Verkehr

Der sattelfeste Minister

Auch für den Minister eine Herausforderung: Hendrik Wüst stellte fest, dassHendrik Wüst testet ein Lastenfahrrad. aber es gelingt ihm ganz gut.

Auch für den Minister eine Herausforderung: Hendrik Wüst stellte fest, dassHendrik Wüst testet ein Lastenfahrrad. aber es gelingt ihm ganz gut.

Foto: Christoph Wojtyczka

Mülheim.   NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst schaute sich bei seiner Tour durchs Ruhrgebiet den Baufortschritt am Radschnellweg und dem „Fahrradparkhaus“ an.

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Verkehrsminister Hendrik Wüst kam am Dienstag mit Fahrradhelm auf seinem Dienstrad und in Begleitung eines radelnden Polizisten zur Visite in die Radstation. Mit dem pendelt der 43-jährige Christdemokrat auch in Düsseldorf zwischen Parlament, Ministerium und Staatskanzlei. Um Akten zu transportieren, hat er einen stabilen Korb am Lenker. Es sind Distanzen, die mit bis zu 800 Meter zu Fuß zu lang und fürs Auto zu kurz sind.

„Würden wir nur bei gutem Wetter alle Wege, die kürzer als drei Kilometer sind, mit dem Fahrrad zurücklegen, dann hätten wir schon sehr viel Autoverkehr aus den Städten raus“, weiß der Minister, der in seiner niederrheinischen Heimatstadt Bocholt auch privat gern im Sattel sitzt und, wie er erzählt, etwa zum Einkaufen über die Grenze nach Winterswijk auf den Markt strampelt. Am flachen, grenznahen Niederrhein wird schon bei mehr als jeder vierten Fahrt zum Fahrrad gegriffen, in Mülheim ist es dagegen nur jede 25. Fahrt, beträgt der Fahrradanteil gerade einmal vier Prozent, wie Planungsdezernent Peter Vermeulen bei dieser Gelegenheit bedauert.

Sein Blick fällt auf dem Bahnhofsvorplatz sofort auf das erste Lastenrad des Heimliefer-Services Shop & Go, den die Pia vor gut 20 Jahren gegründet hatte. „Das ist ja eine irre Kiste“, staunt Wüst und fragt gleich interessiert nach, wie viele Sendungen denn damit täglich befördert werden.

Fasziniert erzählt er von dem Berliner Start-Up-Unternehmen Ono, das Prototypen für elektrobetriebene Extrem-Lastenräder entwickelt hat, in denen die Fahrer in einer Kabine vor Regen und Wind geschützt sind. Das Fassungsvermögen der Cargoboxen beträgt zwei Kubikmeter. Je nach Paketgröße passen 50 Pakete hinein.

Die haben noch einmal eine ganz andere Qualität als die beiden modernen E-Lastenbikes, die die Pia inzwischen einsetzt und den Oldie abgelöst haben, der fürs Nachbarschaftscafé eingesetzt wird. Dann hat Wüst Lust, es selbst auszuprobieren und steigt auf das nicht leicht zu lenkende Spezialrad und dreht auf dem Bahnhofsvorplatz einige Runden, was ihm souveräner gelingt als dem ihm nacheifernden Oberbürgermeister Ulrich Scholten.

Mehr Tempo beim Radschnellweg

Wüst weiß, wie wichtig Infrastruktur ist und welche Rolle Komfort und kurze Wege spielen. „Wir haben im Land die Fördergelder für den Radverkehr deutlich erhöht“, sagt er, räumt aber ein, dass es sich immer noch auf einem niedrigen Niveau bewegt: von 36 auf 39 Millionen. „Ein langer Atem ist notwendig“, sagt er. Der Radschnellweg zeigt, dass ein gutes Angebot auch schnell auf Akzeptanz stößt, betont Vermeulen. Mehrfach wurden an der Zählstation am Tag über 3000 Radler registriert, obwohl die Brücke über die Ruhr erst den Quantensprung bringt. Sie wird jetzt vermutlich doch erst mit der gesamten Fertigstellung der Etappe bis zur Hochschule an der Duisburger Straße im Mai fertiggestellt.

Natürlich hätte der Minister beim Ausbau des Radschnellweges gerne mehr Tempo, deshalb traf er sich gestern in der Nachbarstadt auch mit dem Essener Planungsdezernenten, um über das Elting-Viertel zu sprechen, in dem die Planung stockt. Viele würden aber unterschätzen, dass es sich dabei um ähnlich komplexe Hürden und Hindernisse wie beim Bau einer Landesstraße handele.

Die Nähe von Bahnhof, Radstation und Radschnellweg gefällt dem Minister. Er kann sich vorstellen, dass das Radparkhaus, wie Pia-Vorstand Frank Schellberg erläutert, mit über 200 Plätzen voll belegt ist und dringend eine Erweiterung benötigt wird. Die kommt dann Ende November.

>>>>>> Dein Radschloss - 72 neu Stellplätze für Radler
Das Programm „Dein Radschloss“, das VRR und Bund finanzieren, schafft kurzfristig 72 Plätze. Auf dem Vorplatz am Nordeingang laufen bereits die Vorbereitungen.
Ende November soll die Sammelanlage, die rund um die Uhr mit einem Code oder Karte zugänglich ist, fertig sein. Kosten: 1 Euro pro Tag.


Zusätzlich will Pia an anderer Stelle vorausschauend planen und weitere 100 Plätze anbieten. Eine Lösung wird gesucht.

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