Extraschicht

Drei Stationen für die Extraschicht in Mülheim

Die Alte Dreherei  war im vergangenen Jahr erstmals bei der Extraschicht dabei. Mülheim

Die Alte Dreherei war im vergangenen Jahr erstmals bei der Extraschicht dabei. Mülheim

Foto: Foto: Martin Menke

Mülheim.   Zur Extraschicht bietet Mülheim an drei Orten ein pralles Programm. An der Stadthalle lautet das Oberthema Ruhr-Venedig, Gondoliere inklusive.

Mit drei Spielstätten und einem prallen Programm wartet Mülheim am 29. Juni bei der Extraschicht auf. Prinzip dieses ruhrgebietsweiten Events, an dem sich 24 Städte mit 50 Spielorten beteiligen, ist es: den Blick hinter die Kulissen sowie in Vergangenheit und Zukunft dieses prägenden Ortes zu richten und mit etwas Kuriosem oder Ungewöhnlichem für einen staunenden Extraschicht-Moment zu sorgen.

Erstmals dabei ist in diesem Jahr unter dem Motto „Ruhr-Venedig“ die Stadthalle, in der Besucher auch bei Führungen einen Blick hinter die Kulissen werfen können. Ohne Gondeln geht das freilich nicht. Ein Gondoliere wird abends auf der Ruhr Paare in dem romantischen Boot über den Fluss bringen.

Gondeln mit Pralinen an Bord

Wer die süßen Seiten der Ruhr genießen möchte, dürfte bei dem Speldorfer Chocolatier Tobias Schulte, der seine Pralinen im venezianischen Stil in Schoko-Gondeln anbieten möchte.

Die Mülheimer Violinistin Zsuzsa Debre, die im vergangenen Jahr am Stadthafen mit Händels „Wassermusik“ für Furore sorgte, präsentiert mit ihrem elfköpfigen Klangwelten-Ensemble zwei herausragende Kompositionen: Gustav Mahlers „Lied der Erde“ und Wagners „Siegfried Idyll“. Venedig ist der Todesort Richard Wagners war Venedig. Die Komposition, die Motive aus dem Ring aufgreift, hat Wagner 1870 für seine Frau Cosima und die Geburt ihres ersten Sohnes geschrieben. Das für großes Orchester geplante, rund 20 Minuten lange Werk wurde in kleiner kammermusikalischer Besetzung im Treppenhaus des Landhauses der Familie uraufgeführt. Für diese Besetzung hat auch Arnold Schönberg eine Version von Mahlers Lied der Erde geschrieben. Debre, die zuletzt einen Leerstand in der Innenstadt eine Woche lang mit Kultur füllte, arbeitet mit international ausgezeichneten Musikern und Sängern. Solisten sind der aus Schweden stammende Bariton Gabriel Suovanen und Alex Kim aus Korea, die Leitung hat Erki Pehk, Träger des estnischen Staatspreises. Das Ensemble tritt an dem Abend drei Mal unter freiem Himmel auf.

Rudelsingen mit Anja Lerch

Wer selbst Musik machen will, kann bei Anja Lerch einstimmen, die mit ihren Singabenden stets große Resonanz hat. Im Caruso lesen Hubertus A. Janssen und Jens Dirksen aus ihrem Programm „Kohle, Kappes und Koniferen.“ Wem es bei all dem langweilig werde sollte, dürfte Aufmunterung durch Armando & Giovanni die beiden Gondoliere erfahren, die an Land einigen Schabernack mit den Gästen treiben.

Die „Alte Dreherei“, die im vergangenen Jahr regelrecht überlaufen wurde und seit einigen Tagen von Radlern auf dem Radschnellweg entdeckt wird, ist zum zweiten Mal dabei. Hier wird die Künstlergruppe AnDer, die gerade an der Zeppelinhalle einen großen Ausstellungserfolg feierte, einige großformatige Werke in das Holzständerwerk hängen und für begeisterte Blicke sorgen. „Alles in Bewegung“ lautet das Motto der Ausstellung der achtköpfigen Gruppe um Ursula Vehar, Uwe-Dieter Bleil und Heiner Schmitz. Mario und Nette verzaubern wieder ihre Gäste und Führungen und Informationen zum Eisenbahnausbesserungswerk gibt es obendrein. Sie haben schon einmal, als die Sanierung der 1874 errichteten Halle noch ganz am Anfang stand, hier ausgestellt. Das Eisenbahnmodell der Ruhrtalbahn kann ebenso bestaunt werden wie die Traktoren- und Walzenparade, die sich tuckernd mehrfach in der Nacht in Bewegung setzt.

Japanische Zeremonie in der Kapelle

Von Beginn an dabei, also im 19. Jahr, ist das Aquarius Wassermuseums. Es ist ein Ort der Ruhe, an dem Besucher bei einer Tasse Tee zur Ruhe kommen können. Wie facettenreich der Tee und seine Zubereitung ist, wird in fünf Zelten demonstriert. Präsentiert wird dort sowohl die Zubereitung der Weltmeister aus Ostfriesland (sie trinken 300 Liter pro Jahr), der Briten als auch der Araber und Chinesen. Am interessantesten ist die stark ritualisierte japanische Tee-Zeremonie, die eng mit dem Zen-Budismus verknüpft ist. Teemeister Sôtai Knipphals präsentiert den „Chado“ passend in der Kapelle.

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