Kultur

Dezentrale schafft seit drei Jahren Integration

Gemeinsam für die interkulturelle Sache: Kirsten Ben Haddou und Justin Fonkeu in der Dezentrale an der Leinweberstraße.

Foto: Robin Junicke

Gemeinsam für die interkulturelle Sache: Kirsten Ben Haddou und Justin Fonkeu in der Dezentrale an der Leinweberstraße. Foto: Robin Junicke

Mülheim.   Seit drei Jahren gibt es die Silent University in der Dezentrale an der Leineweberstraße. Ort der Begegnung, Beratung und Kultur wächst weiter

Der Laden an der Spitze der Leineweberstraße ist durch Glasscheiben offen und transparent. Und so soll es auch sein. Die Dezentrale ist zunehmend Treffpunkt und Mitmachort für Menschen jeden Alters, für Mülheimer und ganz besonders auch für Menschen, die geflüchtet sind und hier eine neue Heimat suchen. Für sie ist die Dezentrale ein zentraler Dreh- und Angelpunkt, an dem sie Beratung und Begleitung finden. Wo sie mit ihren Anliegen auf Augenhöhe ernst genommen werden.

Mit dem Bildungsnetzwerk Innenstadt, der Koordinierungsstelle Kulturelle Bildung und der Silent University ist ein interkultureller Ankerpunkt entstanden, an dem wichtige Bereiche in Sachen Migration und Miteinander zusammengehen, wobei auch Kunst, Kultur und eine große Rolle spielen. Ob Workshops, Vorträge, Kurse oder ein Raum für Austausch und Begegnung – fast alles ist auf diesem Experimentierfeld auf den Schnittstellen Bildung, Kultur und Soziales möglich.

„Silent University“ im Rahmen des Impulse-Festivals

Mit Sprachförderangeboten, offenen Eltern-Kind-Gruppen, Kunstausstellungen, der Bühne für Geflüchtete vom Ringlokschuppen und künftig auch Theaterworkshops ist eine spartenübergreifende Plattform verschiedener Nutzergruppen, darunter auch der Verein Art Obscura, gewachsen.

Vor knapp drei Jahren wurde die „Silent University“ im Rahmen des Impulse-Festivals etabliert. Kirsten Ben Haddou, Diplompädagogin mit interkulturellem Schwerpunkt und erfahren in der Flüchtlingsarbeit, leitet sie mit einer 30 Stunden-Stelle. Geflüchtete Akademiker geben dort ihr Wissen in Vorträgen weiter. Die Silent University ist eine von fünf Einrichtungen dieser Art in Europa, umfasst aber ein breiteres Spektrum. Sie ist Forschungsfeld neuer Gesellschaftsformen. Justin Fonkeu und Bridget Fonkeu zählen zu den Referenten. Auch ihr Verein Afro Mülheimer hat seinen Ort gefunden. Bridget Fonkeu setzt sich vor allem für die Frauenfrage von Migrantinnen ein.

„Wir sehen uns als multilinguales Labor“

„Wir sehen uns als multilinguales Labor und experimentieren mit gesellschaftlichen Realitäten wie wir sie schon lange haben“, sagt Kirsten Ben Haddou. Für sie ist die Mehrsprachigkeit in einer Gesellschaft Kompetenz. Die Mehrsprachigkeit will auch Ringlokschuppen-Chef Matthias Frense ins Programm und ins Team bringen. „Denn worum es gehen muss, ist Zugänge zu schaffen.“ Gemeint sind Übersetzungen auf der Homepage, aber auch in Vorstellungen. Zwei der fünf Azubi-Stellen seien für junge Geflüchtete vorgesehen.

Kürzlich trafen sich die Macher, um über die Zukunft der Dezentrale zu reden. Gefördert wird sie vom Impulse-Festival, Urbane Künste Ruhr, dem Ringlokschuppen und der Mülheimer Gesellschaft für Stadtentwicklung, die die Miete trägt. Über drei Jahre kam der Löwenanteil von Urbane Künste Ruhr, erläutert Frense. Dahinter steht jetzt ein Fragezeichen, weil die bisherige Leiterin Katja Aßmann nach Berlin geht.

Wechsel in der Künstlerischen Leitung

Und auch beim Impulse-Festival gibt es einen Wechsel in der Künstlerischen Leitung. Florian Malzacher, ein Motor für die Silent University, übergibt die Impulse an Haiko Pfost. „Der neue Künstlerische Leiter hat signalisiert, dass er mit einem kleineren Teil weitermachen will“, so Frense. 50 000 bis 60 000 Euro sind für den Betrieb jährlich erforderlich. Er sei aber guter Dinge, dass sich dass Land engagiert.

Schließlich geht es auch um die Frage der institutionellen Förderung und den Bedingungen, die damit verbunden sind. Und so kam man zu dem Fazit, dass das Spannungsfeld zwischen künstlerischem Impuls, Aktion und Institution ein guter Weg ist, um das Projekt in Ruhe weiter reifen zu lassen.

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