Radwege

Brückenschlag für den Radschnellweg nach Broich

Arbeiter bringen eines der 18 Tonnen schweren Fahrbahnelemente in Position. Mehrere tausend Schrauben müssen festgezogen werden.

Arbeiter bringen eines der 18 Tonnen schweren Fahrbahnelemente in Position. Mehrere tausend Schrauben müssen festgezogen werden.

Foto: Udo Gottschalk

Mülheim.   Beim Bau des Radschnellwegs in Mülheim steht jetzt die alte Bahnbrücke im Blickpunkt. Im Frühjahr soll die Strecke nach Broich geöffnet werden.

„Es geht hier weiter, selbst im Winter“ – strahlend wie die Novembersonne, die hinter seiner signalfarbenen Jacke leuchtet, steht Rainer Verhufen auf der alten Bahnbrücke am Rathausmarkt. Als Projektleiter beschäftigt ihn der Bau des Radschnellwegs RS1 auf Mülheimer Gebiet seit Jahren, zurzeit überwacht er eine besonders spektakuläre Arbeitsphase: die Überbrückung der Ruhr zwischen Stadtmitte und Broich.

Am Fuße des denkmalgeschützten Viaduktes, an der Ecke Bahn-/Friedrich-Ebert-Straße, finden sich immer wieder technikbegeisterte Zuschauer ein, denn seit Montag kommt hier außerordentlich schweres Gerät zum Einsatz: Ein gigantischer Kran, der 400 Tonnen wiegt und dessen Ausleger bei Bedarf bis auf 140 Meter ausgefahren werden kann, ragt in den Himmel, weit über alle Häuserdächer hinaus. Seine Maschinenkraft ist nötig, um die künftige Fahrbahn des Radschnellwegs zu konstruieren: Zwischen den drei markanten Bögen der Brücke werden insgesamt zwölf Stahlplatten verlegt, jede ist rund 21 Meter lang, 3,50 Meter breit und 18 Tonnen schwer. Die Oberfläche bildet ein RHD-Belag (Reaktionsharzgebundener Dünnbelag), der auf den ersten Blick wirkt wie festgefahrener Kies. Im Laufe des Donnerstags sollen alle Elemente auf die Brücke gezogen und miteinander fixiert sein: „Pro Bogen müssen tausend Schrauben befestigt werden“, erläutert Rainer Verhufen. Am Freitag soll der Kran wieder verschwinden.

Fertigstellung ist abhängig von den Temperaturen

Ehe die Brücke aber tatsächlich befahrbar und begehbar sein wird, bleibt für sein Team noch eine Menge zu tun. Unter anderem wird ein beleuchtetes Stabgeländer angebracht, und auf der nördlichen Seite werden Gitterroste gezogen, auf denen man eine Schicht Schotter verlegt. „Für den Artenschutz“, wie der Projektleiter erläutert, um Tieren wie der Zauneidechse einen durchgängigen Weg zu bieten.

Den wünschen sich die Radfahrer auch, doch wann man die neu gestaltete Ruhrquerung freigeben kann, darauf mag sich der Projektleiter noch nicht festlegen. In diesem Jahr jedenfalls nicht mehr, ein Termin im Februar 2019 scheint realistisch. Vieles hängt aber auch vom Wetter ab: Für manche Arbeiten braucht man trockenes Wetter und mindestens fünf Grad.

Weg zur Hochschule wird im Frühjahr freigegeben

Zugleich wird auf der anderen Seite der Brücke, von der Hochschule Ruhr West in Broich aus, permanent weiter am Radschnellweg gebaut. Auch hier ist die Fertigstellung absehbar: „Das Teilstück wird im Frühjahr eröffnet“, stellt Helmut Voß, Fahrradbeauftragter und Radwegplaner der Stadt Mülheim, in Aussicht. Dann führt der RS1 von der Stadtgrenze Essen bis zum Campus der HRW in Broich.

Was die Finanzierung des Radschnellwegs anbelangt, bleibe man im Plan, sagen Voß und Verhufen: Der erste Abschnitt sei um etwa 750.000 Euro günstiger geworden als ursprünglich veranschlagt, der zweite werde etwa um die gleiche Summe teurer. Rund 6,8 Millionen Euro werden dafür verbaut, davon trägt 70 Prozent das Land, 30 Prozent der Regionalverband Ruhr.

>> AUFZUG IMMER NOCH AUSSER BETRIEB

Nach wie vor außer Betrieb ist der störanfällige Fahrradaufzug unterhalb des Viaduktes an der Bahnstraße.

Wie Rainer Verhufen, Projektleiter für den Radschnellweg, erläutert, sei der Lift mittlerweile zwar intakt und voll funktionsfähig. Doch ehe er wieder fahren kann, müssten alle Feuerwehrleute in Mülheim eine entsprechende Einweisung erhalten.

Seit dem Sommer war der Fahrstuhl mehrfach im Zuge von Feuerwehreinsätzen beschädigt worden. Menschen waren in der Kabine eingesperrt, die Tür musste aufgebrochen werden.

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