Comedy

Ein virtuoses Spiel mit Vorurteilen bei Kulturgut

Foto: dpa

Mülheim.   Idil Baydar hat beim Stücke-Festival in Jelineks Königsweg mitgespielt. Im Ringlokschuppen präsentiert sie ihr Programm „Ghettolektuell“.

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Gerade wurde Idil Baydar mit ihrem neuen Programm „Ghettolektuell“ beim Kulturnews-Award auf den zweiten Platz der besten Aufführungen gewählt. Die in Celle geborene Tochter türkischer Einwanderer, die virtuos mit Klischees über Zuwanderung spielt, ist in der nächsten Woche im Ringlokschuppen zu erleben. Sie spielt die bekennende Bildungsverweigerin, tritt im Jogginganzug und Schlabberlook in schrillen Farben auf und macht dazu die wundersamsten Grimassen. Sie ist Bloggerin, Youtube-Queen und steht mit dem Deutschen Schauspielhaus aus Hamburg in der Regie von Falk Richter bei Elfriede Jelineks „Am Königsweg“ bei den Stücken als Jilet-Ayse auf der Bühne.

„Mich hat das sofort beeindruckt, wie intelligent und zwingend diese absichtsvoll trashige Kunstfigur aktuelle Debatten auf den Punkt bringt“, lobte Richter in Theater heute und zeigte sich von ihrer Schlagfertigkeit tief beeindruckt. In kunstvoll defizitärer Schrumpfsprache erklärt sie, den Duden unter den Arm geklemmt, „wie wenig sie vom Gymnasium, vom Feminismus und von linguistischen Überflüssigkeiten hält“.

Sozialarbeit mit Jugendlichen

2011 lud sie ihren ersten Video-Clip hoch, die bis zu 80.000 Clicks erzielen. Thilo Sarrazins Bestseller „Deutschland schafft sich ab“ spielte für ihren Start eine nicht unerhebliche Rolle. Sie steht in Berlin in der Bar jeder Vernunft und am Maxim-Gorki mit Orit Nahmias auf der Bühne und ist im Fernsehen präsent. Sie geht in Jugendzentren, um mit den Jugendlichen über das Leben zu sprechen. Bildung, Motivation und Persönlichkeitsstärkung sind ihre Themen.

Jobben im Dienstleistungsprekariat

Erlebt hat sie einiges. Die 43-Jährige wuchs bei ihrer alleinerziehenden Mutter, brach mit 16 die Schule ab, ging nach Berlin und war dann in über 70 Jobs im Dienstleistungsprekariat aktiv, putzte, kellnerte, jobbte in Spielotheken und nahm vollumfänglich die Gelegenheit wahr, sich „vieles, auch unfreiwillig, ganz nah angucken zu können“. Später holte sie ihr Abitur nach. Sie erfuhr erstmals im Leben, etwa bei der Arbeitsagentur, was es heißt, ein Migrantenkind zu sein. „Ich bin hier geboren, auf die Waldorfschule gegangen, komme raus - und bin Kanake.“ Seitdem macht sie, was sie gerne tut. Sie gibt Workshops und Hip-Hop-Kurse für Jugendliche und arbeitete als Integrationshelferin an Brennpunkt-Schulen. „Egal, was du machst, bleib nicht stehen. Entwickle dich weiter“, lautet ihre Devise. Termin: Donnerstag, 17. Januar, 20 Uhr, Ringlokschuppen Ticket: 24,50 Euro; www.idilbaydar,de

>>>>> Die nächsten Kulturgut-Termine<<<<<<

Best of Poetry Slam, Freitag, 18. Januar, Ringlokschuppen. Tickets: 13,50 /ermäßigt 10 Euro

Die Magier 2.0, Samstag, 19. Januar, Ringlokschuppen, Tickets 30 Euro

Torsten Sträter: Mittwoch, 23. Januar, Stadthalle; eventuell Restkarten

Night-Wash Live: Ringlokschuppen, Freitag, 25. Januar, Tickets: 21 Euro.

Kai Magnus Sting, Samstag, 26. Januar, Ringlokschuppen, 21 Euro. Beginn, jeweils 20 Uhr

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