Autobahn

Bürgerinitiative will Ausbau der A 52 in Mülheim verhindern

Die Ruhrtalbrücke im Rücken. Anwohner befürchten bei einem Ausbau über Jahre hinweg erhebliche Beeinträchtigungen.

Die Ruhrtalbrücke im Rücken. Anwohner befürchten bei einem Ausbau über Jahre hinweg erhebliche Beeinträchtigungen.

Foto: Martin Möller / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Täglich staut sich der Verkehr auf der A 52. Jetzt soll der Ausbau kommen – doch in Mülheim, Ratingen und Essen regt sich schon früh Widerstand.

Gegen den Ausbau der A 52 zwischen dem Autobahnkreuz Breitscheid und Essen-Kettwig regt sich schon in der frühen Phase der Planung Widerstand. Bei einer Informationsveranstaltung des Landesstraßenbaubetriebs Straßen.NRW in Mülheim-Mintard suchte eine junge Bürgerinitiative am Donnerstag schon eifrig Kontakt zu möglichen Unterstützern.

Auf sechs Fahrstreifen soll die A 52 auf dem 8,1 Kilometer langen Teilstück ausgebaut werden. Zurzeit läuft die Vorplanung. Kernstück des auf rund 233 Millionen Euro taxierten Investitionsprojektes ist die Mintarder Brücke über dem Ruhrtal. Mittlerweile steht fest, dass ein Neubau her muss.

Vorhandene Pfeiler können einen weiteren Brückenträger nicht halten

Frühe Überlegungen, man könne auf den vorhandenen Pfeilern einen zweiten Brückenträger für einen Anbau setzen, hat Straßen.NRW verworfen. „Die vorhandenen Pfeiler könnten den Brückenträger nicht halten“, sagte am Donnerstag Anja Ruthe, Abteilungsleiterin Planen beim Landesstraßenbaubetrieb, am Rande der Informationsveranstaltung im Gemeindesaal von St. Laurentius in Mintard.

Also soll eine neue Brücke her, besser gesagt: zwei. Die Planer wollen je Fahrtrichtung eine neue Brücke bauen, so dass am Ende eine Zwillingsbrücke mit einer Breite von knapp 37 Metern entsteht (aktuell: knapp 28 Meter). Dafür soll zunächst im Süden oder Norden der alten Brücke ein neues Bauwerk entstehen, danach die alte Brücke abgerissen und an gleicher Stelle eine weitere neue Brücke gebaut werden.

Neue Brücke im Süden oder Norden des alten Bauwerks

Das bewegt die Menschen, die ringsum ihr Zuhause haben. Fünf bis sechs Jahre Bauzeit sind kalkuliert. Nicht nur der erwartbare Baulärm und -verkehr machen in Mintard, Ickten und Breitscheid Sorgen. Heiß diskutiert wird auch die Frage, in welche Himmelsrichtung sich die Brücke denn ausdehnen soll, wo der erste Brücken-Neubau sich über das Tal schwingen wird: im Süden oder im Norden.

Für Tobias Leidinger, der südlich der A 52 in Ickten wohnt, ist die Sache klar. Im Süden seien „erheblich mehr Anwohner betroffen“, plädiert er für einen Neubau im Norden und Lärmschutz für den Süden schon zur Bauzeit. In Mintard werden das einige genau anders sehen.

„Ich denke, dass ich meine Pferdepensionshaltung dann nicht fortführen kann“

Eine Betroffene in Mintard ist Mona Apeltrath. Sie verdient ihren Lebensunterhalt mit einem landwirtschaftlichen Betrieb, fürchtet den jahrelangen Baulärm. „Ich denke, dass ich meine Pferdepensionshaltung dann nicht fortführen kann“, sagt sie. Die Pferdehalter, die ihr Tier untergebracht hätten, suchten das Idyll. „Sie werden weiterziehen zu anderen Ställen.“

Carsten Sputek sieht einen Ausnahmezustand auf die Anwohner zukommen, mehr noch: Das Ausbau-Projekt komme einer Enteignung gleich. Sputek bewohnt rund 100 Meter von der Brücke entfernt sein Elternhaus, 1956 errichtet und älter als die Brücke. Die Grundstückswerte ringsum seien schon durch die Verkündung der Ausbaupläne „im freien Fall“. Auch ein erheblicher Eingriff ins Naherholungsgebiet des Ruhrtals stehe zu befürchten.

Bürgerinitiative will den Ausbau verhindern

Sputek ist einer derjenigen, die bereits die Bürgerinitiative „Mintarder Ruhrtalbrücke“ gegründet haben. Mit dabei ist auch Peter Loef, ein Grüner aus Mintard. Ziel der Initiative sei es, den Ausbau zu verhindern. „Aus unserer Sicht passt er nicht in die Zeit.“

Loef glaubt an die Verkehrswende. Carsharing, Smart Logistics (intelligente Transportlösungen), autonomes Fahren – all diese vielversprechenden Entwicklungen würden in der Planung, die auf alten Verkehrsprognosen fuße, nicht berücksichtigt. Der Verkehr der Zukunft werde sich "gänzlich anders leiten, verteilen lassen“. Da sei das Projekt aus dem aktuellen Bundesverkehrswegeplan „noch mal auf den Prüfstand“ zu stellen.

Sprengung der Ruhrtalbrücke: Besitzer fürchten um ihre Häuser

Angst macht einigen Bürgern der Abbruch der alten Brücke. Zwei Verfahren sind denkbar: ein zeitaufwändiger Abriss Stück für Stück – oder aber die Sprengung nach Vorbild der Sinntalbrücke der A 7, die mittels Sprengung mit viel Krach und Staub innerhalb kürzester Zeit ins Tal stürzte. Welchen Schaden dabei umliegende Häuser im Ruhrtal nehmen könnten, trieb am Donnerstag viele um.

Für Straßen.NRW bilanzierte Chefplanerin Anja Ruthe am Donnerstag dennoch einen gelungenen Auftakt, um Anregungen und Kritik von Bürgern einzusammeln. „Wir werden uns in der Vorplanung alle Widerstände anschauen“, versprach sie mit Blick auf die Brücken-Neubauten. Im Laufe des Jahres 2020 wolle man sich mit dem Ministerium abgestimmt haben, welche Bauvariante den Vorzug erhalten soll.

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