Urteil

Frau mit Schirmständer geschlagen: Freispruch für Mülheimer

Das Landgericht Duisburg hat den 75-Jährigen Mülheimer freigesprochen, obwohl er seine Frau geschlagen hat.

Das Landgericht Duisburg hat den 75-Jährigen Mülheimer freigesprochen, obwohl er seine Frau geschlagen hat.

Foto: Ulrich von Born / WAZ FotoPool

Mülheim.  Ein Mülheimer soll seine Frau mit einem Schirmständer geschlagen haben. Das Landgericht Duisburg sprach ihn nun frei: Er ist nicht schuldfähig.

Mit einem Freispruch endete das Verfahren gegen einen 75-jährigen Mülheimer vor dem Landgericht Duisburg. Ihm war vorgeworfen worden, im November 2015 und im Januar 2017 seine vier Jahre jüngere Ehefrau in der gemeinsamen Wohnung in Styrum attackiert zu haben. Doch aufgrund einer psychischen Erkrankung kann der Mann dafür strafrechtlich nicht zur Verantwortung gezogen werden.

Mann schlug Frau mit Schirmständer zwei Zähne aus

Vieles sprach am Ende des mehrtägigen Verfahrens dafür, dass der ehemalige Finanzbuchhalter seine Gattin im Herbst 2015 im Treppenhaus zunächst mit einem Gürtel geschlagen hatte und ihr so einen Bluterguss im Gesicht zufügte. Bei einer weiteren Auseinandersetzung, mehr als ein Jahr später, hatte er ihr mit einem Schirmständer aus Messing zwei Zähne ausgeschlagen.

Der Angeklagte hatte die Vorwürfe durch wirre Erklärungen zurück gewiesen. Seine Frau habe seit 35 Jahren ein Verhältnis mit einem Nachbarn. Beide zusammen hätten ihn schon um mehr als 300.000 Euro – Bargeld und Goldmünzen – gebracht. Die Vorfälle seien nur inszeniert gewesen, um ihn in die Psychiatrie zu bringen. Die sei übrigens, wusste der Angeklagte zu berichten, von solch bedauernswerten Opfern wie ihm abgesehen, nur von arbeitslosen Schauspielern bevölkert. „Die Betten stehen ja eigentlich alle leer.“

75-Jähriger Mülheimer ist nicht schuldfähig

Ein Sachverständiger wertete solche Äußerungen als Auswüchse der Erkrankung des 75-Jährigen. Der Mann sei nicht schuldfähig. Weder zur Tatzeit noch jetzt. Doch auch eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus kam nicht in Betracht. Denn es gab keinen Grund anzunehmen, dass der Rentner zwangsläufig weitere Straftaten begehen wird. Im Gegenteil: Bereits seit zwei Jahren und zehn Monaten hat es keinen weiteren Vorfall gegeben.

Und das, obwohl sich der Mann tagsüber regelmäßig in der gemeinsamen Wohnung aufhält. Nur nachts schläft er in einer kleinen angemieteten Wohnung in der Nähe. Aus Angst vor Mordanschlägen seiner Ehefrau.

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