Kinderschutz

Führungszeugnisse: Stadt Mülheim rennt Vereinen hinterher

Mülheimer Sportvereine, die Kinder- und Jugendarbeit machen, müssen sich verpflichten, die Führungszeugnisse ihrer Übungsleiter und Trainer zu checken. Viele hängen damit noch nach.

Mülheimer Sportvereine, die Kinder- und Jugendarbeit machen, müssen sich verpflichten, die Führungszeugnisse ihrer Übungsleiter und Trainer zu checken. Viele hängen damit noch nach.

Foto: Andrea Bowinkelmann / LSB NRW

Mülheim  Kinder- und Jugendschutz ist ein großes Thema, auch bei den Mülheimer Sportvereinen. Warum tun sich viele mit den Führungszeugnissen so schwer?

Sportvereine, die Jugendarbeit betreiben, müssen sich von allen Mitarbeitern und Helfern erweiterte polizeiliche Führungszeugnisse zeigen lassen. Dies ist seit acht Jahren Gesetz - Bundeskinderschutzgesetz. Vor nunmehr fünf Jahren hat der Kommunale Soziale Dienst (KSD) der Stadt Mülheim den Vereinen eine Vereinbarung geschickt: Sie sollen sich per Unterschrift verpflichten, die Zeugnisse ihrer Leute zu prüfen. Bisher haben rund 100 der insgesamt 150 Sportvereine unterzeichnet. Von etwa 50 Clubs stehen die Unterschriften nach wie vor aus.

Ihnen rennen die Stadt und der Dachverband Mülheimer Sportbund (MSB) immer noch hinterher. Um Druck zu machen, hat sich jetzt der Sportausschuss erneut mit der Vereinbarung zum Kinder- und Jugendschutz befasst. Einträchtig wurde noch einmal an die Vereine appelliert, zu unterschreiben. Man möchte sicherstellen, dass einschlägig vorbestrafte Leute auf gar keinen Fall mehr in der Kinder- und Jugendhilfe arbeiten.

Mülheimer Sportbund: Niemanden an den Pranger stellen

Martina Ellerwald, Amtsleiterin des Mülheimer Sportservice (MSS), formulierte noch einmal eine "dringende Bitte, gerade vor dem Hintergrund der schrecklichen Fälle, die jetzt wieder bekannt geworden sind". Doch genau hier könnte ein Problem liegen: Mit Verbrechen wie jüngst in Münster oder Lügde möchten die Vereine nicht in einem Atemzug genannt werden. Sie fühlen sich in ihrer Kinder- und Jugendarbeit herabgewürdigt, zu Unrecht verdächtigt, sie sind genervt angesichts des bürokratischen Ballasts, der eh schon auf ihnen lastet.

Nicole Nussbicker, Geschäftsführerin des MSB, hört häufiger Rückmeldungen wie diese: "Ich kenne meinen Übungsleiter X, unseren Trainer Y schon seit vielen Jahren. Der macht so etwas nicht." Sie selber entgegnet dann: "Wir wollen niemanden an den Pranger stellen. Im Gegenteil: Die Vereine zeichnen sich durch so eine Verpflichtungserklärung ja positiv aus. Vielleicht fragen sich auch manche Eltern: Warum unterschreiben die denn nicht?"

Bürgeramt bietet Sammelbestellungen an

Führungszeugnisse müssen auch alle ehrenamtlichen Trainer, Helfer und Betreuer vorlegen, sofern sie älter als 14 Jahre sind. Um den Sportclubs die Arbeit zu erleichtern, hat der MSB die erforderlichen Formulare auf seine Website zum Download gestellt, inklusive der Anträge auf Gebührenbefreiung. Für Ehrenamtliche ist das Verfahren kostenlos. "Das Mülheimer Bürgeramt kommt uns sehr entgegen", so Nicole Nussbicker. "Es bietet Sammelbestellungen an. Das machen anderen Städte nicht."

Dennoch hakt es bei vielen Vereinen, während andere schon in die zweite Runde gehen. Denn die Führungszeugnisse müssen alle vier Jahre erneut angefordert werden. Einige Mülheimer Clubs können argumentieren, dass die Auflage sie nicht trifft, weil sie ausschließlich Seniorensport anbieten - das gelte aber längst nicht für alle säumigen Vereine, so Nicole Nussbicker.

Säumigen Vereinen die Zuschüsse streichen?

Werner Oesterwind (CDU), Mitglied im Sportausschuss, grollt: "Es ist völlig unverständlich, warum so viele Vereine noch nicht unterschrieben haben." In der nächsten Sitzung am 21. August solle auch über mögliche Sanktionen gesprochen werden, so Oesterwind. "Man könnte den betreffenden Vereinen städtische Zuschüsse streichen."

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