Wanderung

Ein Mülheimer will Jakobsweg hin- und zurückwandern

Der Mülheimer Burkhard Schrempp möchte den Jakobsweg hin- und zurück wandern und sucht Mitstreiter dafür.

Der Mülheimer Burkhard Schrempp möchte den Jakobsweg hin- und zurück wandern und sucht Mitstreiter dafür.

Foto: Zoltan Leskovar

Mülheim.   Der Mülheimer Burkhard Schrempp will 2000 Kilometer Jakobsweg zweimal laufen. Nach harten Schicksalsschlägen hat er Lebensfreude zurückgewonnen.

Burkard Schrempp studiert die Landkarte. Sein Finger führt von Mülheim entlang über Frankreich nach Spanien, bis zur Westküste nach Santiago de Compostela. Es ist der Zielort des Jakobswegs. Den möchte der 58-Jährige in rund einem Monat laufen. Wenn es geht, nicht allein.

Der Frührentner lebt seit zwei Jahren in Mülheim, hat sich hier ein neues Leben aufgebaut. Denn sein altes wurde am 4. März 2006 zerstört. „Ich bekam auf der Arbeit einen Anruf, dass ich sofort ins Krankenhaus kommen sollte“, erinnert sich der gebürtige Badener. Seine Frau und seine zwei Kinder hatten einen schweren Verkehrsunfall. Frontalzusammenstoß. Nur seine Tochter überlebte, musste in den folgenden fünf Jahren 16 Operationen über sich ergehen lassen, die erste davon unmittelbar nach dem Unglück fast 24 Stunden lang.

Die Tochter hat er lange Zeit selbst gepflegt

Schrempp pflegte sie, heute führt sie selbstständig ihr Leben. Der Vater war verzweifelt. Das Schlimmste: der Unfallverursacher kam relativ glimpflich davon. „Da bekommt man Gedanken, was man mit ihm machen soll“, gibt Schrempp zu. Doch er hatte sich im Griff. Seine Freunde gaben ihm Unterstützung – sonst wäre er womöglich dem Alkohol verfallen. „Es ist schlimm, die Frau zu verlieren. Aber besonders schlimm ist es, mit dem Sohn das eigene Kind zu verlieren.“

Dann kam der sportliche Mann auf eine Idee: Er wollte wandern, das, was früher sonntags oft auf dem Programm stand. Es sollte eine lange Route sein. Und so legte er rund 1000 Kilometer von Lahr in Baden-Württemberg bis Niebüll in Schleswig-Holstein zurück. Dabei hatte er viel Zeit für sich, machte sich auch keinen Stress und schaffte es, die schrecklichen Erlebnisse zu verarbeiten. „Ich habe wieder Lust am Leben bekommen“, sagt er. Auf der Wanderung habe er viele schöne Momente erlebt, die ihn glücklich machten. „Ich habe tolle Leute kennengelernt, die hilfsbereit waren“, schwärmt er.

In einem kleinen Dorf durfte Schrempp auf einem Fußballplatz übernachten, bis der Vorsitzende ihn zu sich nach Hause einlud. An anderer Stelle wurde ihm ein neuer Wagen geschenkt, weil ihm der alte kaputt ging. Das schmeichelte ihm. Und Glück hatte er auch, als er am Rande einer Schießerei nicht getroffen wurde. Die Landschaft genoss er nahe Pirmasens besonders, als er an einer Felsformation vorbeikam, die wie große Pilze aussah.

Nun also soll es der Jakobsweg sein, die doppelte Distanz mit rund 2000 Kilometern. Ebenfalls hin und zurück. Dabei möchte der Wanderer das Hinterland von Frankreich kennenlernen und seine Leute. In Großstädten ist ihm zu viel Trubel. Er selbst stammt aus dem kleinen Dorf Schmieheim aus dem Ortenaukreis in Baden-Württemberg. Schrempp ist auch ein Abenteurer. Denn er kann weder Französisch, noch Spanisch. Zur Not kommuniziert er mit Händen und Füßen – oder finden jemanden, der mitlaufen möchte und sich besser verständigen kann. Seine neue Freundin schafft die Reise gesundheitlich nicht.

Nach seinen Schicksalsschlägen Gottvertrauen

„Es wäre schön, wenn ich nicht alleine laufen würde. Das würde ich zur Not aber machen“, sagt er. Angst habe er nicht, nach seinen Schicksalsschlägen hätte er nun Gottvertrauen. Wie auf seiner ersten langen Wanderung möchte er einen kleinen Wagen mitnehmen, um Kleidung und Proviant zu verstauen. Dazu etwas Geld, mit zehn Euro pro Tag möchte er auskommen. „Sechs Tage am Stück will ich bis zu 25 Kilometer wandern, am siebten Tag ruhen“, nimmt er sich vor. Über Aachen geht’s nach Frankreich, dort über das Hinterland zum Atlantik und bei Hendaye über die spanische Grenze, bis zum Zielort. Der Finger auf der Karte ist dort schon angekommen.

>>> KONTAKT ZUM WANDERER

Der Wanderer Burkhard Schrempp ruft alle auf, gemeinsam mit ihm den Jakobsweg zu wandern. Mindestens eine Begleitung wünscht er sich, es dürfen aber auch gerne mehr sein. Die Reise soll Mitte Juni starten. Sollte das nicht in den Zeitplan der Begleiter passen, kann der Termin auch zusammen abgestimmt werden.


Der Wanderer ist telefonisch erreichbar: 0178 / 8035319.

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