Drogenhilfe

Café Light in Mülheim ist seit 20 Jahren Anlaufstelle

Ulrike Poschmann (l.), Sozialarbeiterin im Café Light, sitzt mit Norbert Kathagen (Ginko) und weiteren Gästen im Außenbereich des Cafés.

Ulrike Poschmann (l.), Sozialarbeiterin im Café Light, sitzt mit Norbert Kathagen (Ginko) und weiteren Gästen im Außenbereich des Cafés.

Foto: Christoph Wojtyczka

Mülheim.   Das Café Light im Drogenhilfezentrum der Awo ist für Abhängige ein Ort,an dem sie akzeptiert werden. Sozialarbeiter kennen ihre Klienten.

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Das Café Light im Drogenhilfezentrum der Awo ist kein öffentlicher Ort. Wer nicht zur Klientel gehört und sich in den Hof des ehemaligen Gefängnisses hinter dem Landgericht verirrt, wird von den Sozialarbeitern normalerweise hinauskomplimentiert. Am Freitag war das anders, denn das Café Light feierte den 20. Jahrestag seiner Eröffnung, Besucher waren willkommen – und wurden nach Wunsch durch alle Räume geführt.

Manch’ einer dürfte sich in ein gut geführtes Jugendzentrum versetzt gefühlt haben: Kicker, Tischtennisplatte und zwei Computerplätze, Sitzecken draußen und drinnen, und an der Theke gibt’s Alkoholfreies. „Die Besucher sehen: Unserer Klienten verhalten sich ganz normal. Das baut auch Ängste ab“, sagt Jasmin Sprünken, Leiterin des Drogenhilfezentrums. Fast unbemerkt holt sich bei ihr ein gepflegt wirkender Mann in Freizeitkleidung Utensilien ab, womit man illegale Drogen konsumieren kann, was jedoch nur Eingeweihte erkennen. Nicht jedem sieht man die Sucht an. Deshalb, erklärt Jasmin Sprünken, soll das Café Light ein geschützter Ort bleiben, wo niemand fürchten müsse, etwa auf den Nachbarn zu treffen. Spritzentausch und die Versorgung kleinerer Wunden wird im Café angeboten, um Infektionen zu verhindern.

Rund 80 Klienten kommen täglich

Rund 80 Klienten suchen das Café Light im Drogenhilfezentrum an der Gerichtstraße 11 täglich auf. Einige, die es nicht stört, dass die Öffentlichkeit zu Besuch ist, sind auch heute da. Die Männer und Frauen können im Café für kleines Geld Speisen und Getränke kaufen, Kleider waschen, haben PC-Zugang und können Sozialarbeiter ansprechen, wenn es um Entgiftung oder Therapieberatung geht.

Wenn die offene Anlaufstelle nicht geöffnet hat, treffen sich die Klienten auch in der Umgebung, etwa am ehemaligen Gerichtsparkplatz, sagt Jasmin Sprünken, die weiß, dass es die Anwohner stört. „Wir haben da ein Auge drauf“, betont sie. Auch das Ordnungsamt der Stadt wisse Bescheid.

„Man muss erst mal Zugang bekommen zu Menschen“

An der Friedrich-Ebert-Straße, gleich gegenüber der AOK, eröffnete das Café Light am 2. Juni 1997. Als sogenanntes „niederschwelliges Angebot“. Wer drogenabhängig ist, sucht ja selten von sich aus Hilfe. Ins Café Light kann seit 20 Jahren jeder Abhängige kommen, so wie er ist. „Man muss“, sagt Jasmin Sprünken, „ja erst mal Zugang bekommen zu den Menschen und Vertrauen aufbauen.“ Nur wen man erreichen kann, dem kann man auch helfen. Manche schaffen es, die Sucht zu überwinden

2008 ist das Café an die Gericht­straße gezogen. Dort ist es heute mit der Beratungsstelle und der psychosozialen Beratung (für Substituierte) unter einem Dach. Kurze Wege sind wichtig: Als das Café Light noch an der Friedrich-Ebert-Straße war und die Drogenberatung an der Georgstraße, ging den Sozialarbeitern so mancher Klient auf dem Weg dorthin verloren, erinnert sich Jasmin Sprünken. „Und dann kommen die Leute oft lange nicht mehr bei uns an.“

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