Ehrenamt

Boxtrainer Abi Guettari ist eine Respektperson am Ring

Mit zweien

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Foto: LSB

Mülheim.   Seit drei Jahrzehnten widmet der Mülheimer Boxtrainer Abi Guettari seine gesamte Freizeit dem Sport. Jetzt soll er landesweit als Vorbild dienen.

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Vor 30 Jahren erlitt der erfolgreiche Mülheimer Boxer Abi Guettari im Kampf eine Augenverletzung, die ihn nachhaltig außer Gefecht setzte und seine sportliche Karriere beendete. Er hatte sogar auf eine Olympia-Teilnahme gehofft. Ein schwerer Schlag für den jungen Mann. Seinem Sport ist der heute 53-Jährige aber treu geblieben, als Trainer beim Boxclub Mülheim-Dümpten, mit so viel Einsatz, dass Guettari jetzt als Vorbild dient, in einer neuen Ehrenamts-Kampagne des Landessportbundes (LSB) Nordrhein-Westfalen.

Drei Mal wöchentlich leitet er die Übungen

Der Kontakt ergab sich eher nebenbei: Eine Fotografin, die für den LSB arbeitet, kam für ein Shooting mit der Boxerin Michelle Hatari vorbei: ein Nachwuchstalent, mit dem Abi Guettari arbeitet. Deutsche Vize-Meisterin in ihrer Klasse ist die 17-jährige Mülheimerin bereits geworden. Am Rande dieses Fototermins punktete offenbar auch der engagierte Trainer, der drei Mal wöchentlich, jeweils vom Spätnachmittag bis in den Abend, die Übungen leitet.

Hauptberuflich ist Guettari, gelernter Gas- und Wasserinstallateur, als Bauleiter bei einem Großunternehmen in Duisburg beschäftig. Seine beiden Söhne, die übrigens nie geboxt, lieber Fußball gespielt haben, sind erwachsen. Es gibt sogar schon ein Enkelkind.

Er bügelt sogar die Kampfkleidung

Im Zusammenhang mit der Ehrenamts-Kampagne, berichtet Abi Guettari, habe er zum ersten Mal nachgerechnet, wie viele Stunden er pro Woche in den Verein investiert: „Mehr als 30, 32 können das werden, wenn man die Veranstaltungen am Wochenende dazu rechnet. Hier steckt eine Menge Arbeit drin. Da geht viel Freizeit drauf. Das ist im Laufe der Jahre auch immer mehr geworden.“ Er fährt die Jungs und Mädchen aus dem Kader auf eigene Kosten zu Turnieren, hält die Handschuhe in Ordnung, wäscht und bügelt die Kampfkleidung. „Damit alle ordentlich aussehen.“

Der Trainer nimmt es sehr genau, nennt sich selber „autoritär“. Jeder Sportler, der die Halle betritt, begrüßt ihn per Handschlag. Punkt 18 Uhr beginnen alle mit dem Warmlaufen rund um die baumelnden Sandsäcke, ohne dass er ein Kommando geben muss. „Sobald sie hier die Türschwelle übertreten, sind das meine Kinder. Sie lernen Respekt und Disziplin. Ich sage den Jungs aber auch immer: Nummer eins ist die Schule. Der Sport kommt erst an zweiter Stelle.“

„Wenn wir zurücktreten, würde der Verein kaputt gehen“

Etwa 20 bis 25 Boxer, darunter vier Boxerinnen, nehmen am Kadertraining teil. „Wir sind international“, erklärt der Trainer, der selber in Marokko geboren wurde. „Türken, Libanesen, Polen, Deutsche, Russen, Tschetschenen ein Flüchtling aus Syrien...“ Es gehe friedlich zu, dafür sorge er schon: „Wer sich nicht benehmen kann: Da vorne ist die Tür!“

Abi Guettari feiert in wenigen Wochen seinen 54. Geburtstag und hätte eigentlich gerne einen zusätzlichen freien Abend pro Woche, „aber das haut nicht hin.“ Die anderen Trainer, die den Boxclub tragen, sind teilweise noch älter. „Wenn wir zurücktreten, würde der Verein kaputt gehen“, so die Sorge des Ehrenamtlers. „Man braucht Nachwuchs, doch das ist sehr schwierig.“ Darum die Kampagne des LSB, bei der sie für Guettari einen Ehrentitel gefunden haben: Brücken-Bauer.

Auch ein Mülheimer Handball-Trainer kommt zu Ehren 

Mit dem Ziel, mehr Menschen für freiwilliges Engagement in Vereinen zu gewinnen, hat der Landessportbund NRW (LSB) soeben seine „Ehrenamtsinitiative 2018 – 2022“ gestartet. Offizieller Auftakt mit mehr als 150 geladenen Gästen war Anfang Dezember in der Arena Duisburg.

Hintergrund: Den Sportclubs fällt es immer schwerer, Leute dazu zu bewegen, ihre Freizeit zur Verfügung stellen. Als Gründe werden genannt: die demografische Entwicklung, erhöhte Mobilität oder auch veränderte Einstellungen zum Vereinsleben. In den kommenden fünf Jahren soll verstärkt Öffentlichkeitsarbeit gemacht werden für das Thema Ehrenamt. Dabei ist dem LSB klar, dass auch die Rahmenbedingungen für die Helfer attraktiver werden müssen.

Jeder kann eigene Slogans und Bilder vorschlagen

Im Rahmen der Initiative wurde eine Werbekampagne mit insgesamt zwölf Plakatmotiven aufgelegt, die „Starke Typen im Ehrenamt“ zeigen. Gleich zwei von ihnen kommen aus Mülheim: Außer Abi Guettari ist auch Michael Süßmilch dabei, langjähriger Jugendtrainer und offenkundig auch Trikotpfleger beim hiesigen Handballclub HSV Dümpten 1992. Süßmilch wird hinter einer Wäscheleine mit gelben Hemden als „Glanz-Leister“ präsentiert.

Die Reihe wird fortgesetzt: Jeder kann eigene Slogans und Bilder rund ums Ehrenamt vorschlagen. Zu gewinnen gibt es ein professionelles Fotoshooting.

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