MVG/Evag

Chefgehalt bei der Verkehrsgesellschaft empört Politik

Bis Ende 2016 war Uwe Bonan Kämmerer in Mülheim, jetzt leitet er die Verkehrsgesellschaft Essen/Mülheim.

Bis Ende 2016 war Uwe Bonan Kämmerer in Mülheim, jetzt leitet er die Verkehrsgesellschaft Essen/Mülheim.

Foto: Oliver Müller

Mülheim.   Das Jahresgehalt von 250 000 Euro für Uwe Bonan als einer der beiden Geschäftsführer von Evag/MVG steht massiv in der Kritik.

Die neue Doppelspitze des Verkehrsunternehmens Evag/MVG mit Michael Feller und Uwe Bonan steht wegen des Jahresgehaltes von je 250 000 Euro massiv in der Kritik. Wie es heißt, soll Uwe Bonan, bis Ende 2016 noch Kämmerer der Stadt, auf die Höhe des Gehalts gedrängt haben. Die Ratsfraktion Bürgerlicher Aufbruch Mülheim (BAMH) wird in der nächsten Ratssitzung einen Missbilligungsantrag stellen: „Wir fordern die beiden Geschäftsführer auf, auf die massiven Gehaltserhöhungen zu verzichten oder den Hut zu nehmen.“

Verdi: Focus auf Fahrpersonal

Die Via-Verkehrsgesellschaft geht in der Evag auf, die MVG und die Evag verschmelzen zur neuen Verkehrsgesellschaft; die Fusion soll im Laufe des Jahres rückwirkend zum 1. Januar 2017 vollzogen werden. Feller und Bonan haben ihren gemeinsamen Job Anfang des Jahres zu den neuen Bedingungen aufgenommen. Ein Fehlstart, sagen die meisten Politiker, die ebenso wie viele Bürger (siehe 2. Lokalseite) empört sind, weil die Vorgabe eigentlich heißt: Sparen!

Wolfgang Michels (CDU), Aufsichtsratsvorsitzender der MVG, hat aus der Zeitung von den neuen Chefgehältern erfahren und nennt den Vorgang „unmöglich“. Dass sich die Chefs als einen der ersten Arbeitsschritte neue Spitzengehälter genehmigen lassen, bezeichnet Tim Giesbert (Grüne) als instinktlos. „Man kann nicht erwarten“, sagt der SPD-Fraktionschef Dieter Wiechering, „dass die Menschen für Gehälter in dieser Größenordnung Verständnis haben.“

Weitaus mehr Gehalt eingestrichen

Empörung macht sich auch bei der Gewerkschaft Verdi breit: „Der Arbeitnehmer, der Fahrbetrieb muss im Fokus stehen. Aus befristeten Verträgen müssen unbefristete werden. Die Arbeitnehmer sollten das gestrichene Familienticket wieder erhalten“, sind die Forderungen von Rainer Sauer, zuständig bei Verdi für den Nahverkehr. Er betont auch: „Ich hätte es bei den bisherigen Gehältern gelassen.“ Doch dann wäre die Rechnung womöglich ganz anders ausgefallen.

Als „nicht ganz lupenrein“ bezeichnet Stadtsprecher Volker Wiebels im Namen von Oberbürgermeister Ulrich Scholten die Kritik. Er verwies dabei auf etwas, das bislang öffentlich kein Thema in Mülheim war: Der ehemalige MVG-Geschäftsführer Klaus-Peter Wandelenus hat durch seine Parallelfunktion als Technischer Vorstand im Via-Verbund mit Duisburg und Essen auch weitaus mehr Gehalt eingestrichen als jene knapp 193 000 Euro, die der aktuellste Beteiligungsbericht der Stadt für 2015 für seine Geschäftsführertätigkeit bei der MVG ausweist.

Stirnrunzeln beim Oberbürgermeister

Die Kooperation im Via-Verbund hat sich mindestens Wandelenus nämlich kräftig bezahlen lassen. Von der Evag kassierte er knapp 50 000 Euro obendrauf, von der Duisburger DVG flossen gar mehr als 80 000 Euro zusätzlich auf sein Konto. Machte zusammen 322 778 Euro und 16 Cent, plus Altersvorsorge, plus Dienstwagen.

Bonan, so Wiebels, werde fortan im Fusionsunternehmen mit den Essenern auf rund 200 000 Euro Grundgehalt und mögliche 50 000 Euro Bonus kommen, dabei werde es bleiben. So relativiere sich der angestellte Vergleich zu Wandelenus. Die Entscheidung zur Anhebung der Gehälter habe allein der Evag-Aufsichtsrat beschlossen, die Oberbürgermeister hätten da kein Wort mitzureden gehabt. Gleichwohl zitiert Wiebels den OB mit den Worten: „Ich habe die Entscheidung mit Stirnrunzeln zur Kenntnis genommen.“ Hintergrund dieses Stirnrunzelns sei eben die Herausforderung, das millionenschwere Defizit im Verkehrsbetrieb zu drücken.

Aufsichtsratsvergütungen unter die Lupe

Mit einer Gehaltsaufstockung hätten die Chefs Michael Feller und Uwe Bonan mindestens noch ein Jahr warten und zunächst Leistung liefern müssen, sagt SPD-Fraktionschef Dieter Wiechering .

Von einer „sozialschädlichen Gier ihres Ex-Kämmerers“ sprechen die Mitglieder des Bürgerlichen Aufbruchs Mülheim. Frank Wagner (BAMH) kündigt an, nun auch die Aufsichtsratsvergütungen in der neuen Gesellschaft unter die Lupe nehmen zu wollen.

Aus der Belegschaft ist Enttäuschung zu vernehmen: „Im Laufe des Jahres werden einige befristete Verträge von Busfahrern auslaufen - diese werden nicht mehr verlängert. Das Gehaltsplus der Chefs ist ein Schlag in das Gesicht dieser Fahrer, die sehen müssen, wie sie ihre Familien ernähren“, schreibt ein Beschäftigter und warnt: „Mit diesen Nicht-Entfristungen wird es wieder zu Personalproblemen kommen.“

Zornesröte steigt auf

Gute Arbeit soll auch mit gutem Geld belohnt werden, sagt Peter Beitz (FDP). Doch es gehe völlig am Thema vorbei, wenn sich die Chefs einen derartigen Schluck aus der Pulle gönnten, und das als erste Amtshandlung. Es sei nicht nachvollziehbar, erklärt MVG-Aufsichtsratsmitglied Axel Hercher, dass der Belegschaft immer mehr Vergünstigungen gestrichen würden, die Bosse aber zulangten. Gleiches gelte für Fahrgäste, denen Linieneinstellungen und Taktausdünnungen zugemutet werden. „Ich kann mir vorstellen, dass nun nicht nur in Mintard und Heißen die Zornesröte aufsteigt.“

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