Verschuldung

Finanzspritze für die Awo-Schuldenberatung in Mülheim

Das Team der Awo-Schuldenberatung in Mülheim: (v.li.) Leiter Carsten Welp, Christiane Schrom, Heike Egener und Sabrina Gahlmann.

Das Team der Awo-Schuldenberatung in Mülheim: (v.li.) Leiter Carsten Welp, Christiane Schrom, Heike Egener und Sabrina Gahlmann.

Foto: Tamara Ramos

mülheim.   Sparkasse unterstützt die Stelle pflichtgemäß mit fast 29 000 Euro. Über tausend Schuldner werden betreut. Viele haben sich im Internet verzockt.

Unter den Menschen in Mülheim gibt es derzeit etwa 1090, die etwas gemeinsam haben: Sie werden aktuell von den Schuldenberatern der Awo betreut. Mehr als 500 Personen seien seit Januar neu dazu gekommen, berichtet Carsten Welp, der die Beratungsstelle leitet. An den anderen Fällen arbeitet sein Team schon länger.

Diese Zahlen liegen seit Jahren auf gleichbleibend hohem Niveau – so gab es 2017 insgesamt 778 Neuzugänge in den Räumen an der Friedrich-Ebert-Straße. Die erfasste Schuldensumme, die alle Klienten gemeinsam mitbringen, bezifferten die Berater im Vorjahr auf rund fünf Millionen Euro.

Knapp die Hälfte der Hilfesuchenden leben von Sozialhilfe, auf der anderen Seite sind durchaus Leute mit einem guten Einkommen darunter. Dies zeigt schon: Die Gründe, warum Frauen und Männer hier vorsprechen, sind vielfältig: „Die klassischen Konsumentenkredite stehen nicht mehr so im Focus“, hat Welp beobachtet, obwohl sie natürlich weiterhin eine Rolle spielen. Neue Formen finanzieller Fußangeln drängen sich in den Vordergrund.

Oft steckt Suchtproblem dahinter

So bietet das Internet unendliche Möglichkeiten, sich wirtschaftlich zu ruinieren, ohne überhaupt noch das Haus zu verlassen, etwa eine Spielhalle aufzusuchen. „Viele verzocken online viel Geld“, so der langjährig erfahrene Berater, „oft steckt eine Suchtproblematik dahinter.“ Dies falle immer häufiger auf, mache die Beratungsarbeit immer umfangreicher.

Wenn die Verschuldung auf tiefer liegenden Problemen beruht, müssen erst diese geklärt werden. Die Schulden- und Insolvenzberatung der Awo arbeitet hier mit anderen Stellen in Mülheim zusammen. Auch fehlendes Rechtsbewusstsein erschwert häufig eine Lösung oder persönliche Überforderung („tütenweise ungeöffnete Post“...).

Im Schnitt stehen die Ratsuchenden bei 13 Gläubigern in der Pflicht, die für die Berater schwieriger als früher zu greifen sind. Denn häufig sind es nicht mehr Vertreter klassischer Kreditinstitute, mit denen man eine Einigung versuchen kann, sondern Firmen mit undurchsichtiger Struktur. „Wir haben den Eindruck, jeden Monat kommen neue Inkassounternehmen auf den Markt“, meint Carsten Welp, „das ist ein Massengeschäft.“ Dem stehen in der Mülheimer Beratungsstelle vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gegenüber, zwei von ihnen auf Teilzeitstellen, plus eine Verwaltungskraft.

Die jährliche Spende durch die Sparkasse Mülheim ist für die Schuldenberatung ein Zuschuss, auf den sie kaum verzichten könnte. Kürzlich übergab deren Vorstand Ralf Dammeyer wieder einen Scheck über 28 578 Euro, im Vorjahr war es etwa genauso viel.

Größtenteils von der Stadt finanziert

Größtenteils wird das Budget der Beratungsstelle mit öffentlichen Mitteln gedeckt. Etwa 240 000 Euro kommen aus dem städtischen Haushalt, da die Schuldenberatung eine kommunale Pflichtaufgabe ist, mit der die Awo Mülheim beauftragt wurde. Rund 50 000 Euro Unterstützung gibt es vom Land.

Nach Erfahrung der Berater gerät der allergrößte Teil ihrer Klienten nur ein einziges Mal in die Verschuldung, nur wenige Prozent der Ratsuchenden rutschen wiederholt in die Pleite. „Die Rückfallquote ist relativ gering“, sagt Carsten Welp. Für ihn und sein Team durchaus ein Erfolg.

>>> Spende der Sparkasse ist verpflichtend
Die Spende an die Schuldenberatung ist für die Sparkasse verpflichtend. Geregelt ist dies in § 2 des Sparkassengesetzes NRW, dort heißt es unter dem Titel „Unternehmenszweck, öffentlicher Auftrag“ unter anderem: „Die Sparkassen tragen zur Finanzierung der Schuldnerberatung bei.“ Die Höhe der jährlichen Überweisung bemisst sich laut Sparkassensprecher nach der Bilanzsumme.

Von anderen Kreditinstituten oder sonstigen Spendern erhält die Awo-Schuldenberatung jedoch keine Unterstützung.

Offene Sprechstunden an der Friedrich-Ebert-Straße 4 sind dienstags von 9 bis 12 Uhr und donnerstags von 14 bis 18 Uhr. Termine gibt es dort in der Regel ohne Wartezeit. Kontakt:
439693-0 oder per Mail an: schuldenberatung@awo-mh.de.

Leserkommentare (2) Kommentar schreiben