Suchtvorbeugung

Cannabis bleibt in der Jugendberatung das ganz große Thema

Einen neuen Methodenkoffer zur Cannabisprävention hat Ginko 2017 entwickelt. Präsentiert wird er hier von (v.li.) Vorstand Dr. Hans-Jürgen Hallmann, Jugendberaterin Ulrike Weihrauch und Norbert Kathagen von der Fachstelle für Suchtvorbeugung.

Foto: Zoltan Leskovar

Einen neuen Methodenkoffer zur Cannabisprävention hat Ginko 2017 entwickelt. Präsentiert wird er hier von (v.li.) Vorstand Dr. Hans-Jürgen Hallmann, Jugendberaterin Ulrike Weihrauch und Norbert Kathagen von der Fachstelle für Suchtvorbeugung. Foto: Zoltan Leskovar

Mülheim.   Die Ginko-Stiftung für Prävention veröffentlicht ihren Jahresbericht 2017. Einstieg in die Online-Beratung. Neue Kampagne für ältere Menschen.

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Knapp 50 Seiten umfasst der Jahresbericht 2017 der Ginko-Stiftung für Prävention. Auf den ersten Blick wenig für eine Institution, die nicht nur in Mülheim, sondern NRW-weit tätig ist. Bei näherer Betrachtung gewinnt man jedoch den Eindruck großer Effizienz.

Neben bewährte Kampagnen wie „Sucht hat immer eine Geschichte“ sind zahlreiche neue Bausteine getreten. So liegt ein Schwerpunkt auf der Prävention für ältere Menschen: Im Vorjahr hat Ginko hierzu das Programm „Stark bleiben“ gestartet und einen speziellen Aktionsstand entwickelt. Auf der Mülheimer Seniorenmesse war man damit ebenso vertreten wie auf 13 anderen Veranstaltungen im ganzen Land.

Insgesamt 211 Jugendliche kamen

Die Jugendberatungsstelle von Ginko, offen für alle 14- bis 26-Jährigen, sowie die Fachstelle für Suchtvorbeugung sind dagegen auf Mülheim ausgerichtet. Laut Bericht haben 2017 insgesamt 211 Jugendliche und junge Erwachsene die Beratungsstelle aufgesucht. Deutlich weniger als 2016, da wurden nämlich 245 Klientinnen und Klienten gezählt. Was sich nicht verändert hat: Bei den Ratsuchenden war die Zahl der männlichen Jugendlichen doppelt so hoch wie die der weiblichen. Der Schwerpunkt liegt in der Altersgruppe zwischen 15 und 18 Jahren. In 38 Prozent der Fälle konnte das Anliegen in einem einzigen Gespräch geklärt werden.

Die Beratung ist offen für alle Probleme, die Jugendliche bewegen, und wird auch so genutzt. Häufigstes Thema ist allerdings, wie in den Vorjahren, Cannabis. Ulrike Weihrauch, eine der Ginko-Beraterinnen, erläutert: „Viele Jugendliche kommen, weil sie ihren Konsum reduzieren oder ganz mit dem Kiffen aufhören wollen.“ Nicht selten sind es allerdings auch Auflagen der Jugendgerichtshilfe oder disziplinarische Maßnahmen von Schulen, die Jugendliche in die Beratung bringen. Im Vorjahr ergaben sich 34 Kontakte auf diese Weise.

Haschisch wird häufig mit Vogelsand gestreckt

Mit Blick auf die Brisanz des Themas Cannabis hat Ginko 2017 einen neuen Methodenkoffer entwickelt, der sich an Schülerinnen und Schüler ab etwa 15, 16 Jahren richtet. „Wenn ich Jugendliche zu früh auf Cannabis anspreche, mache ich sie neugierig“, meint Ulrike Weihrauch. Der Koffer birgt vielfältiges Material, etwa kleine Gläser, die Zusatzstoffe wie billigen Vogelsand enthalten, mit denen Haschisch häufig gestreckt wird. Oder: eine Holzwaage und kleine Steinchen, um Argumente für und gegen den Konsum zu gewichten. „Es geht darum, eine eigene Haltung zu entwickeln“, erklärt Norbert Kathagen, langjährig erfahrener Mitarbeiter der Fachstelle für Suchtvorbeugung. Mittlerweile gibt es 100 dieser Methodenkoffer, eingesetzt werden sie ab 2018 in ganz NRW.

Seit Herbst beteiligt sich das Ginko-Team auch an einer professionellen Onlineberatung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke), wo Jugendliche wie Eltern ihre Sorgen loswerden können. Beraten wird per E-Mail oder in moderierten Chats. Hier melden sich, im Gegensatz zur persönlichen Beratung, mehr Mädchen als Jungen.

Vorbeugung mit interaktiven Mitteln

Bei allen Aktivitäten von Ginko gilt der Grundsatz: Nicht predigen, sondern probieren. „Es hat wenig Sinn, nur theoretisch über Gefahren aufzuklären“, sagt Leiter Dr. Hans-Jürgen Hallmann, „wir arbeiten lieber mit interaktiven Methoden.“ Gelungenes Beispiel ist der von Ginko entwickelte Alk-Parcours, der landesweit an Schulen eingesetzt wird: An fünf Stationen erfährt man einiges über Alkohol und dessen Wirkungen. Insgesamt 6500 Jugendliche in ganz NRW haben im Vorjahr diesen Alk-Parcours durchlaufen.

Alkohol- und rauchfrei zu feiern, das ist Sinn der familienfreundlichen Zone, die 2017 erstmals und in diesem Jahr erneut beim Mülheimer Rosenmontagszug eingerichtet wurde. Ginko hat dieses Projekt initiiert, umgesetzt wird es gemeinsam mit dem Gesundheits-, Jugend- und Ordnungsamt sowie der Polizei. „Solche Kooperationen funktionieren in Mülheim hervorragend“, meint Hallmann. Die karnevalistische Familienzone hat bereits Nachahmer gefunden, in Münster, Gütersloh und Hamm.

Eine weitere Idee aus Mülheim zieht Kreise: die von der hiesigen Fachstelle entwickelte App „Actionbound“. Dabei handelt es sich um eine interaktive Smartphone-Stadtrallye, bei der es immer wieder auch um das Thema Sucht geht. Genutzt wird die App inzwischen von Fachstellen in sieben NRW-Städten, darunter Dortmund und Köln. Mülheim als Experimentierfeld? „Bislang ist das so“, bestätigt Ginko-Berater Norbert Kathagen.

16 Ginko-Mitarbeiter für Mülheim und ganz NRW

Die Ginko Stiftung für Prävention, gegründet 1979, trägt zum einen die Landeskoordinierungsstelle für Suchtvorbeugung NRW. In dieser Funktion organisiert sie unter anderem Fortbildungen und setzt landesweite Kampagnen um.

Zugleich betreibt Ginko an der Kaiserstraße in Mülheim eine Jugendberatungs- und Fachstelle für Suchtvorbeugung. Insgesamt umfasst das Team 16 hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit verschiedenen Qualifikationen.

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