Bildung

Corona in Mülheim: Erstklässler per Ellenbogen-Check begrüßt

Einschulung in Zeiten von Corona: 46 Jungen und Mädchen sind am Donnerstag an der Schule am Dichterviertel aufgenommen worden - natürlich mit Mundschutz. Viktoria (l.) war das erste Kind, das aufgerufen wurde.

Einschulung in Zeiten von Corona: 46 Jungen und Mädchen sind am Donnerstag an der Schule am Dichterviertel aufgenommen worden - natürlich mit Mundschutz. Viktoria (l.) war das erste Kind, das aufgerufen wurde.

Foto: Martin Möller / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Corona stellte Mülheimer Schulleitungen vor Herausforderungen: Wie sollte die Einschulung gefeiert werden? Letzlich war es anders – und schön!

Viktoria hat in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag kaum geschlafen. Schulkind werden, das ist aufregend. Und Corona hin oder her, die Sechsjährige wird den Tag als einen ganz besonderen in Erinnerung behalten. Ähnlich geht es Nicola Küppers und ihrem Team – wenn auch aus anderem Grund. Die Vorbereitungen für die Einschulung 2020 waren eine Herausforderung. Fast alles war anders, „und doch haben wir es geschafft, dass es festlich wurde“, freute sich die Leiterin der Schule am Dichterviertel kurz nach der Feier.

46 Jungen und Mädchen sind am Donnerstag in der Schule aufgenommen worden. Oma und Opa, Patentante und -onkel mussten in den allermeisten Fällen außerhalb des Schulgeländes warten – pro Kind waren nur zwei erwachsene Begleiter erlaubt. Und die Liste der Verbote war noch länger: Anders als sonst, durfte nicht in der Turnhalle gefeiert werden. Das gemütliche Willkommens-Büfett für die Eltern und andere Besucher war nicht erlaubt. Und es durften auch nicht alle größeren Schüler die Neuankömmlinge begrüßen. Die Zweitklässler aber waren dabei, denn in Eppinghofen unterrichten sie jahrgangsübergreifend. Vier Klassen mit 27 oder 28 Schülern gibt es in den ersten beiden Stufen, hälftig zusammengesetzt aus Erst- und Zweitklässlern.

Mülheimer i-Dötzchen halten sich brav an die Corona-Regeln

Die i-Dötzchen und ihre Eltern mussten sich brav anstellen, um auf den Schulhof zu gelangen, festgelegte Wege gehen, Abstand wahren, den Mund-Nasen-Schutz überstreifen, die Hände desinfizieren, die Anwesenheitslisten ausfüllen. Nach fünf Monaten Corona war das für Viktoria kein großes Ding mehr. „Vieles kennt sie ja aus dem Kindergarten“, sagte ihre Mama, Melanie Rühl.

Die Sechsjährige im grünen Blumenkleidchen und mit selbstgebastelter Tier-Schultüte war das erste neue Schulkind, das aufgerufen wurde. Durch ein Spalier aus blauem Krepppapier machte sie sich selbstbewusst auf den Weg zur Pinguin-Klasse von Frau Gröschel. Ihre älteren Mitschüler, die Zweitklässer, freuten sich schon. Auf Holzbänken nahmen die Kinder Platz, jede Klasse mit gehörigem Abstand zur nächsten.

Luftballons mit Glückwünschen gen Himmel geschickt

Vorab hatte Finian, Drittklässler und mutiger Schülersprecher, vom Schülerparlament berichtet. Es wurde getanzt, gehüpft, geklatscht. Und Nicola Küppers sprach den Neuankömmlingen per Mikro Mut zu: „Wir sind gespannt, wer ihr seid. Wir sind bereit, euch zu helfen. Und hier muss sich niemand Sorgen machen, dass er einen Fehler macht.“ Lässig begrüßte die Schulleiterin jedes Kind per Ellenbogen-Check. Es gab Kerzen als Geschenk. Und grün-weiße Luftballons, die – versehen mit guten Wünschen – gen Himmel geschickt wurden.

Um gute Wünsche ging es auch bei der Einschulung in der Grundschule am Klostermarkt in Saarn: Vertreter von evangelischer und katholischer Kirche erteilten Gottes Segen. Um den Corona-Vorschriften gerecht zu werden, hatte sich Schulleiterin Felicitas Bahlo für eine zweigeteilte Zeremonie entschieden: Die 28 Mädchen und Jungen der neuen 1a – die Seehunde – waren am Mittwoch dran, die 28 Kinder der 1 b – die Koalabären – folgten am Donnerstag. Wie gehabt, verteilten Vertreter vom Stammtisch Aul Ssaan Lebkuchenherzen. Die Viertklässler führten kleine Theaterszenen auf, natürlich mit Masken vor dem Mund, und Bahlo sang für die Kleinen, animierte sie zur Bewegung. „Uns wurde diesmal mehr Flexibilität und Kreativität abverlangt und alles war kompakter – aber wir haben es uns trotzdem schön gemacht.“

Wann immer man in die Schule kommt, geht’s zum Waschbecken

Dass die Pandemie zurzeit das Sagen hat, war jedoch spätestens dann wieder klar, als die Erstklässler ins Gebäude einzogen. Und es als allererstes zum Händewaschen ging. Vom ersten Moment an sollten sie Regel Nummer eins kennenlernen: Wann immer man in die Schule kommt, geht’s zum Waschbecken.

Für Felicitas Bahlo war die Einschulung 2020 „stimmungsvoll und gelungen“. Und doch wünscht sie sich sehr, „dass die Kinder bald wieder ohne Maske kommen können“. Denn der Mund-Nasen-Schutz verhindere etwas wirklich Wichtiges: „Die Kinder erkennen keine Mimik, sie können im Gesicht keine Gefühle ablesen.“ Das aber sei bei kleinen Menschen so wichtig, nur so nämlich lasse sich Empathie erlernen und soziales Miteinander.

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