SPD-Bewerbertour

Duo will mit der SPD die Kommunalwahl in Mülheim gewinnen

Erste Vorstellungsrunde von Rodion Bakum (28) und Sina Breitenbruch-Tiedtke (35). Sie stellten sich im Jugendzentrum Nord den rund 25 SPD-Mitgliedern. Beide bewerben sich um den Vorsitz des Mülheimer Unterbezirks. Die Fragen konnten die Besucher auf roten Karten notieren.

Erste Vorstellungsrunde von Rodion Bakum (28) und Sina Breitenbruch-Tiedtke (35). Sie stellten sich im Jugendzentrum Nord den rund 25 SPD-Mitgliedern. Beide bewerben sich um den Vorsitz des Mülheimer Unterbezirks. Die Fragen konnten die Besucher auf roten Karten notieren.

Foto: Martin Möller / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Rodion Bakum und Sina Breitenbruch-Tiedtke bewerben sich um Mülheims SPD-Vorsitz. In einer ersten Rund stellten sie sich den Mitgliederfragen.

Eine deutliche Verjüngung der Mülheimer SPD-Spitze streben Sina Breitenbruch-Tiedtke und Rodion Bakum an. Die 35-Jährige und der 28-Jährige bewerben sich um dem Vorsitz der Partei. Und hätte die Partei auf Bundesebene schon ihre Satzung geändert, würden sie an der Ruhr sofort eine Doppelspitze formieren. „Aber diesen Beschluss fasst der Bundesparteitag erst nach unseren gesetzten Terminen. Wir waren da zu schnell“, sagte Arno Klare.

Der Bundestagsabgeordnete moderierte den ersten Abend, an dem sich die Bewerber um den Unterbezirksvorsitz den Genossinnen und Genossen vorstellten, im Jugendzentrum Nord an der Boverstraße. Beide blickten optimistisch in die Zukunft. Es war ein faires, in manchen Passagen differenziertes Ringen um die Zustimmung der Parteimitglieder.

Stimmenverlust stoppen und neue Wähler gewinnen

Sina Breitenbruch-Tiedtke und Rodion Bakum sind sich darüber bewusst, dass sie den Stimmenverlust der SPD stoppen und neue Wähler gewinnen müssen. Vor allen die Menschen zwischen 20 und 50 wollen sie motivieren. Breitenbruch-Tiedtke setzt dabei verstärkt auf Familienfreundlichkeit, während Bakum bei anderen Parteien Menschen zurückgewinnen will, „die wir nach dort verloren haben“.

Für beide ist dabei die Aktivierung der Ortsvereine vorrangig. Dort seien die Parteifreunde beheimatet, die noch den kurzen Draht in die Nachbarschaft hätten. Aber die SPD müsse auch neue Wege in den elektronischen Medien öffnen. Welche Kanäle das sein sollen, müsse schnell geregelt werden. Von der AfD grenzten sich beide klar ab. „Diese säht Hass in die Gesellschaft. Wir müssen die besseren Lösungen für die Menschen anbieten.“

Über schlagfertige Aktionen mit anderen reden

Wie diese Lösungen aussehen können, zeigten Bakum und Breitenbruch-Tiedtke am Beispiel des anstehenden Drachenbootrennens auf: „Wir müssen mit gemeinsamen Aktivitäten dagegenhalten“, bat Breitenbruch-Tiedtke um Unterstützung. „Für jede Sekunde, die die AFD schneller ist als andere, spende ich für die Awo-Flüchtlingshilfe“, sagte Bakum. „Über weitere schlagfertige Aktionen müssen wir mit den anderen Partein reden.“

„Wie steht ihr zur Zukunft der VHS?“, wollte eine Teilnehmerin wissen. „Beim Bürgerentscheid empfehlen Beide, mit Nein zu stimmen. Das Gebäude soll aber für eine öffentliche Nutzung hergerichtet werden.“ Start-Ups in Zusammenarbeit mit der Hochschule Ruhr-West, ein Bürgerbegegnungszentrum für kulturelle Bildung – das müsse die Stadtentwicklungsgesellschaft vorantreiben, die beide fordern, die es aber noch nicht gibt.

Mehr Zusammenarbeit von Parteispitze und Ratsfraktion

Bei der Großen Koalition sähe Sina Breitenbruch-Tiedtke lieber einen Ausstieg, weil sich ausschließlich die CDU mit den Erfolgen schmücke, „die auch wir mit angeschoben haben“. Bakum plädierte dafür, „die bestehenden Verträge einzuhalten“ und sozialdemokratische Kernthemen besser darzustellen.

Die Zusammenarbeit von Parteispitze und Ratsfraktion müsse intensiver werden, waren sich beide Kandidaten einig. Verjünge sich der Parteivorstand, müsse auch die Fraktion mitziehen, warb Breitenbruch-Tiedtke um Erneuerung. „Jeder muss für sich entscheiden, ob er sein Amt niederlegen möchte“, antwortete Bakum. Beide haben als Ziel, die Kommunalwahl im Herbst 2020 zu gewinnen. „Auch wenn das schwer wird. Wir müssen uns gemeinsam dafür anstrengen.“

Wie kann man spalten und danach wieder einen?

Dass die SPD aus zwei Lagern besteht, wurde deutlich, als Hannelore Kraft (MdL) Rodion Baum fragte, warum er erst an der Spaltung mitgewirkt habe und wie er die Mülheimer SPD nun wieder einen wolle? Jeder in der Partei habe eine Haltung und eine Meinung zu den Vorfällen rund um den Oberbürgermeister. „Wir müssen nun klären, wie gehen wir damit um? Was haben wir falsch gemacht? Was können wir besser machen? Wir müssen, wie bei Firmen, an klares Anforderungsprofil an die Führungskräfte stellen.“ Das könne helfen, Enttäuschungen zu vermeiden.

Warum er die guten Vorschläge zur Verbesserung der Parteiarbeit, die er angekündigt habe, nicht schon früher in der SPD verbreitet habe, hakte Kraft nach. „Ich werden in den nächsten Tagen meine Ideen in mehreren Ortsvereinsrunden vorstellen“, antwortete Bakum. Sina Breitenbruch-Tiedtke erhielt keine speziellen Einzelfragen.

Familienfreundlicher und transparenter werden

Beide Bewerber um den SPD-Vorsitz stehen für erneuerbare Energien und familienfreundliches Wohnen in einem lebenswerten Umfeld. Dazu gehöre auch ein Sanierungsprogramm für Gebäude. Es müsse auch mehr Angebote in der Stadt geben, die die Menschen mitnehmen. Gleiches gelte für die SPD: Sie müsse sich öffnen, ihren Gestaltungswillen in der Bevölkerung transparenter machen, die Bürger für neue Ziele begeistern.

„Wir müssen mit Leidenschaft und Moral sowie einem besseren Zusammenwirken die SPD stärken. Dafür müssen wir jetzt alle Kräfte bündeln und motivieren“, forderte Sina Breitenbruch-Tiedtke. „Zur Zeit sind wir gelähmt. Darum müssen wir uns für die SPD den Hintern aufreißen, damit wir in dieser Stadt wieder zu einer gestaltenden Kraft werden“, warb Rodion Bakum um „eure Hilfe“.

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