Saarner Bücherfrühling

Buchhändlerinnen lesen Unterhaltsames im Modeladen

Das Vor-Ort-Trio Brigitta Lange, Ute Hartz und Ursula Hilberath lasen im Loft von Anja Cruysen (v.l.).

Foto: Alexandra Roth

Das Vor-Ort-Trio Brigitta Lange, Ute Hartz und Ursula Hilberath lasen im Loft von Anja Cruysen (v.l.). Foto: Alexandra Roth

Mülheim.   Ursula Hilberath, Brigitta Lange und Ute Hartz lasen beim Saarner Bücherfrühling. Unterhaltsames zwischen Größenwahn und Kleinbürgertum.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Was ein Topf feuerfester Aluminiumlack in der Hand eines Mannes alles bewirken kann: einen funkelnagelneuen Ofen, silberglänzende Schuhe oder gar die glanzvolle Scheidung von der geliebten Gattin. Ephraim Kishons Satire vom „Kaktus im Silberrausch“ ist aber nur eine von vielen amüsanten Geschichten mit denen Ursula Hilberath, Brigitta Lange und Ute Hartz am Mittwochabend über die Frage sinnieren: Sein oder Design?

Ihren 23. Saarner Bücherfrühling verlegten die Buchhändlerinnen diesmal themenbezogen in das Atelier für Raumgestaltung von Anja Cruysen. Zwischen sinnlichen Stoffen und großformatigen Gemälden fanden, knatscheng wie die Luxusjeans, gerade noch 70 Besucher Platz, die vom Frauentrio formvollendet in schweißtreibenden Togen auf das Gebotene vorbereitet wurden.

Design ist gewissermaßen Fluch wie Segen

Denn wenn nach Marx das Sein das Bewusstsein bestimmt, ist Design gewissermaßen Fluch wie Segen. Und ein weißes Telefon – mit oder ohne Früchtchen-Ikone – versorgt seinen Nutzer eben nicht nur mit Geschwätz. Die Spätfolgen eines solchen in Form gefassten Egos ahnten vielmehr schon die Gebrüder Grimm, deren Märchen vom Fischer und seiner Frau selbstredend kein glückliches Ende nahm.

Von Statussucht getrieben landeten beide buchstäblich dort, wo sie anfingen: im Topf. Die versammelten literarischen Beispiele der Saarner Buchhändlerinnen bewegen sich also folgerichtig und höchst unterhaltsam zwischen Größenwahn und Kleinbürgertum.

Britta Lange verfällt gekonnt ins Nood-Deutsche

Hilberath und Lange lassen Autoren wie Torsten Buchheit über sprechende Ceranfelder wettern, Michael Rudolf über Heimhandwerker fluchen, die mit „Yippi-ya-ya!“ in ihren Projekten untergehen, oder Journalistin Dörte Hansen das romantisch-verklärte Landleben vor Hamburg aufs Korn nehmen. Dass Brigitta Lange dabei gekonnt ins „Nood-Deutsche“ verfällt, begeistert nicht nur die Hörer, sondern spornt Ursula Hilberath zum „Pöttlern“ an.

Übrigens kommt die Stadt kaum besser weg. „Urbanes Wohnen ist dort, wo alle alten Bäume dem Bebauungsplan zum Opfer fallen, und man dann die Straßennamen nach ihnen benennt“, wusste schon der Aphoristiker Willy Meurer. An anderer Stelle etwa wird mit der Stadt Oberhausen abgerechnet und Planungsdezernenten, die wohl in ihrer Kindheit zu wenig Bauklötze und heute zu wenig Fantasie haben.

Kaskaden kontroverser Kommentare

Nach den Kaskaden kontroverser Kommentare gibt es eine Verschnaufpause bei Wein und Kanapees. „Gute Texte in authentischer Atmosphäre“, loben Besucher Regina und Peter Hartmann die Umsetzung im Atelier von Cruysen. Ein anderes Paar möchte nicht namentlich genannt werden, besucht aber den Bücherfrühling regelmäßig: „Für uns sind die Veranstaltungen ein Muss, weil die Veranstalterinnen es schaffen, aus jeder Location einen interessanten Ort zu machen.“

>> JANE AUSTIN ZUM ENGLISCHEN TEE

- Zum Bücherfrühling am heutigen Samstagnachmittag bittet die Essener Schauspielerin Katja Heinrich zum Tee mit Jane Austen im Kloster Saarn.

- D er 200. Todestag der berühmten britischen Autorin ist Anlass für eine Lesung im Ambiente eines englischen „High Teas“. Beginn in der Begegnungsstätte Kloster Saarn (Klosterstraße 53) ist um 15.30 Uhr – klassische „Teatime“. Der Eintritt inklusive Cream Tea kostet 16 Euro. Karten unter: 46 15 75.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik