Serie: Mein Jugendheim

Ein Mülheimer Treffpunkt ohne Hemmschwellen

Paulina, Dennis, Christian, Jasmin und Maike kickern im Jugendheim an der Landsberger Straße in Mülheim-Saarn.

Foto: Oliver Müller

Paulina, Dennis, Christian, Jasmin und Maike kickern im Jugendheim an der Landsberger Straße in Mülheim-Saarn. Foto: Oliver Müller

Mülheim.   Menschen mit und ohne Behinderung wirken an der Landsberger Straße zusammen. Dort begann vor über 30 Jahren die Inklusion.

Für die einen ist der Treffpunkt an der Landsberger Straße eine ganz normale Begegnungsstätte, in der sich Menschen ohne und mit Behinderung treffen. Ein Teil der Gemeinde St. Mariä Himmelfahrt – eben von Saarn. „Für mich ist es ein Generationenhaus“, sagt Hans-Theo Horn, ehemaliger Schuldezernent und Saarner, nicht ohne Stolz auf das Erreichte. Vor gut 32 Jahren entstand der integrative Treff als noch niemand von Inklusion sprach. Er hat sich inzwischen längst fest etabliert.

Ein Generationenhaus

Grund und Grundsteinleger dieser Begegnungsstätte war der Arbeitskreis Körperbehinderte, kurz AKKB, der sich 1972 gründete. Auch Horn gehörte dazu. „Wir zogen als Arbeitskreis (AK) von Gemeinde zu Gemeinde.“ Ein Ort für den AK und für Menschen mit und ohne Behinderung sollte geschaffen werden. Damals lebten einige Behinderte noch am Rand der Gesellschaft. „Die Euphorie unter den 16 Gemeinden für die Idee war anfänglich groß“. Am Ende nahm sich die Saarner Gemeinde St. Mariä Himmelfahrt als Träger der Herausforderung an, „auch aus Dank für die Sanierung des Klosters“, erzählt Horn. In wenigen Gemeinden bestanden auch Bedenken, die aber niemand laut äußerte.

Mit Unterstützung zunächst des Bistums sowie bis heute der Stadt und des Landes hat die Gemeinde Personal und ausreichend Fläche zur Verfügung gestellt. Das ehemalige Ludgerus-Heim an der Landsberger Straße wurde 1985 zum heutigen Treffpunkt so erweitert, dass er auf die Bedürfnisse der ganz unterschiedlichen Nutzer eingehen kann. Die Verwaltung und Büros der zwei Diplom-Sozialarbeiter Renate Schlieper (Leiterin) und Carsten Lewrick liegen im „alten“ Teil. Vom barrierefreien Eingang mit Theke kommt man in verschiedene Räume, wo die Besucher arbeiten, spielen, basteln und im Kaminzimmer mit echtem Kamin „chillen“ können. In der ersten Etage – mit dem Fahrstuhl erreichbar – sind Seminarräume, eine Küche und der große Saal.

Sponsoren werden gesucht

So treffen sich dort nicht nur die Mitglieder des AKKB und integrative Freizeitgruppen, sondern auch Chöre, Tanzgruppen, die „Saarner Wiesentreter“, und viele andere. „Der jüngste Mensch ist zehn Jahre, der älteste 87“, erklärt Horn – und darum eben ein Generationenhaus. Für Leiterin Schlieper, die seit 30 Jahren dabei ist, ist es gerade wichtig. Der Treffpunkt dient eben nicht allein den 90 Menschen mit Behinderung. „Dort wird gerade Fußball gespielt, daneben bastelt eine integrative Gruppe an einem Projekt. Beide Gruppen begegnen sich ganz natürlich, reden miteinander“, zeigt sie auf die große Wiese hinter dem Haus. Längst scheint dort völlig normal zu sein, was derzeit unter dem Begriff „Inklusion“ heftig diskutiert wird.

Ohne personelle und finanzielle Unterstützung, könnte der Treffpunkt dies nicht leisten, stellt Schlieper ebenfalls klar. „Menschen mit Behinderung brauchen Bedingungen, die auf sie eingehen, sonst können sie auch überfordert werden.“ 25 Honorarkräfte stehen dem Haus zur Verfügung.

Ganz normale Begegnungen

Sponsoren braucht die integrative Arbeit zusätzlich. Der Lions Club Mülheim/ Hellweg unterstützt den Treffpunkt seit vielen Jahren intensiv „finanziell, aber auch durch ganz persönliches Engagement – das ist uns wichtig“, sagt Hans-Theo Horn, der auch Lions-Mitglied ist. Für ihn hat das besondere Konzept den Weg für die Inklusion bereitet: „Der Treffpunkt hat dafür gesorgt, dass Bürger behinderten Menschen ganz normal begegnet sind. Und hier hat man erfahren, wie man ihnen helfen kann.“

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