NRZ-Bürgerbarometer

Einmal durch Mülheim mit Bussen und Bahnen unterwegs

Mit Bussen und Straßenbahnen ging es ein paar Stunden lang durch die Stadt.

Foto: Oliver Müller

Mit Bussen und Straßenbahnen ging es ein paar Stunden lang durch die Stadt. Foto: Oliver Müller

Mülheim.   Viele Bürger nutzen weder Busse noch Bahnen, zudem gibt es nur mittelmäßige Bewertungen für Pünktlichkeit und Linien-Angebot. Ein Selbstversuch.

Nur wenige Mülheimer nutzen Busse und Bahnen, für die Pünktlichkeit und das Linienangebot gibt es nur mittelmäßige Bewertungen: Das NRZ-Bürgerbarometer macht deutlich, dass der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) nicht den besten Ruf in Mülheim hat. Zurecht? Die NRZ hat sich auf den Weg gemacht und einige Verbindungen innerhalb der Stadt ausgetestet.

Speldorf – Flughafen

An der Stadtgrenze zu Duisburg geht’s los. Von der Haltestelle Monning in Speldorf soll es zum Flughafen gehen. Die Verbindung, die zwei Umstiege vorsieht, startet mit der Fahrt mit der Straßenbahnlinie 901 um 10.30 Uhr. Eigentlich. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt lässt die Bahn auf sich warten. Ein gutes Vorzeichen?

Nach fünf Minuten Wartezeit fährt die 901 doch noch vor. In der Bahn, die um diese Uhrzeit nur spärlich besetzt ist, ist schnell einer der Gründe für die Verspätung auszumachen. Eine putzige, weil dick eingepackte, Kolonne von Kindergartenkindern befindet sich auf einem Ausflug mit ihren Erzieherinnen. Das Ein- und Aussteigen der Kinderschar dauert nachvollziehbar ein paar zusätzliche Momente.

Die Zeit verrinnt auf dem Weg zur Haltestelle Stadtmitte, dem Umsteigepunkt. Aus fünf Minuten Verspätung werden acht. Als die Bahn am Ziel zum Stehen kommt, ist klar: Die Bahn der Linie 112 zum Hauptfriedhof ist weg. Ein weiteres Ärgernis: Eine der Rolltreppen der unterirdischen Haltestelle versagt ihren Dienst. Gut, wird so durch das Treppensteigen zum oberirdischen Haltepunkt der ausgefallene Frühsport im kleinen Rahmen nachgeholt.

Als Alternative muss nun die Linie 104 herhalten – sie fährt ebenfalls zum Hauptfriedhof, nimmt aber einen etwas längeren Weg als die 112. Da die Bahn jedoch überpünktlich ankommt (eine Minute zu früh, 10.58 Uhr) und sofort rasant Fahrt aufnimmt, scheint der neue Zeitplan aufzugehen. Am Friedhof wartet bereits der 130er Bus. Der Busfahrer steht noch entspannt außen an seinem Gefährt und zieht an seiner Zigarette (11.14 Uhr). Die vierminütige Fahrt zum Flughafen ist nur Formsache.

Flughafen – RRZ

Die unkomplizierteste Verbindung des Tages steht an. Ohne Umstieg geht es pünktlich um 11.38 Uhr los in Richtung Rhein-Ruhr-Zentrum (RRZ). Dafür muss jedoch Mülheim verlassen werden, macht der Bus einen Schwenker nach Essen-Haarzopf. Am Haltepunkt Erbach bittet ein älterer Herr, unterwegs mit Einkaufstrolley und Stock, um Unterstützung beim Einsteigen. Nach einem kurzen Gespräch, in dem es dem Mann um Unzulänglichkeiten der Ruhrbahn geht, ist das Ziel in Sicht – sehr zeitig (11.49 Uhr).

RRZ – Saarn

Da der Bus ein wenig zu früh am RRZ ankam, ist die Gelegenheit da, eine U-Bahn der Linie U18 früher als gedacht zu nehmen. Mit dieser geht es weiter in Richtung Von-Bock-Straße (11.54 Uhr). An der Haltestelle angekommen gibt es eine kurze Verzögerung. Eine Gruppe Kontrolleure möchte den Fahrschein sehen – kein Problem. Etwas problematischer gestaltet sich die Suche nach der Haltestelle für den nächsten Bus. Diese trägt zwar den selben Namen wie der Haltepunkt der U-Bahn, befindet sich jedoch einige hundert Meter Luftlinie entfernt. Doch das nun etwas größere Zeitpolster erlaubt es, zunächst in die falsche Richtung zu laufen.

Wieder überpünktlich (12.18 Uhr) ist schließlich der 753er Bus zur Stelle, der sich innerhalb von 20 Minuten aus der Innenstadt in Richtung Saarn aufmacht. Die Heizung im Inneren ist merkbar aufgedreht, was bei den äußerst kalten Außentemperaturen auf die Zustimmung der Fahrgäste stößt. Angekommen an der Haltestelle Lehnerfeld ist um 12.38 Uhr auch diese Verbindung erfolgreich getestet – jetzt mit vor Wärme schwitzenden Füßen.

Saarn – Dümpten Friedhof

Nach ein paar Minuten Verschnaufpause soll es nun in den Norden der Stadt gehen, von Saarn aus zum Dümptener Friedhof. Pünktlich fährt der Bus der Linie 133 am Lehnerfeld vor (12.51 Uhr). Noch ist er relativ leer. An der Haltestelle Merziger Straße ändert sich das jedoch schlagartig. Schüler von der Gesamtschule Saarn und vom Berufskolleg Lehnerstraße drängen ins Gefährt. Nicht alle Fahrgäste schaffen es, einen Platz zu finden. Einige Schülerinnen entscheiden sich, dem Gedränge aus dem Wege zu gehen und einen späteren Bus zu nehmen – eine ältere Dame schließt sich der Entscheidung an.

Dicht an dicht geht es zehn Minuten lang zum Schloß Broich, wo der nächste Umstieg ansteht. Trotz des vollen Gefährts gelingt es dem Busfahrer pünktlich anzukommen (13.02 Uhr). Über die Straße, an der die Fußgängerampel sofort Grün zeigt, geht es erneut in den Untergrund, zur Haltestelle der Linie 102. Vier Minuten später geht es ohne weitere Vorkommnisse in Richtung Dümpten. Nur mit zwei Minuten Verspätung ist um 13.22 Uhr das Ziel, der Friedhof, erreicht.

Dümpten Friedhof – HBF

Die letzte Fahrt des Selbstversuches gestaltet sich unspektakulär. Pünktlich auf die Minute (13.28 Uhr) geht es mit der Linie 102 wieder los am Friedhof in Richtung Hauptbahnhof und Redaktion.Pünktlich um 13.39 Uhr ist die Fahrt beendet.

Fazit

Fünf Verbindungen, kreuz und quer durch Mülheim, beinhaltete der Selbstversuch, fünf mal wurde das Ziel erreicht. Bis auf eine große Verspätung direkt am Start waren Busse und Bahnen pünktlich unterwegs. Die Straßenbahnen, fast alle moderne Vertreter ihrer Zunft, machten einen guten Eindruck. Bis auf zehn Minuten in engem Gedränge gab es immer ausreichend Sitzplätze. Zumindest an diesem Tag im November ist der ÖPNV in Mülheim besser als sein Ruf.

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