblumendelle/Wiesche, das heute zum Betriebsgelände der Handels- und Speditionsfirma Detmers („Am Förderturm“) gehört, wieder aufgestellt – nur rund zehn Meter entfernt vom alten Standort.

Erinnerung an Arbeit der Bergleute

Am Sonnabend wurde das restaurierte Denkmal zum zweiten Mal feierlich eingeweiht. Neben dem Gedenkstein, der auch ein Symbol für die Bergbaugeschichte Mülheims ist, flackerte eine goldene Grubenlampe. Lars van den Berg, Vorsitzender des Mülheimer Initiativkreises Bergbau- und Kokereiwesen, und Christian Giardina vom Centrum für bürgerschaftliches Engagement hielten kurze Ansprachen. Dann sangen rund hundert Mülheimer, darunter viele ehemalige Kumpel, einige davon in schwarzer Bergmannsuniform: „Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt. Und er hat sein helles Licht bei der Nacht, schon angezündt . . .“ Jeder, der jetzt hier vorbeikommt, wird künftig an die harte und gefährliche Arbeit der Mülheimer Bergleute in bis zu 1000 Meter Tiefe erinnert.

Am Freitag, 29. Juli, dem 45. Jahrestag der Stilllegung der letzten Mülheimer Zeche Rosenblumendelle/Wiesche, bietet der Initiativkreis Bergbau- und Kokereiwesen unter dem Motto „Auf den Spuren der Kumpel“ eine Führung über das ehemalige Betriebsgelände der Zeche in Heißen. Die „Zeitreise“, die um 18 Uhr im Innenhof des Bergwerks Rosenblumendelle/Wiesche beginnt, führt zu den noch erhaltenen Gebäuden und Relikten dieser Zeche. Anmeldungen und Informationen unter 0157-77 24 62 83. Weitere Infos zur Bergbauführung gibt es auf der Website des Mülheimer Bergbauvereins im Internet unter www.bergbauverein.de.

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