Menschen in Mülheim

Die thailändischen Kinder lieben ihre „teacher Liv“

Die Kinder hängen an Liv Prumbaum aus Mülheim, die für sieben Monate in einem Kindergarten in der thailändischen Provinz mitarbeitet.

Die Kinder hängen an Liv Prumbaum aus Mülheim, die für sieben Monate in einem Kindergarten in der thailändischen Provinz mitarbeitet.

Mülheim.   20-Jährige Mülheimerin arbeitet für sieben Monate in einem Kindergarten in Sangkhla Buri mit. Das Leben ist einfach, die Menschen sind nett.

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Ihr Zimmer in einer kleinen Schule in Sangkhla Buri muss Liv Prumbaum mit ein paar putzigen Tierchen teilen. „Eine Gecko-Familie wohnt mit bei mir“, erzählt sie lachend. Nicht so schön war es dagegen, als kürzlich mal ein Skorpion vorbeischaute, und auch richtig große Spinnen gibt es im Nordwesten von Thailand. Die 20-Jährige aus Mülheim schwärmt dennoch kräftig von ihrem Zuhause auf Zeit. Sie arbeitet hier für sieben Monate in einem Kindergarten bzw. einer Schule für verwaiste und benachteiligte Kinder mit.

In das kleine Bergdorf an der Grenze zu Myanmar (Burma) reiste Liv, die 2016 ihr Abi an der Gustav-Heinemann-Gesamtschule gemacht hat, auf Empfehlung ihrer früheren Deutschlehrerin Nadine Dziobeck. Diese pflegt Kontakte zu der Stiftung, die die Schule und den Kindergarten in Sangkhla Buri betreibt. „Meine Aufgabe hier ist es, die Kindergartenkinder mit zu betreuen und ihnen ein bisschen Englisch beizubringen“, berichtet die junge Freiwillige – per Skype. Denn ein Tablet und ihr Handy hat sie natürlich mitgenommen in diese abgelegenen, sehr grüne Gegend, in der häufig der Strom ausfällt und auch sonst vieles ganz anders ist als in Deutschland.

Das fängt schon mit dem Wetter an: „Momentan haben wir hier 40 Grad, im Winter sind es aber nicht viel weniger – so 30 Grad“, sagt Liv. Fast einen Hitzeschock bekommen habe sie daher, als sie zu Beginn ihres Aufenthaltes aus dem Flugzeug stieg. Von PrumbaumBangkok aus fuhr sie per Mini-Bus sechs Stunden lang Richtung Nordwesten, die letzten zwei Stunden ging es nur noch durch den Wald. „Den zweiten Schock habe ich dann bekommen, als ich mein Zimmer hier sah. Da lag einfach nur eine Matratze mit einem Moskitonetz auf dem Boden. Im Bad ist zwar eine Toilette, aber gespült wird mit einem Eimer Wasser, und ein Waschbecken oder eine Dusche gibt es nicht, nur einen Schlauch, aus dem kaltes Wasser kommt“, so die Deutsche.

Interessante Spielsachen aus Deutschland

Doch das Unbehagen verging schnell, weil sie so herzlich von den Kindern, Lehrerinnen und Erzieherinnen aufgenommen wurde. Die Kindergartenkinder (2½ bis 4 Jahre) wuselten ständig um sie herum. „Diese Kinder brauchen viel Liebe, viele haben ja keine Familie mehr“, hat Liv festgestellt, ganz besonders kümmerte sie sich um einen Jungen mit autistischen Zügen. „Ich habe aus Deutschland auch interessante Spielsachen wie Jongliertücher oder ein Schwungtuch mitgebracht. Darüber haben sich die Kleinen unglaublich gefreut.“ Schwierig sei es anfangs nur gewesen, sich die komplizierten Namen zu merken. Die Knirpse in den roten Uniform-Kleidchen hatten kein Problem: Sie sprachen die Gastkindergärtnerin schon nach kurzer Zeit mit „teacher Liv“ an.

Bei der Hitze, nach einem 7- bis 8-Stunden-Tag war die Helferin aus Mülheim „erstmal platt“. „Ab und zu gehe ich aber in der nahegelegenen Talsperre schwimmen, ich habe auch angefangen, die Kampfsportart Moj Thai zu erlernen“, berichtet sie. In der Freizeit schaut sie sich auch die Umgebung an und besichtigt Tempelanlagen. Kein Problem sei es für sie als junge Frau, sich alleine im Dorf zu bewegen oder auch alleine essen zu gehen (für umgerechnet 80 Cent, meist scharfe Speisen). „Die Leute sind nett, Respekt habe ich nur vor den vielen wilden Hunden, die hier rumlaufen“, sagt sie.

Auch an Feiertagen war und ist sie meist nicht allein, die Lehrerinnen aus der Schule laden sie zu sich nach Hause oder zu gemeinsamen Festen ein. „Die Menschen hier lieben es, Karaoke zu singen“, erzählt sie. Schwer waren nur die paar Tage, an denen sie krank war. „Da hat man dann keinen zum Ausheulen.“ Aber die Köchinnen der Schule versorgten sie mit Suppe.

Thailänder machen gerne Karaoke

Schon bald wird Liv Prumbaum wieder heimkommen, ihr Einsatz in Sangkhla Buri ist fast vorbei. Vorher möchte sie noch etwas rumreisen mit einem geliehenen Roller, und später auch mit ihrem deutschen Freund – durch den Süden Thailands. „Ich habe hier viel über fremde Kulturen gelernt, bin viel selbstständiger geworden. So einen Aufenthalt kann ich anderen jungen Leuten nur weiterempfehlen“, sagt sie. Die Trennung von ihren süßen Kindergartenkindern werde ihr schwerfallen, mit Kindern möchte sie später auch in Deutschland arbeiten – als Logopädin.

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