Menschen machen’s möglich

Ehrenamt: Kurkonzerte in „Bad Mülheim“ gegen Sonntagsblues

Britta Stalleicken (Mitte) hat die Kurkonzerte ins Leben gerufen, unterstützt von Steffanie Baumann (links), und Christine Adam-Bergers.

Britta Stalleicken (Mitte) hat die Kurkonzerte ins Leben gerufen, unterstützt von Steffanie Baumann (links), und Christine Adam-Bergers.

Foto: Foto: DANIEL ELKE / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Seit Jahren organisieren Ehrenamtliche die Kurkonzerte an der Freilichtbühne in Mülheim. Sie sind bei „Menschen machen’s möglich“ nominiert.

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Die Idee ist auf Sylt geboren worden, genauer an der Musikmuschel in Westerland. Für Britta Stalleicken als Kind eher langweilig, waren die Kurkonzerte auf der Nordseeinsel für ihre Eltern immer etwas Besonderes. Dass man bei einem Kurzkonzert so viel Glück empfinden kann, hat sie bewegt.

Und als sie viele Jahre später mit einem Seniorenkurs der VHS zu Besuch bei den Reglern an der Freilichtbühne war, und die sich einen Kulturtreffpunkt mit Livemusik wünschten, holte sie diese familiäre Kulturveranstaltung vor fast zehn Jahren nach „Bad Mülheim“. Nun ist die von Ehrenamtlichen organisierte Aktion für „Menschen machen’s möglich“ nominiert.

Mülheimer Kurkonzerte nur im Regen in den ersten Jahren

Anfangs noch skeptisch, waren ihre drei Freundinnen Christine Adam-Bergers, Michaela Reich-Sroka und Steffanie Baumann doch bald dabei. „Ihr seid doch richtig gut in sowas“, motivierte sie Britta Stalleicken. Die vier Frauen begannen, Bands zu organisieren, und vor allem: Kuchen zu backen. Mittlerweile bekommen sie Rezepte zugesteckt, lassen die Nachbarschaft neue Kreationen testen.

„In den ersten drei Jahren hat es jeden Sonntag geregnet“, erinnert sich Britta Stalleicken. „Wenn 70 Leute kamen, war es gut.“ „Stalleicken-Wetter“ wurde zum geflügelten Begriff. Irgendwann sei das besser geworden mit dem Wetter und heute kommen bis zu 400 Gäste zu den Kurkonzert-Sonntagen an die Freilichtbühne, wenn der Shanty-Chor singt oder eine regionale Band Jazz oder 50er-Jahre-Pop spielt.

Drei Generationen kommen zu den Kurkonzerten

„Anfangs waren es eher Ältere, die kamen“, sagt Christine Adam-Bergers. „Was uns besonders freut, ist, dass jetzt ganze Familien kommen.“ Drei Generationen seien manchmal vor Ort. Damals, als es ständig regnete, hätte es auch schief gehen können, wenn sich zu viele vom Wetter hätten abschrecken lassen. Doch auch heute sei es noch so: „Auch wenn es mal etwas kühler ist, wenn es nieselt: Die Leute kommen trotzdem.“

Die erste Idee der Senioren damals beim VHS-Kurs habe sich bewahrheitet, sagt Britta Stalleicken: „Der Bedarf ist da.“ Mittlerweile schreibt sie bewusst Senioreneinrichtungen an, zuletzt war eine Demenzgruppe aus von der Theodor-Fliedner-Stiftung da. Die bekommt dann auch den Kuchen ermäßigt, eine Thermoskanne voller Kaffee kostenlos auf den Tisch gestellt. Ansonsten werden Kaffee und Kuchen zum Selbstkostenpreis serviert.

Männer und Söhne haben sich den Ehrenamtlichen angeschlossen

20 Kuchen backen die vier Frauen für die vier Sonntage im Jahr – das nächste Mal am 1. September. Die Ehemänner und Söhne helfen nun auch mit, grillen Bio-Würstchen und bedienen die Gäste „total charmant“. „Wir haben mal überlegt, ob wir uns weitere Unterstützung holen“, sagt Britta Stalleicken. „Aber so ist es noch familiär, wenn es zu groß wird, wird es auch anonymer.“ Und Christine Adam-Bergers fügt hinzu: „Das Team ist gut, wir bleiben in dem Format.“

Auch wenn es oft viel Arbeit ist – allein das Spülen der Teller und des Bestecks bei so vielen Gästen – die Frauen bleiben dabei mit Herzblut. Wenn sich die Besucher freuen über die leckeren Kuchen, wenn sie mitsingen beim Shanty-Chor: „Diese guten Momente sind unser Lohn.“

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