Neue Spielzeit

Die Heimat in der Fremde

„Revier“ ist der Name einer fotografischen Langzeitstudie über die rheinischen Tagebaulandschaften. Die Ausstellung wird am 6. September im Foyer an der Adolfstraße 89 eröffnet.

Foto: Matthias Jung

„Revier“ ist der Name einer fotografischen Langzeitstudie über die rheinischen Tagebaulandschaften. Die Ausstellung wird am 6. September im Foyer an der Adolfstraße 89 eröffnet. Foto: Matthias Jung

Mülheim.   Mit einer Fotoausstellung, afrikanischem Tanz und einer Lesung startet im September die neue Saison der Volxbühne

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Auf die Heimat folgt bei der Volxbühne die Fremdheit. Mit Zugewanderten dreht Jörg Fürst die Perspektive um und lotet aus, wie die Fremden auf das uns Vertraute blicken.

„Heimat ist für uns in Zeiten der Globalisierung ein brüchiges Gefühl“, sagt Fürst zur Vorstellung seiner sechsten Spielzeit. Die Gründe der Zuwanderung sind dabei weniger relevant. Zentral ist der Blick des Fremden und da zitiert er Hegel, der geschrieben hat, Bildung sei die Möglichkeit, „die Welt durch die Augen eines anderen zu sehen“. Auch auf den Philosophen Georg Simmel, der Fremde als belebendes Element für Gruppen beschrieben hat, bezieht er sich.

„Wenn wir den Blick aus der Perspektive des Fremden auf uns ausschließen, so führt dies zu Stagnation, Stillstand und mangelnder Entwicklung zukünftiger Perspektiven“, sagt er. Premiere dieser Stückentwicklung ist allerdings erst am 15. Februar. Auch die nächste Arbeit mit dem Ensemble ist erst für Mai terminiert, aber ob es eine eigene Stückentwicklung oder Inszenierung einer bestehenden Vorlage wird, das werden die Mitglieder ab 10. September erarbeiten.

Zur Spielzeiteröffnung präsentiert die Volxbühne eine Fotoausstellung, die sich auch mit Heimat und Fremde auseinandersetzt. „Revier“ nennt Matthias Jung seine Langzeitstudie über die Orte und Menschen, die dem Braunkohletagebergbau weichen mussten. 45 000 Menschen wurden seit den 50er Jahren umgesiedelt, andere haben ihre Heimatregion ganz verlassen. Es sind Fotos von Geisterdörfern, protestierenden Klimaschützern, bizarren Landschaften und Menschen, die sich mit dieser Umgebung arrangiert haben, ohne dabei glücklich zu wirken. All dies zeigt der 1967 geborene Fotograf ab 6. September, 18 Uhr, im Foyer.

Im Rahmen der Lesereihe begibt sich der Sozialwissenschaftler Jens Korfkamp am 8. September um 19.30 Uhr auf die Heimatspur. Mit dem Begriff kennt sich der Leiter der VHS im niederrheinischen Rheinberg aus, er hat über „Die Erfindung der Heimat“ promoviert.

Tanz, Musik und Kulinarisches aus dem Senegal erwartet die Besucher nach dem Erfolg des vergangenen Jahres am Wochenende,15. und 16. September, mit Aidara Seck & Friends. Bei den Weißen Nächten im Raffelbergpark hatte Haware eine Kostprobe ihres Könnens geboten und viele Besucher mit ihren Rhythmen mitgerissen. Am Samstag beginnt zunächst um 19.30 Uhr das Konzert (Eintritt 15/12 Euro, inklusive Essen, Getränke gehen extra), am Sonntag folgen von 15 bis 17 Uhr zwei Workshops für Trommeln und Tanz (jeweils 20 Euro).

Rausch und Kater

Peter Sarach singt am Samstag, 29. September, dann Klassiker von Leonard Cohen (12/8 Euro), Stücke wie „Susanne“, „So long Marianne“ oder „Famous Blue Rain­coat“. Sarach ist in Köln Kult und Rock ‘n’ Roller, war die Stimme von Rausch, für die der Name in den 90ern Programm war. 1991 auf dem Gipfel des Erfolgs war Nirvana im Tanzbrunnen ihre Vorband. „Auf dem Höhepunkt war es ein einziger Rausch: eine Million Mark pro Platte, ausverkaufte Hallen, Kohle, Groupies, natürlich immer Drogen, Pose, Provokation, Abstürze, das Leben feiern durch Fliegen und Fliehen. Aber auch Perfektion, Anspruch“, schrieb der Kölner Stadtanzeiger. „Keine Macht den Doofen“ war so eine Provokation, die als T-Shirt-Aufdruck Furore machte.

Das Geld ist längst verprasst, zwischendurch jobbte Sarach als Nachtportier und für den Film „Bang Boom Bang“ machte seine Band auch die Musik. Mit großem Respekt für Leonard Cohen, aber mit ganz eigener Qualität als Sänger und Performer gelingt ihm ein großer Abend.

>>>>>>>Kontakt und weitere Angebote <<<<<<<<<<<<

Volxbühne, Adolfstraße 89, Kartentelefon, Kontakt: 43 96 29 11; offener Theaterworkshop mit Jörg Fürst für alle, mittwochs von 15 bis 17 Uhr, Termine: www.volksbuehne.de

Am 28. September startet auch wieder die Filmreihe: „Nick Cave: 20 000 Days on Earth“, 19.30 Uhr, Eintritt frei. Weiter geht’s mit einer Dokumentation über die Pariser Oper von Jean-Stéphnae Bron (9. November) und das Leben einer Ikone: „Grace Jones - Bloodlight and Bami“ (7. Dezember)

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik