Menschen in Mülheim

Ein Augenblick voller Emotionen

Anke Wälischmiller präsentiert auf ihrem Laptop ihr Bild von den Winterspielen in Pyeongchang. Foto:Martin Möller

Anke Wälischmiller präsentiert auf ihrem Laptop ihr Bild von den Winterspielen in Pyeongchang. Foto:Martin Möller

Mülheim.   Anke Wälischmiller fotografiert die Eiskunstlauf-Olympiasieger Aljona Savchenko und Bruno Massot. Dritter Platz beim Sportfoto des Jahres.

Es ist die letzte Hebefigur. Der Abschluss einer perfekten Kür. Bruno Massot hebt Aljona Savchenko in die Höhe, und sie schlägt die Hände vors Gesicht – aus purer Freude. Es ist der Moment, als das deutsche Eiskunstlaufpaar bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang realisiert, dass sie soeben eine Medaille gewonnen haben. Am Ende wird es sogar Gold.

Diesen Augenblick voller Emotionen hat Anke Wälischmiller im vergangenen Februar, fast auf den Tag genau vor einem Jahr, festgehalten – und beim Sportfoto des Jahres, ein Wettbewerb des Verbandes Deutscher Sportjournalisten, in der Kategorie „Sport allgemein – Feature, Impressionen, Emotionen“ den dritten Preis erhalten. „Ich saß oberhalb der Kampfrichter, weshalb der Titel ihrer Kürmusik ‘La terre vue de ciel’ – ‘Die Erde von oben betrachtet’ – auch zu meiner Fotoperspektive passte. Nur mit dem Eis im Hintergrund, wirkt die Schlusspose der beiden besonders emotional. Sie wissen um ihren unglaublichen, perfekten Auftritt“, beschreibt die Mülheimerin diese Szene.

„Ich schätze es, dass ich bei den Spielen in Pyeongchang und auch bei der Kür von Aljona Savchenko und Bruno Massot dabei sein durfte“, sagt die Sportfotografin. Es stand nämlich auf der Kippe, ob Wälischmiller die Kür des deutschen Paares überhaupt noch fotografieren sollte. „Nach dem Pflichtprogramm lagen sie auf dem vierten Platz. Eine Goldmedaille war eigentlich nicht mehr drin. Da haben wir überlegt, die Kür nicht zu besetzen. Eiskunstlauf ist aber zu wichtig“, sagt sie. So gelang ihr schließlich doch das preisgekrönte Foto. Vom VDS gibt es für Platz drei 1000 Euro, von Aljona Savchenko flog Wälischmiller ein Herz-Emoji auf das Smartphone. „Als ich erfahren habe, dass ich mit diesem Bild gewonnen habe, habe ich es bei Instagram gepostet. Savchenko antwortete mit einem Herzchen.“

Mit drei Fotos von den Winterspielen teilgenommen

Mit drei Fotos von den Spielen in Südkorea hat Wälischmiller bei dem Wettbewerb teilgenommen. „Ich habe mich total gefreut. Und ich war überrascht, dass ich mit diesem Bild gewonnen habe“, sagt sie. Die anderen Bilder seien schöner gewesen, sagt sie. Etwa den Schlusssprint in der Nordischen Kombination, als Johannes Rydzek, Fabian Rießle und Eric Frenzel ein deutscher Dreifach-Triumph glückte. Oder aber den Jubel des deutschen Eishockeyteams nach dem sensationellen Halbfinalsieg über Kanada. Dieses Motiv wurde schließlich das Sportfoto des Jahres – fotografiert von Sascha Fromm (Thüringer Allgemeine). „Ich stand in der gleichen Ecke wie der Kollege, habe etwas anders fotografiert“, erinnert sie sich.

Die Sportfotografin, die gebürtig aus St. Georgen im Schwarzwald, in der Nähe von Villingen-Schwenningen, stammt, lebt seit 2000 im Ruhrgebiet. Erst in Essen, wo sie ihr Volontariat bei der Fotoagentur Sven Simon absolvierte, seit 14 Jahren dann in Broich. Die 43-Jährige ist in der Vergangenheit viel herumgekommen. Wenn sie nicht bei Olympischen Spielen ist – seit Athen 2004 hat sie nur die Sommerspiele in London wegen der Geburt ihres Sohnes verpasst – fotografiert sie oft in der Fußball-Bundesliga: Leverkusen, Mönchengladbach, Schalke. Die nächsten Olympischen Spiele in Tokio im kommenden Jahr hat sie natürlich auch wieder im Fokus.

>>> Kurioses Pferdefoto wird Sportfoto 2006

Bereits vor 13 Jahren glückte Anke Wälischmiller, damals hieß sie mit Nachnamen noch Fleig, eine eindrucksvolle Momentaufnahme – und gewann in jenem Jahr auch den VDS-Wettbewerb „Sportfoto des Jahres“. Auf ihrem Bild scheint das Pferd „Hidden Creek’s Perin“ auf dem Hindernis abgestellt und vergessen worden zu sein. Bruchteile einer Sekunde später fielen die Stangen unter dem Gewicht des Pferdes herunter. Das Pferd blieb ebenso unverletzt wie die Reiterin.

Anke Wälischmiller, die schon damals in den Fußballstadien des Reviers nahezu jedes Wochenende in Aktion war, verschlug es im Mai 2006 ausnahmsweise nicht zu den Fußballern, sondern zu einer der weltweit angesehensten und traditionsreichsten Prüfungen für Springreiter: dem Großen Preis von Aachen (CHIO).

Was für ein ungewöhnliches Foto Anke Wälischmiller gelungen ist, erkannte sie damals allerdings erst auf den zweiten Blick. „Im ersten Moment habe ich auf dem Display meiner Kamera gar nicht gesehen, wie außergewöhnlich das Bild ist. Das habe ich erst bei der Nachbearbeitung am Büro-PC erkannt. Und all meine Kollegen haben sofort gesagt, dass ich damit bestimmt einen Preis gewinnen würde“, sagte die Sportfotografin vor zwölf Jahren im Gespräch mit dieser Zeitung.

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