Neuinfektionen

Corona-Infektionen: Warum das RKI von der Stadt abweicht

Im Diagnosezentrum werden täglich zahlreiche Mülheimer auf das Coronavirus getestet.

Im Diagnosezentrum werden täglich zahlreiche Mülheimer auf das Coronavirus getestet.

Foto: Martin Möller / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Verwirrung um die Corona-Zahlen in Mülheim: Die Neuinfektionsquote der Stadt weicht von der Sieben-Tage-Inzidenz des RKI ab. Woran das liegt.

In den vergangenen Tagen herrschte Verwirrung über die Corona-Zahlen in Mülheim: Erst hat die Stadt ihre Infektionszahlen nach unten korrigiert, dann hat sie ihr Dashboard überarbeitet: Wo früher die Sieben-Tage-Inzidenz anhand der von der Stadt erfassten Neuinfektionen zu sehen war, steht nun der Wert gemäß Robert-Koch-Institut (RKI), beziehungsweise Landeszentrum Gesundheit (LZG). Der liegt deutlich niedriger als der Wert der Stadt. Woran liegt das?

Corona-Zahlen in Mülheim: Zeitverzögerte Meldungen beim RKI

Grund ist die Zeitverzögerung, mit der Zahlen vom Gesundheitsamt an das LZG und von dort aus an das RKI gemeldet werden. „Aufgrund der aktuell höheren Fallzahlen priorisieren wir die Arbeit im Gesundheitsamt, das heißt, wir kümmern uns zuerst um die Unterbrechung der Infektionsketten“, sagt Frank Pisani, Abteilungsleiter für Infektionsschutz und Umweltmedizin. So könne die Meldung an LZG und RKI auch mal einen Tag später rausgehen. An Wochenenden meldet die Stadt gar nicht – wie die meisten anderen Städte auch.

Beide Stellen validieren die Zahlen und lassen sie erst dann in ihre Übersichten einfließen. In das Dashboard der Stadt liefen Positivmeldungen allerdings immer sofort und ungefiltert ein. Zwischendurch entstanden so Sieben-Tage-Inzidenzen oberhalb von 35 – also mehr als 35 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner. Ab diesem Wert besprechen Kommunen mit ihrer Bezirksregierung, ob Einschränkungen nötig sind. Ab einem Wert von über 50 müssen zwingend Schutzmaßnahmen getroffen werden.

„Wir bräuchten eine Sieben-Tage-Inzidenz für das gesamte Ruhrgebiet“

Allerdings gelten diese Regeln immer gemessen an den Daten des RKI. Und die liegen deutlich niedriger aufgrund der Verzögerungen, zu denen es auch bei der Kommunikation zwischen LZG und RKI kommen kann, „so dass Anstiege in der Inzidenz flacher ausfallen als bei der direkten Berechnung im Dashboard“, sagt Frank Pisani. Zudem errechne das RKI die Sieben-Tage-Inzidenz „mit einem gleitenden Faktor“, der dafür sorgt, dass Einzel-Infektionsherde, wie der rund um eine Familienfeier in einer Nachbarstadt, nicht für extreme Anstiege sorgen, nicht für Panik, die nicht Not tut.

„Wir haben nie etwas verheimlicht und immer offen kommuniziert“, sagt Pisani, der es grundsätzlich schwierig findet, in einem Ballungsgebiet Inzidenzen je Stadt zu erheben und auf deren Basis Maßnahmen zu ergreifen. „Wir müssten eine Zahl für das gesamte Ruhrgebiet haben, weil viele Menschen in anderen Städten arbeiten und ständig in Bewegung sind.“ Für Mülheim sei er derzeit „vorsichtig optimistisch“ – die Infektionszahlen sinken wieder.

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