Kinderschutz

Ex-Chefkarnevalist knüpft Netz gegen sexuellen Missbrauch

Heiner Jansen

Heiner Jansen

Foto: Christoph Wojtyczka

Mülheim.   Der einstige Chef-Karnevalist Heiner Jansen spannt quer durch die Stadtgesellschaft ein Netzwerk, das Kinder besser vor Übergriffen schützt.

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Welch ein Wechsel! Jahrelang hat sich der Unternehmer Heiner Jansen in seiner Freizeit an vorderster Stelle für die Welt des Mülheimer Karnevals eingesetzt. Als er sich dort vor einem Jahr vom Chefposten zurückzog, übernahm er eine neue Aufgabe: die Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs von Kindern. „Und was ich anfange, das mache ich richtig“, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung.

Wie beim Karneval sucht er Mitstreiter, knüpft Netzwerke – und das auch diesmal erfolgreich. Bereits 38 Paten aus allen gesellschaftlichen Gruppierungen hat er inzwischen gewinnen können. Die 50 peilt er an und glaubt, sie bald zusammen zu haben.

Sechs Ärzte wirken als Paten mit

Allein sechs Ärzte hat er für den verstärkten Kampf gegen sexuellen Missbrauch als Paten gewinnen können, Vertreter beider Kirchen, die Alt-Oberbürgermeisterin, den Chef des RWW, Spitzenvertreter des Handels und der Wohnungswirtschaft, Leute wie den Bäcker Peter Hemmerle oder Thomas Weise von der Polizei, das DRK und, und, und.

Jansen geht es nicht nur darum, das Thema noch mehr als bisher aus dem Verborgenen zu holen, ein breites öffentliches Bewusstsein zu schaffen, sondern auch um Geld. Paten spenden. Es kommen große Summen zusammen – Gelder für die Präventionsarbeit, die die Awo-Beratungsstelle für Schwangerschaftskonflikte, Partnerschaft und Sexualität nun deutlich ausweiten kann. „Ohne diese Unterstützung könnten wir das nicht leisten“, sagt Barbara Schäfer, Leiterin dieser Awo-Spezialabteilung.

Kinder haben das Recht, Nein zu sagen

Mit den Mitteln schult die Awo neue Mitarbeiter, die dann in die Grundschulen gehen, um dort mit Lehrern, Eltern und Kindern darüber zu reden, wo Missbrauch beginnt, wie man ihm begegnet; vor allem sollen die Kinder erfahren, dass sie mit dem Problem nicht alleine sind, dass es Hilfen gibt, dass es nicht normal und erlaubt ist, wenn jemand ihnen zwischen die Beine greift, dass sie nicht schweigen müssen, wenn sie das erleben, dass sie ein Recht haben, Nein zu sagen und das auch sollten, egal, wer vor ihnen steht. Wie schütze ich mein Kind? Auf diese Frage sollen Eltern eine Antwort bekommen.

Pädagogen, Studenten im fortgeschrittenen Semester, Sozialarbeiter, auch ein Naturwissenschaftler gehören inzwischen zu dem neunköpfigen Team der Awo. „Unser Ziel ist es, dass wir in Mülheim Workshops in allen dritten Jahrgängen durchführen. „Jetzt haben wir das Geld und die Leute.“

Sexueller Missbrauch beginnt zunehmend im Internet

Barbara Schäfer will das Projekt auch auf alle siebten Jahrgänge an weiterführenden Schulen ausdehnen. Sexueller Missbrauch beginnt zunehmend auch im Internet, wovon besonders Kinder im Alter von 12, 13 Jahren betroffen sind, wenn sie im Netz in Bereiche vorstießen, die auch von Eltern kaum noch zu durchschauen und zu kontrollieren seien.

Doch wie groß ist die Bedrohung durch sexuellen Missbrauch überhaupt? Barbara Schäfer verweist auf aktuelle Studien. Danach sind bundesweit geschätzt etwa eine Million Kinder bis zum 13. Lebensjahr betroffen. In jeder Schulklasse könnte es danach Betroffene geben. Zwei Drittel der Opfer sind Mädchen. Zwei Drittel der Übergriffe erfolgen in der Familie und eben nicht irgendwo durch Fremde, berichtet Barbara Schäfer.

Ein Hilfsangebot wurde vor 15 Jahren entwickelt

Es ist nicht neu. Bereits vor 15 Jahren hatte die Awo das Elephon, ein Hilfsangebot, bei dem sich Kinder und Eltern anonym Beistand holen konnten, entwickelt. In neuer und deutlich erweiterter Form wird dieses Elephon fortgesetzt, und das in enger Zusammenarbeit mit dem Kinderschutzbund, mit dem Verein Hilfe für Frauen, mit dem Kommunalen Sozialen Dienst. Barbara Schäfer: „Hier kocht keiner mehr sein Süppchen alleine.“

<<< HILFSANGEBOT NICHT NUR FÜR SCHULEN

Von den 23 Mülheimer Grundschulen haben inzwischen neun einen Workshop gebucht, der jeweils über einen Vormittag geht. Schulen, aber auch Privatpersonen können sich jederzeit bei der Awo-Beratungsstelle unter 45003-225 oder per mail k.schumacher@awo-mh.de melden und Hilfe bekommen.

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