Ostern

Faule und politisch gefärbte Eier: Der Osterhase im Gespräch

Da ist

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Foto: Tamara Ramos

Mülheim.   Mülheims Osterhase ist ein ganz schön politischer. Wir trafen ihn in der Müga und sprachen mit ihm über allerlei Eier, auch über faule.

Während viele am Osterwochenende die freie Zeit genießen, kommen der Osterhase, seine Helfer und Dienstleister ins Schwitzen. Sie arbeiten für das Vergnügen der anderen. Was den Osterhasen in diesen Tagen bewegt und was sich in bunten Eiern alles versteckt, darüber konnten wir mit ihm in einer Eierfärbepause im an Blüten bunten Müga-Park sprechen.

Haben Sie gerade viel Stress?

Osterhase: Es ist für mich, meine Kolleginnen und Kollegen immer sehr hektisch vor Ostern. Aber wir machen das alle sehr gern.

Was haben Sie alles zu regeln?

All die Telefonate mit den Hähnen, damit deren Hühner genug Eier legen. Mancher Gockel ist echt anstrengend und glaubt, er habe was Besonderes zu krähen.

Die scharren mit den Sporen?

Ich sehe das gelassen. Wir erledigen unseren Job, um den Kindern eine Freude zu machen. Da fliegen Eitelkeiten aus dem Nest. Landeier nehmen wir am liebsten.

Kommen sie mit dem Färben klar?

Alles allein schaffe ich nicht. Ich habe ein tolles Team, das mir hilft.

Das Verstecken der Ostereier ist ebenfalls zeitaufwendig.

Auch das ist Teamarbeit. Es ist herrlich zu sehen, freuen sich die Kleinen über ein entdecktes Ei.

Und Sie hoppeln mit der ganzen Kinderschar über die Wiese?

Ich bin mittendrin. Eltern dürfen zur Erinnerung von ihren Kindern und mir sogar ein Foto machen.

Stören noch die Eierramscher mit großen Tüten die Kinder?

Die sind selten geworden. Man darf dann kein Weichei sein und muss sie zurückweisen. Kinder haben stets Vorrang. Den Kleinsten helfe ich gern beim Suchen.

Existieren faule Eier in der Stadt?

Sicher genug. Ich will nicht alles breittreten. Mein Name ist Hase.

Welche Eier bevorzugen Sie?

Die roten. Die leuchten kräftig – wie die Farbe meiner Partei. . .

Was ist mit grünen Eiern?

Ich hoffe, dass es in der Stadt mehr Aktivitätsangebote für Jugendliche gibt. Solche ohne Vereinsanschluss suchen 14- bis 18-Jährige. Und sie sollten taschengeldfreundlich sein.

Und die gelben Ostereier?

Jetzt bei Sonnenschein strahlen die Kinder auf den Spielplätzen. Sie helfen sogar mit beim Saubermachen, wie neulich an der Charlottenstraße. Wir müssen auch die großen und kleinen Parks in Mülheim für alle erhalten und pflegen. Die Internationale Gartenschau bringt dafür neue Impulse.

Was ist mit blauen Ostereiern?

Europa ist für uns ganz wichtig. Wir brauchen mehr Solidarität unter den Menschen und Staaten. Jugendliche sollten sich häufiger austauschen. Auch ohne viele Fremdsprachenkenntnisse müssen wir Reisebarrieren abbauen.

Das zweite blaue Ei mit den goldenen Sternen wird geköpft für?

Ein transparentes und vereintes Europa. Es muss bekannter werden, wo das EU-Geld hilft. Im Radschnellweg durch Mülheim stecken auch EU-Finanz-Eier.

Wie wäre es mit einem Bildungsei?

Immer. Ausbildung auf allen Ebenen muss für jeden möglich sein. Mülheim hat fast alle Schulen saniert. Andere Städte sind nicht so weit. Hinzu kommt das Erasmus-Programm für Studierende. Das Handwerk bietet zahlreiche Entwicklungsbasen.

Haben Sie auch Solidaritätseier?

Mein Korb ist voll davon. Ohne geht in der Gesellschaft kaum. Weniger Ellenbogen und mehr Rücksicht täten uns gut.

Haben Sie in dieser Stadt verdorbene gefunden?

Einige. Das Streichen beim ÖPNV macht Jugendliche und Ältere unbeweglich und blockiert Kontakte. Planer und Politiker können bessere Lösungen aus dem Ei pellen, als mit falschem Sparen anzuecken.

Liegen die politischen Eier wirklich so schwer im Magen?

Man muss die Leute mitnehmen. Bei Parteien und Rat ist noch viel Luft nach oben. Ich arbeite im Team unserer Europakandidatin, die Familien-, Sozial- und Umweltthemen beackert. Das sind wichtige Arbeitsfelder für die Zukunft.

Schätzen Sie Überraschungseier?

Das Gelbe vom Ei wäre ein Erlass aller Kosten, die Bund und Land der Stadt aufgedrückt haben. Der Schuldenberg schrumpfte auf wenige harte Kredit-Eier. Dann könnte Mülheim wieder mehr bewegen.

Ist das nicht ein dickes Windei?

Politiker sollten stets für Überraschungen gut sein. Zurzeit sieht es in Berlin nicht nach einem Endschuldungsfonds aus. Und Mäzene sind leider selten.

Wie wird man Osterhase?

Mit dem natürlichen Generationswechsel. Ich habe den Job von einer Häsin übernommen.

Was machen Sie im Nebenberuf?

Ich studiere und möchte Lehrer werden. Kinder machen Freude.

Da können Sie als Hase schon mal die pädagogische Pfote heben.

Die gilt doch eher als Glücksbringer. . . Wenn ich das schaffe, freut mich das. Ich wünsche allen ein fröhliches und ruhiges Osterfest.

>> OSTEREIER-SUCHE AM KLOSTER SAARN

Unter dem Kostüm des sprechenden Osterhasen verbirgt sich Patrick Schultz. Er übernahm die Aufgabe des hoppelnden Eierversteckers vor drei Jahren von seiner Vorgängerin. Schultz macht eine Ausbildung zum Lehrer. Er wurde in den Vorstand der Jungsozialisten in der SPD gewählt Für ihn hat die Europapolitik einen hohen Stellenwert. Er möchte diese bekannter und transparenter machen, erklären, was Europa bedeutet und bewirkt. Darum arbeiten er und andere Mülheimer im Team der Europakandidatin Sina Breitenbruch-Tiedtke mit.

Seit rund 30 Jahren laden Mülheims Jusos immer am Ostersonntag zur großen Ostereiersuche ein. Der Osterhase hat wieder mengenweise bunte Ostereier für die Kinder versteckt. „Alle sind eingeladen, die Eier auch zu finden“, sagt Juso-Vorsitzende Laura Libera.

Die Suche beginnt am Sonntag um 12.15 Uhr. Auf der Wiese unterhalb des Saarner Klosters neben dem Mühlenteich treffen sich Kinder, Eltern und Großeltern zum bunten Fest.

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