Gesundheit

Die heilsame Kraft des Singens am Evangelischen Krankenhaus

Petra Stahringer-Burger singt mit Chefarzt  Ernst Georg Holstein, der Grünen Dame Annemarie Wiedekamp und dem Grünen Herrn Eckart Schmidtsdorff.

Petra Stahringer-Burger singt mit Chefarzt Ernst Georg Holstein, der Grünen Dame Annemarie Wiedekamp und dem Grünen Herrn Eckart Schmidtsdorff.

Foto: Michael Dahlke

Mülheim.   Das Evangelische Krankenhaus wurde als „Singendes Krankenhaus“ zertifiziert. Die gesundheitsfördernde Wirkung der Musik wird schon lange genutzt.

Das Zertifikat „Singendes Krankenhaus“ hat das Evangelische Krankenhaus Mülheim (EKM) in diesem Monat verliehen bekommen – vom internationalen Verein „Singende Krankenhäuser“, der sich seit über neun Jahren der Verbreitung heilsamer und gesundheitsfördernder Singangebote in Gesundheitseinrichtungen widmet.

Das Angebot der Musischen Werkstätten am EKM indes gibt es schon dreimal so lange: 1990 wurden diese gegründet und Petra Stahringer, die Leiterin, war von Anfang an mit dabei. Gleichzeitig ging damals das Backsteintheater an den Start, alles mit dem Ziel, in einem Krankenhaus, in dem Menschen genesen sollen, auch Kultur, Leben und Begegnung Raum zu geben.

Singen ist heilsam für Körper, Geist und Seele

„Es fühlt sich gar nicht wie fast 30 Jahre an“, lacht Petra Stahringer, „es hat sich ja immer alles weiter entwickelt.“ Singen ist heilsam, weiß die studierte Kirchenmusikerin, für Körper, Geist und Seele. „Wenn Menschen sich dazu bekehren lassen, Musik zu machen, dann verändert sich etwas“, hat sie schon häufig erlebt.

Sie leitet den Mitarbeiterchor (Backsteinchor) und macht – zusammen mit ihren Kolleginnen Ulrike Dommer und Bärbel Bucke – im Krankenhaus auch offene Sing-Angebote, für Patienten, Personal, Besucher und wer immer Lust dazu hat. Selbst die Chefärzte – in der Regel Menschen mit vollem Terminplan – konnte Petra Stahringer vor ein paar Jahren für einen Chefärztechor begeistern. „Chefsache Singen“ heißt denn auch der Chor, und der Titel ist am EKM Programm. Sie sind aktuell zu fünft, gaben sich bei der Zertifikats-Übergabe in „Comedian Harmonists“-Manier mit „Wochen­end’ und Sonnenschein“ die Ehre und proben derzeit für den nächsten Auftritt.

Singen als Therapiebegleitung hilf, gesünder zu werden

Einer davon ist Ernst Georg Holstein, Leiter der Lungenheilkunde, der seit frühester Jugend gern gesungen hat. Er überlegt, wie er ein Sing-Angebot in seiner Abteilung integrieren kann. Ähnlich, wie es auch in der geriatrischen Tagesklinik gemacht wird. Singen als Therapiebegleitung: Es weckt Erinnerungen, macht glücklich, verbindet Menschen, kräftigt Muskeln und Atmung – und hilft somit dabei, sich besser und gesünder fühlen. „Singen tut auf vielen Ebenen gut“, sagt Stahringer. Das merkt sie, wenn sie mit dem Chor, etwa Weihnachten, singend durchs Haus zieht und Patienten, Angestellte sowie Besucher plötzlich mitsingen.

Dass die Musik nicht nur für die Seele gut ist, sondern auch die körpereigene Abwehr aktiviert, indem die Immunkräfte gestärkt werden, ist längst durch Studien erwiesen, wie Chefarzt Heinz-Jochen Gassel bei der Übergabe des Zertifikats ausführte. Annemarie Wiedekamp, eine Grüne Dame am EKM und seit vielen Jahren im Backsteinchor aktiv, sitzt oft bei Schwerkranken am Bett und summt ein Lied. Dass Singen angstlösend und beruhigend wirkt, erlebt sie dabei oft.

>>> Heilsames Singen einmal pro Monat

Bei den Musischen Werkstätten gibt es jährlich 300 musische Angebote zum Mitmachen oder Zuhören. Bei Konzerten, offenen Singen und anderen Veranstaltungen treffen sich Patienten, Mitarbeiter, Besucher. Etwa beim „Heilsamen Singen“ einmal im Monat freitags: summen, tönen, Atem fließen lassen, Lebensfreude wecken. Nächster Termin: 16. November, 19 – 20 Uhr, Kapelle im 10. OG.

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