Kultur

Freilichtbühne Mülheim zeigt Stummfilme mit Live-Musik

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Bereits vor Corona tourten die Musiker von Interzone Perceptible mit ihren Stummfilm-Vertonungen durchs Ruhrgebiet - wie hier im Jahr 2017 in Duisburg. An vier Terminen kommen sie im September an die Mülheimer Freilichtbühne.

Bereits vor Corona tourten die Musiker von Interzone Perceptible mit ihren Stummfilm-Vertonungen durchs Ruhrgebiet - wie hier im Jahr 2017 in Duisburg. An vier Terminen kommen sie im September an die Mülheimer Freilichtbühne.

Foto: Stephan Eickershoff / FUNKE Foto Services

Mülheim.  An der Mülheimer Freilichtbühne flimmern im September vier Stummfilme über die Leinwand – musikalisch untermalt von einem Duo für Soundeffekte.

In Zeiten von ständig verfügbarem Entertainment bildet diese Unterhaltungsreihe einen entschleunigten Gegensatz: Die Regler Produktion lädt zur „Stummfilmreihe mit Live-Musik“ an die Freilichtbühne.

An vier Terminen werden alte Streifen gezeigt, zu denen Sven Hermann und Matthias Hettmer von Interzone Perceptible live Musik mit ungewöhnlichen Klängen spielen. Los geht es am Freitag, 10. September, 20 Uhr, mit „Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens“, einem Stummfilm von Friedrich Wilhelm Murnau aus dem Jahr 1922.

Zum Start wird’s gruselig: Nosferatu flimmert über die Leinwand

Nosferatu ist die filmische Inkarnation von Vlad Dracul, der Vampirfledermaus in Menschengestalt. Bram Stoker setze ihm mit seinem Roman „Dracula“ ein literarisches Denkmal. Interzone Perceptible komponierten mit „Histoplasmose“ eine Filmmusik dazu, die die Sporen des Fledermauspilzes durch das Gehör in den Zuschauer eindringen lässt.

Am Samstag, 11. September, 20 Uhr, ist der Horrorstreifen „Cabinet des Dr. Caligari“ von Robert Wiene zu sehen. Ein Irrer erzählt: von seiner Verlobten, vom Jahrmarkt, von einem Schlafwandler, von Mord, Entführung und Dr. Caligari, dem dämonischen Schausteller, Wissenschaftler und Arzt.

Entfesselte Kamera bietet Einblicke in die Psyche der Filmfiguren

Am Freitag, 24. September, um 20 Uhr flimmert „Der letzte Mann“ von Friedrich Wilhelm Murnau aus dem Jahr 1924 über die Leinwände der Freilichtbühne. Dieser Film bietet durch die zum ersten Mal in der Filmgeschichte eingesetzte entfesselte Kamera Einblicke in die Psyche der Filmfiguren. Die subjektive Blickweise der in einer Szene torkelnden Hauptfigur fing der Kameramann Karl Freund ein, indem er sich die Kamera vor die Brust schnallte und das Torkeln nachahmte.

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Erzählt wird die Geschichte eines alten Hotel-Portiers. Er verdankt seiner prächtigen Uniform Selbstwertgefühl und Anerkennung. Doch eines Tages degradiert der Geschäftsführer den Altersgeschwächten zum Toilettenmann. In seinem Milieu wagt er nicht, den Abstieg einzugestehen. Um den Schein zu wahren, stiehlt er die Uniform. Doch seine Bemühungen bleiben ohne Erfolg und das Leben wird zur Qual.

Charaktere werden tiefenpsychologisch ausgeleuchtet

„Asphalt“, ein Stummfilm von Joe May aus dem Jahr 1929, ist am Samstag, 25. September, zu sehen. Darin wird ein Wachtmeister von einer Diebin verführt. Es geht um Eifersucht, Betrug, Lüge und Mord - aber auch um Ehre, Treue und Verantwortung. Aus der Story entwickelt May einen Film, dessen Charaktere tiefenpsychologisch ausgeleuchtet werden. Interzone Perceptible liefern eine Musik dazu, die sowohl das Flimmern der heißen Luft über dem Asphalt des Großstadtdschungels in sich aufnimmt als auch das Melodramatische des Plots.

Finanziert werden die Filme vom Bundesprogramm „Neustart Kultur“. Besucher sollten sich fürs Stummfilm-Freilufttheater anmelden: info@regler-produktion.de, über die Internetseite der Regler-Produktion (reglerproduktion.de) oder bei Hans-Uwe Koch: 0178 4573936.

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