Preisverleihung

Eine Oscar-Verleihung für die Kreativen in Mülheim

Das Team des Kreativkraftpreises: Jürgen Schardt, Francesca Lo Vasco, Andreas Schmelzer, Ann-Kathrin Allekotte, Hermann Rokitta und Max Bischoff (v.l.).

Das Team des Kreativkraftpreises: Jürgen Schardt, Francesca Lo Vasco, Andreas Schmelzer, Ann-Kathrin Allekotte, Hermann Rokitta und Max Bischoff (v.l.).

Foto: Michael Dahlke

Mülheim.   Gala-Show im Ringlokschuppen zeigte auch das breite Spektrum der Musikszene. Helge Schneider wurde als Überlebenskünstler ausgezeichnet.

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Um eine der acht Kategorien hatte das Organisatorenteam des Kreativkraftpreises stets ein großes Geheimnis gemacht, nicht einmal die Nominierten preisgegeben. Und Hermann Rokitta und Andreas Schmelzer machten es auch während der kurzweiligen, dreistündigen Prämierungsgala spannend, schoben noch einen Live-Act dazwischen, ehe sie wie bei der Oscar-Verleihung aus einem großformatigen Umschlag die Urkunde entnahmen und dann noch Andeutungen machten, dass der Preisträger in Hamburg etwa im Gegensatz zu seiner Heimatstadt bekannt sei und seine Filme geschätzt würden.

Kein Zweifel der als Überlebenskünstler Gekürte ist Helge Schneider. Und im Gegensatz zur Hollywood-Panne war auch im Umschlag die richtige Urkunde. Persönlich war der 62-Jährige allerdings nicht gekommen, aber er meldete sich mit einer Videobotschaft aus Spanien. Zunächst erklingen Orgelklänge, dann schwenkt die Kamera auf sein Gesicht und Helge, der im Sommer noch den Ehrenpreis des bayerischen Kabarettpreises erhalten hat, erzählt, dass der „Kraftpaketpreis“ für ihn eine ganze besondere Bedeutung habe - aber auch er komme in den Karton. Und dann fängt er in seiner unnachahmlichen Art an zu singen, „im Pappkarton, im Pappkarton ist es dunkel, wenn Deckel zu ist...“ Das Publikum im vollbesetzten Ringlokschuppen jubelt.

Schoko-Trophäen für alle

Auf der linken Seite glich die Bühne an dem Abend einem Wohnzimmer: Rotes Sofa, roter Flokati, rote Blumen. Auf der einen Seite des Sofas stand eine Staffelei mit van Goghs Sonnenblumen, auf der anderen reihten sich die acht Trophähen aneinander. Bei den Kreativen herrschte eine familiäre Atmosphäre, auf der rechten Bühnenseite standen Verstärker, Keyboard und Schlagzeug bereit und über allem thronten drei Großbildschirme, auf denen später dann die Nominierten vorgestellt wurden.

Doch zunächst war erst einmal der Blick auf Kirchenhügel, Kahlenberg und Hans-Böckler-Hochhäuser zu sehen. Während eine Nacht im Zeitraffer verstreicht, schwillt ein Herzschlag an, es ist der Puls der Stadt, der von solchen Menschen und ihren Angeboten bestimmt wird, um die es an dem Abend gehen soll. Und dann stürmten schon „Sondaschule“ die Bühne. „Unser erstes Konzert, bei dem das Publikum sitzt“, freute sich Sänger Tim Kleinrensing und forderte das Publikum auf, wie beim Musikantenstadl mitzuklatschen.

Musiker zeigen, dass Musik in Mülheim spielt

Los ging’s mit dem Song „Es gibt nur Dur in Mülheim Ruhr“, in dem übrigens auch Helge Eisessend in einer Zeile vorkommt. Zwischen jeder Preisverleihung war ein weiterer Live-Act zu hören: Denis Schmitz, PinkePank, und das Reggae-Duo Rude Reminders, die allesamt vor Jahren auch in der Akustik-Session von Max Bischoff im Mocca Nova aufgetreten waren, der vor vier Jahren überraschend einen Preis erhalten hatte und inzwischen zum Organisationsteam zählt.

Die zehn Nominierten zeigten, dass Musik hier alles andere als eine Randnotiz ist. „Es ist traumhaft“, freute sich Bischoff. Mit André Tolba, den viele nicht mit Mülheim verbinden, war der Preisträger eine Überraschung: Tolba kündigte an, in den nächsten Tagen mit Peter Kraus ins Studio gehen zu wollen.

Philosophische Abende ausgezeichnet

Ebenso eine Überraschung war Peter Leitzen mit seinen philosophischen Abenden, der sich immerhin gegen so starke Kontrahenten wie „Pottkinder“, „Ruhrorter“, Anja Lerchs Singabende und das Raumfahrtzentrum Saarner Kuppe und sieben andere Bewerber behaupten konnte. Eine Kostprobe seiner Reflexionen war ohnehin gebucht und so sprach er über den Satz, „Der Mensch ist ein Geschöpf, deshalb soll er schöpfend tätig sein.“ Seine Abende standen schon vor dem Aus, weil sein gewohnter Veranstaltungsort dicht gemacht hatte.

Da öffnete das Café Pottschwarz und bot Leitzen eine neue Heimat und einen lebendigen Treffunkt in Saarn an. Der Barista Oliver Kraus setzte sich selbst als Preisträger gegen 14 genussstarke Nominierte durch. Die weiteren Preisträger sind Alice Könitz, die Young Art Experts vom Kunstmuseum, das Tiergehege Witthausbusch und Papierwerk von Jutta Pfeiffer am Dickswall. „Alle Entscheidungen waren hauchdünn“, so Schmelzer. Niemand ging leer aus. Für alle gab es die stilisierte Ruhr in einer kleiner Schokoversion von Chocolatier Tobias Schulte (Chocolate Dreams).

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