Straßenbau

Sechs Monate Stillstand: Mülheimer Bake gibt Rätsel auf

Was es mit der Warnbake an der Körnerstraße 69 auf sich hat, sollten die Anwohner erst Monate später erfahren.

Foto: Oliver Müller

Was es mit der Warnbake an der Körnerstraße 69 auf sich hat, sollten die Anwohner erst Monate später erfahren. Foto: Oliver Müller

Mülheim.   An der Körnerstraße steht seit rund sechs Monaten eine Bake, ohne dass was passiert. 94 weitere gibt es in der Stadt. Hier lesen Sie, warum...

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Normalerweise kennt man so ein urplötzliches Auftauchen ja nur von fiesen Schmerzen oder Hautunreinheiten. Aber auch bei der Baustellenbake, die seit Monaten relativ ambitionslos auf dem Bordstein an der Körnerstraße auf Höhe der Hausnummer 69 zu stehen scheint, konnten sich die Anwohner des Eindruckes nicht erwehren, dass dieses Zeichen quasi über Nacht dort seinen Platz fand. Und ihn so schnell auch nicht mehr hergab.

Es war etwa Frühling, als das rot-weiße Warnschild unvermittelt auf den Bürgersteig und vor die gerade erblühende Hecke der Doppelhaushälfte gepflanzt wurde. Und anders als andere Baken, die ja als Vorboten - in manchen Fällen gar als Menetekel - einer umfassenden Baustelle ganze Bereiche im Vorfeld abstecken, sollte die einsame Bake an der Körnerstraße ein Bote ohne Botschaft bleiben. Jedenfalls zunächst. Es tat sich nämlich nichts. Dann wurde es Sommer. Und es tat sich, genau: nichts.

Was macht die Bake an der Körnerstraße?

Auch als die Tage wieder kürzer wurden und der Herbst Einzug hielt, stand die Bake immer noch, ohne auch nur eine Nachricht zu senden, was denn der Grund für ihr Erscheinen sein könnte. So sehr sich die Anwohner auch darüber freuten, dass anscheinend niemand die Absicht hatte, die Körnerstraße umzugraben, so sehr grübelten sie doch über den unbekannten Zweck des stillen Gastes, der noch immer eine nicht einmal einen Quadratmeter große Fläche des Bürgersteiges einnimmt.

Und jetzt kommt’s: Genau das ist der Zweck! Die Warnbake macht nichts anderes, als das, wozu sie kraft ihres Namens bestimmt ist: zu warnen! Vor Stolperfallen.

Die Bake stehe auf einer „Schadstelle“, sagt ein Mitarbeiter des Tiefbauamtes auf Nachfrage. So wie übrigens 94 weitere rot-weiße Warnzeichen, die im gesamten Stadtgebiet dafür sorgen, dass sich kein Passant urplötzlich auf dem Boden wiederfindet. Das Tiefbauamt entscheidet anhand einer Liste, welche dieser Schäden dringend behoben werden müssen. Und von wem. Nicht alle Reparaturen muss die Stadt tragen, in einigen Fällen sind es auch Anwohner oder Unternehmen.

5000 Schadstellen werden jedes Jahr gemeldet

Im Falle der Bake an der Körnerstraße ist es ein hochstehendes Ventil, das für ein ortsansässiges Versorgungsunternehmen den Zugang erleichtern soll. Den Schaden müsse in dem Fall die Stadt beheben, sagt der Tiefbauamtsmitarbeiter. Das Warnschild sei auch dort bereits am 27. April aufgestellt worden. Und dann? Sei es nicht direkt vergessen worden, aber doch auf der gesamten Liste etwas untergegangen. Und das hat laut Amt vor allem etwas mit der, nun ja, ziemlich ambitionierten Schadensmeldefrequenz der Mülheimer zu tun - ob es nun ein Straßenbegeher der Stadt, ein Bürger, Politiker oder die Polizei ist. „Jedes Jahr werden uns 5000 solcher Stellen gemeldet.“

Diese Stellen müsse man alle begutachten und danach entscheiden, ob eine Warnbake nötig sei oder nicht. Dass die Quote - lediglich 95 Baken bei 5000 gemeldeten Schäden - so dermaßen gering ist, hat aber nichts mit dem außergewöhnlich guten Zustand der Mülheimer Straßen zu tun. Vielmehr ist es Abwägungssache - und nicht zuletzt eine finanzielle Frage. So verzichte man auf Baken an Straßen, die ohnehin auf der Sanierungsliste stehen.

„Alles, was länger als drei Monate dauert, wird markiert“

Manche Straßen wiederum könne man momentan einfach nicht sanieren. Zum Beispiel die Hermannstraße in Broich. Durch den Allee-Charakter und die hochdrückenden Wurzeln der Bäume habe man dort alle zehn Meter einen unebenen Gehweg. Kostenpunkt pro Schadstelle: 800 bis 1000 Euro. Das könne sich die Stadt nicht leisten. Darum bleiben dort auch die Baken aus. Dafür stehen sie an anderer Stelle. Und manchmal länger als geplant. „Alles, was länger als drei Monate dauert, wird markiert“, sagt das Tiefbauamt. Normalerweise. Und auch im Fall der Bake an der Körnerstraße werde „jetzt kurzfristig etwas passieren“.

So stehen 95 Baken als stille Mahner allein an Mülheimer Straßen und auf Gehwegen, um die Passanten zu warnen: „Pssst, Gefahr!“

Und manchmal werden sie womöglich auch einfach vergessen...

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