Terror-Abwehr

Die Stadt Mülheim hat kein Geld für Sicherheitsmaßnahmen

Die Verwaltung hat über 20 Orte im Stadtgebiet auf Angriffsmöglichkeiten überprüft: Der Platz an der Ruhrpromenade vor dem Hafenbecken steht im Ranking ganz oben, was etwa die leichte Zugänglichkeit betrifft.

Die Verwaltung hat über 20 Orte im Stadtgebiet auf Angriffsmöglichkeiten überprüft: Der Platz an der Ruhrpromenade vor dem Hafenbecken steht im Ranking ganz oben, was etwa die leichte Zugänglichkeit betrifft.

Foto: Michael Dahlke

Mülheim.   Die Stadtverwaltung durchdenkt Angriffsszenarien mit Lkw und überlegt, wie belebte Plätze zu schützen sind. Doch die Lösungen sind zu teuer.

Attentate und Amokfahrten, bei denen Lkw in Menschenmengen rasen – so geschehen in Nizza, in Barcelona, in Berlin und im vergangenen Frühjahr in Münster – haben in der Mülheimer Stadtverwaltung unlängst dazu geführt, sich über Planungen Gedanken zu machen, wie man beliebte und belebte Plätze in Mülheim baulich vor solchen Attacken schützen kann. Erste Überlegungen zu ausgearbeiteten Schutzmaßnahmen wurden den Politikern im Ausschuss für Bürgerangelegenheiten, Sicherheit und Ordnung (BSO) vorgestellt.

Überlegungen für den Platz an der Ruhrpromenade

Mülheims Verwaltung hat in einer hausinternen Arbeitsgruppe über 20 Örtlichkeiten in der Stadt überprüft, angenommen wurde eine Terror-Attacke mit einem 7,5-Tonner. Exemplarisch wurden in der Arbeitsgruppe die Überlegungen für den Platz an der Ruhrpromenade, am Hafenbecken, angestellt. Dieser Platz steht im Ranking ganz oben, was die leichte Zugänglichkeit und die Zahl der sich dort versammelnden Menschen betrifft. Wie müsste nun eine Sperre gegen das unerlaubte Befahren der Ruhrpromenade aussehen, sei die Aufgabe gewesen, so Dr. Frank Steinfort. Als Rechtsdezernent ist er auch zuständig für die Sicherheit in der Stadt.

Weder für die Planung, noch für die Realisierung der Sicherheitsmaßnahmen sei jedoch das Geld vorhanden, dämpfte Steinfort schon im Vorfeld mögliche Erwartungen aus der Politik. „Wir werden Ihnen etwas zeigen, wofür kein Geld da ist“, sagte er deutlich, bevor Felix Blasch, Leiter des Stadtplanungsamtes, ausführte, dass der Platz vor dem Hafenbecken vor allem von der Seite der Ruhrstraße zu schützen sei.

Feuerwehrzufahrten müssen zugänglich bleiben

Die Idee: Poller, die parallel zur Blindenführung als bauliche Sperre auf dem Pflaster aufgestellt würden, kombiniert mit Pflanzkübeln als seitlichem Schutz im Süden, parallel zum alten Stadtbad. Die beiden Feuerwehrzufahrten vor und hinter dem Hafenbecken, müssen im Notfall zugänglich bleiben, mögliche Absperrungen müssen also von Einsatzfahrzeugen langsam umfahren werden können.

Als Alternative zur Pollerlösung stellte Felix Blasch eine Sperre aus äußerst massiven, bewehrten Sitzgelegenheiten und/oder Pflanzkübeln vor, die sich nicht verschieben lassen. Der Vorteil ist offensichtlich: „Das sieht ja nicht nach einer Sperre aus, sondern nach benutzbaren Stadtmöbeln.“ Bei einer Poller-Lösung müssten diese so in ein Fundament einbetoniert werden, dass sie eine längere Aufstellfläche erhalten, damit die massive Pollerstandfläche bei einem möglichen Attentat den Angriff mit einem schweren Fahrzeug auch aufhalten kann, erklärte Blasch. „Dadurch, dass sie sich verschiebt, fängt die Fläche den Stoß auf.“ Daher müsse das Fundament möglichst breit sein, eine Rechenaufgabe für einen Bauingenieur. „Dieses Fachwissen ist in der Verwaltung nicht vorhanden. Wir müssten das planen und berechnen lassen“, betonte Blasch.

Bäume sind als wirkunsgvolle Sperre ungeeignet

Wie wäre es mit dem Anpflanzen von massiven Bäumen als Barriere, schlug der BAMH vor, es sei doch ohnehin auch wenig Grün am Stadthafen. „Die Bäume kann man nicht so eng pflanzen“, so Blasch, somit seien sie als wirkungsvolle Sperre ungeeignet. Man könne massive Einbauten allerdings mit einer Bepflanzung kombinieren, schlug er vor.

Was besonders teuer kommt, ist möglicherweise das Verlegen der Gas- und Strom-Leitungen unter dem Platz. Ein Großteil der Kosten könnte entstehen, weil man für die Fundamente die unterirdischen Leitungen verlegen muss, erklärte Blasch. Auch das müsse man auf dem Zettel haben.

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