29. Februar

Dreimal Geburtstag am Schalttag: Mülheimer Mias werden acht

Mia Hagenacker, Mia Suhre und Mia Brockauf (v.l.) wurden am 29. Februar 2012, also dem Schalttag vor acht Jahren, im Evangelischen Krankenhaus Mülheim geboren. Die Redaktion berichtet alle vier Jahre, wie es ihnen ergeht.

Mia Hagenacker, Mia Suhre und Mia Brockauf (v.l.) wurden am 29. Februar 2012, also dem Schalttag vor acht Jahren, im Evangelischen Krankenhaus Mülheim geboren. Die Redaktion berichtet alle vier Jahre, wie es ihnen ergeht.

Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Mia Suhre, Mia Brockhoff und Mia Hagenacker sind Mülheimer Schalttagskinder, Jahrgang 2012. Alle vier Jahre erzählen sie von ihrem tollen Leben.

Gibbel-Alarm in der Redaktion! Die Mias sind zurück! Drei Mädchen, wild und wunderbar, die viel mehr miteinander verbindet als ihr Vorname. Alle drei haben am Schalttag Geburtstag, werden am Samstag acht Jahre alt. Alle drei sind am 29. Februar 2012 im Evangelischen Krankenhaus Mülheim auf die Welt gekommen, und schon vor vier Jahren haben sie der Zeitung ihre Geschichte erzählt. Damals allerdings mussten die Mamas und Papas noch Unterstützung leisten – nun machen die patenten Mädchen den Job fast allein.

Es ist bemerkenswert, wie ähnlich sich die drei entwickelt haben. Zu fröhlichen, selbstbewussten Kindern, die eine herrliche Balance finden zwischen lieb sein und – ab und ab – ein wenig frech sein. Auch äußerlich ähneln sie sich: Die Mädchen sind alle rund 1,30 Meter groß, haben lange, dunkelblonde Haare und blaue Augen. Es ist eine Wonne, das Trio zu interviewen.

Mia Hagenacker schwärmt vom Tanzen

Anfangs sind die gebürtigen Mülheimerinnen noch zurückhaltend, doch schnell erobern sie sich das Terrain. Mia Elen Hagenacker gefällt es, Menschen zu erzählen, dass sie ja eigentlich erst zwei wird an diesem Samstag; „aber dann gehe ich nochmal hin und sage, ätsch, ich bin ja doch schon acht“.

Sie tanzt, schwärmt von ihrer Tanzschule in Essen-Werden, wo es viel um Improvisation geht. „Beim Elfentanz zum Beispiel bewegen wir uns frei zur Klaviermusik. Und wer die schönste Verbeugung macht, darf sie den anderen Kindern vorführen.“ Mit Verbeugung ist in diesem Fall kein klassischer Diener gemeint, sondern die Pose am Schluss des Tanzes. Mia springt vom Stuhl, sitzt im Nu fast im Spagat auf dem Boden und zeigt, wie eine solche aussehen kann.

Ein Schalttagskind zu sein, das sei etwas besonderes

Musik macht auch Mia Brockauf glücklich. Ukulele hat sie „als kleines Kind“ gespielt, „aber jetzt schon lang Gitarre“. Dass ihre Freundin weggezogen ist, mit der sie gemeinsam in der Alstadener Musikschule Unterricht hatte, sei traurig, aber wiederum auch „gar nicht so schlimm“, erzählt sie. Ein Schalttagskind zu sein, das sei etwas besonderes, „und dann heißen wir ja auch noch alle gleich“…

In der Tat. Fragt man Mia drei – im wahren Leben Mia Marie Suhre – nach ihren Hobbys, geht’s schnell um Goldi, ihr Lieblingspferd am Stall in Oberhausen. „Am liebsten reite ich Trab“, erzählt die Reitschülerin. Und, wie schon vor vier Jahren, ist der Gardetanz ein Steckenpferd. Vor einer Woche ist Mia, verkleidet als Schornsteinfeger, mit anderen Jungen und Mädchen auf einem Wagen der KG Weiss-Grün Hoag auf dem Osterfelder Karnevalszug mitgefahren, hat eifrig Kamelle geworfen. „Wenn sie das Gardekostüm trägt und tanzt, dann ist sie stolz; das war immer ihr großer Traum“, erzählt Mutter Jessica Suhre.

Wenn die Eltern zum Interview etwas beitragen, kassieren sie manch kecken Spruch von ihren Mias. Das war 2016 längst noch nicht so. Jessica Suhre etwa wird aufgezogen, weil sie’s mit Pferden nicht so hat: „Das ist ja nur, weil du mal runtergefallen bist“, sagt die Tochter und grinst breit. Dann verrät sie gleich noch, dass „Papa besser kochen“ kann. Kleine Breitseiten, Neckereien, die die Eltern gut verpacken, denn sie zeigen ja auch: Die Mädchen haben sich prima gemacht, sie entwickeln eine eigene Meinung, trauen sich, sie auszusprechen, sind keine Duckmäuser.

So langsam geht es los mit den Noten

Mia Suhre geht mittlerweile in die zweite Klasse der Luisenschule in Oberhausen-Styrum, kurz hinter der Stadtgrenze, Mia Brockauf auf die Schildbergschule in Mülheim-Dümpten und Mia Hagenacker auf die Hölterschule in Mülheim-Holthausen. So langsam geht es los mit den Noten, fröhlich plappern die Schülerinnen und berichten von ersten Erfolgen, von lustigen Pausenspielen, aber auch von langweiligen Schulstunden und Mädchen, die versuchen, andere auf dem Schulhof auszuspionieren.

Mia Hagenacker übernimmt häufig den Tafeldienst, meldet sich freiwillig zum Fegen des Klassenzimmers. „Sie ist fürsorglich“, sagt ihre Mutter, Nicola Hagenacker. Das sieht die Lehrerin offenbar ähnlich, „sie hat schon mal gesagt, ,eigentlich kann ich auch aus der Klasse gehen, die Mia macht das schon…‘“ Ihre Tochter habe oft tolle Ideen, könne andere gut zum Spielen motivieren, doch es gebe auch eine Kehrseite. „Mia kann sehr bestimmend sein, sie will sich unbedingt durchsetzen.“

Selbstständig, willensstark – und manchmal starrköpfig

Dass sich das Mädchen nichts vormachen lässt, willensstark ist, kann aber auch von Vorteil sein. Einmal habe sie allein mit einer Freundin Eis im Supermarkt gekauft und die Kassiererin habe zu viel abgerechnet. „Da sind wir zusammen noch mal hingegangen und sie hat es erzählt.“ Zur Belohnung für den Mut gab’s vom Personal ein Eis extra.

Mia Brockaufs Mutter, Angela Rillo, mag es nicht, wenn ihr Kind mal „zickig“ ist, „weil es nicht so läuft, wie sie will, oder weil sie das Tablet nicht haben darf“. Das Wort „starrköpfig“ fällt, „das hat sie wohl vom Opa“.

Abgesehen davon aber ist Mia ein „sehr liebes, unkompliziertes Kind, auf das ich mich absolut verlassen kann“. Sie sei selbstständig, laufe ohne Erwachsene und mit fünf anderen Mädchen zur Schule oder auch mal allein mit einer Freundin zum Jugendheim, achte dabei gut auf den Verkehr. Einmal, in einer brenzligen Situation am Zebrastreifen, habe sie „die Freundin zurückgezogen“ auf den Bürgersteig. An richtig guten Tagen passiert es, „dass wir morgens aufstehen und sie schon einen Obstsalat gemacht hat“. Mia liebt auch Schokokuchen. Und noch etwas sei wunderbar an ihr; sie kümmere sich liebevoll um ihren erst dreijährigen Cousin, erzählt Angela Rillo.

Was die Lehrerin sagt, ist Gesetz

Selbstständigkeit ist laut der Eltern auch ein Vorzug von Mia Suhre, und auch sie findet Kochen und Backen toll. Ihre Tochter sei darüber hinaus „ordentlich, manchmal geradezu perfektionistisch“, so Jessica Suhre. „Sie hat schon Löcher in ein Blatt radiert, nur weil ein Buchstabe nicht genauso aussah wie auf der Vorlage.“ Ihrer Lehrerin gegenüber sei sie absolut loyal, erzählt Vater Marc-Daniel Suhre. „Wenn die was sagt, ist das Gesetz.“

Die Tochter sei kreativ, bastele gern, werfe nichts weg, verwende alles weiter. „Da werden Q-Tipps zu Zuckerwatte für Playmobil-Männchen.“ Ihr Ordnungssinn aber sei bisweilen gewöhnungsbedürftig. Auf einem rund drei Quadratmeter großen Kunstrasen-Teppich hätten Pferdchen und andere Tiere einen festen Platz, dürften keinen Millimeter verrückt werden, auch nicht zum Staubsaugen. Das Kinderzimmer sei stets vollgepackt, „ich kriege jedes Mal einen Herzschlag, weiß kaum, wo ich hintreten soll“, so Jessica Suhre.

Die drei Mias verstehen sich perfekt

Genug der trockenen Analyse. Die Mias, die sich eben noch über Kamelle vom Karnevalszug hergemacht haben, hält nichts mehr auf den Sitzen. Sie drehen spontan auf, stehen im Kreis, gibbeln, singen und machen Klatschspiele: „Ich kenne eine Frau, die hat Augen aus Kakao, Beine aus ner Leberwurst, das weiß ich ganz genau…“ Wortführerin, so bemerkt Nicola Hagenacker, sei natürlich ihre Mia. Doch das macht nichts aus in diesem fröhlichen Kreis, im Gegenteil. Auch wenn sich die Kinder lang nicht gesehen haben – sie verstehen sich perfekt!

Was sie sich für die nächsten vier Jahre wünschen? „Gute Freunde, viel Spaß in der Schule und viel Unterricht“, sagt Mia Brockauf. Und Mia Hagenacker: „Ich möchte ein Haustier haben, aber meine Tante ist allergisch gegen Katzen. Jetzt wünsche ich mir Fische.“ Mia Suhre hofft auf „Prinz, ein richtig cooles Pferd“. Der habe letztens erst „echt wilde Bocksprünge“ gemacht.

Zum Schluss geht es noch um ein heikles Thema

Zum Schluss, als eigentlich schon alles aus den Dreien herausgeblubbert ist, geht es noch um ein heikles Thema. Ums Verliebtsein. Die Mias gibbeln wieder. Und zwei haben tatsächlich Brisantes zu berichten, die Reporterin schreibt eifrig mit. Einem Mädchen ist die Sache dabei so peinlich, dass sie mit einem „Tschüüüüüß“ unterm Tisch verschwindet. Das Kichern ist groß, doch letztlich flüstern sie den Mamis ins Ohr, dass die Sache mit den Jungs besser geheim bleiben soll. Diese Sache mit den Jungs, so seid gewiss, ihr lieben Mias, wird bei eurem nächsten Besuch in der Redaktion – zum Schalttag 2024 – schon eine ganz andere Rolle spielen…

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